Adele

Es gab lange Zeit nur eine Frau, die mich zum Heulen singen konnte. Das war Marie Fredriksson. Ihre Stimme ging mir schon immer durch Mark und Bein, hat für mich einfach was ganz Besonderes und wird mich immer direkt ins Herz treffen. Sie muss sich beim Singen nicht einmal Mühe geben, es funktioniert einfach wie selbstverständlich. Als wären mein Herz und ihre Stimme füreinander gemacht.

Vor vielen Jahren entdeckte ich dann Aimee Mann. Auch sie kann es. Es gab Momente, da kamen mir vor lauter Rührung die Tränen – ganz so einfach wie bei Marie Fredriksson war und ist das aber nie. Meine Stimmung muss passen, das Lied muss zu dieser Stimmung passen und Aimee Manns Stimme ist auch nicht immer ein Tränenzieher. Es bedurfte schon immer eines besonderen Momentes, damit Aimee Mann mich so berühren konnte wie Marie Fredriksson. Immerhin: Sie kann es.

Vor allem mit diesem Lied hier. Und vor allem dann, wenn sie es live singt:

Und dann ist da Adele. Die hat mich nie berührt oder erreicht. Ihr Album „19“ kannte ich gar nicht. Als damals „Rolling in the deep“ im Radio in Dauerrotation lief, beachtete ich den Song kaum. „Ganz nett“, dachte ich. „Schon wieder?“, dachte ich beim vierten Durchlauf. Ich hörte den Song aber nicht tot, es kam nicht der Moment, in dem ich dachte, dass es nun wirklich mal reiche. Ganz im Gegenteil. Auf einmal schlug meine Gleichgültigkeit in neugierige Aufmerksamkeit um. Ich drehte den Song, der inzwischen schon Monate im Radio lief und die Charts dominierte, plötzlich lauter. Ein paar Durchgänge später sang ich mit. Dann hörte ich „Someone like you“ und „Set fire to the rain“. Adele hatte mich gepackt, ohne dass ich es gemerkt hatte. Ich hätte mich zu diesem Zeitpunkt nicht als Fan bezeichnet, ich fand ihre Songs einfach nur gut.

Meiner Freundin schenkte ich dann zu Weihnachten den Doppelpack aus Live-CD/DVD und die CD dudelte dann wochenlang jeden Abend vorm Einschlafen im Schlafzimmer. Jeden Abend. Und mir dämmerte, dass diese Frau eine ganz besondere Musik macht. Allein die Live-Version von „Chasing Pavements“ geht so ganz tief rein. Jeder Ton, den sie singt, kommt aus ihrem Herzen. Aus jedem ihrer Worte kommt eine Glaubwürdigkeit, wie man sie bei anderen Sängerinnen wirklich vermisst.

Dann fand ich bei Vimeo auf der Seite des Accounts „iMashup“ ein Mashup von Adeles „Set fire to the rain“ mit John Newmans „Love me again“ – mit dem Titel „Set fire to love me again“. Dieses Mashup lief im Auto bei mir hoch und runter. Es ist klingt anders, es klingt frisch und schneller und zeigt, was Adele neben berührenden Balladen auch kann. Soul, Funk, Rock.

Jetzt ist sie wieder da, Adele. Mit neuem Lied, neuem Album und hoffentlich auch bald mit einer neuen Tournee. Sie ist die einzige Künstlerin auf diesem Planeten, für die ich meine selbstgesteckte Ticketpreis-Grenze von 100 Euro brechen würde.

Sie ist eine Diva, im positivsten Sinne. Sie hat wenig Lust auf Showbusiness, sie geht ihren eigenen Weg. Sie weiß, welche Musik sie machen will, sie weiß, wie sie sie machen will. Ich nehme ihr jedes Wort ab. Und als ich „Hello“ zum zweiten Mal hörte, machte es wieder „Klick“. Wir, die Kinder dieser Generation, dürfen uns glücklich schätzen, eine Künstlerin ihres Formats erleben zu dürfen. Sie ist ein absolutes Ausnahmetalent.

Noch elf Tage, bis das Album erscheint – ich kann es kaum erwarten!

Was mich traurig macht

Dass das Internet und vor allem die sozialen Netzwerke dieser Tage Fluch und Segen zugleich sind, dürfte einigermaßen klar sein.

Sie sind ein Segen, weil jedem zu jeder Zeit jede Information zugänglich gemacht wird. Zumindest in unseren Breiten- UND Längengraden. Niemand muss glauben (oder auch nicht), was der Nachbar erzählt, was die Verkäuferin angeblich erlebt hat oder was die Tante der Freundin der Mutter über die Schwägerin erzählt hat. Gut, das wäre sehr privat und im Netz vermutlich nicht zu finden.

Anders sieht es bei politischen Themen aus. Diese Öffentlichkeit gibt es im Internet, überall, zu jeder Zeit. Das ist gerade aktuell bei der Flüchtlingsthematik allerdings auch ein Fluch. Die pseudo-nachrichtlichen Webseiten, die gerne auch mal „nachrichten“ in ihrer URL haben, um glaubwürdiger zu wirken, verbreiten teilweise einen derartigen Blödsinn, dass sich einem die Zehennägel hochrollen. Aber leider gibt es genug Menschen, die diese Texte nicht nur glauben, sondern sie auch unverhohlen in den sozialen Netzwerken weiterverbreiten. Ohne eine Sekunde zu hinterfragen, was sie dort tun.

Von der Gegenseite käme an dieser Stelle das Argument, dass das mit vermeintlich seriösen Seiten wie Spiegel, Zeit Online, Süddeutsche oder FAZ nicht anders sei, denn die verbreiteten schließlich auch Lügen. Lügenpresse eben. Ich lasse diesen Leuten ihre Meinung. Vielleicht ist Berichterstattung tendenziös, aber vielleicht muss sie das auch sein. Das finde ich an dieser Stelle noch nicht bedenklich. Denn hinter jeder Nachricht steckt ein Mensch und eine von vorne bis hinten sachlich geschriebene Meldung zu formulieren, ist ohnehin nicht möglich, denn der Empfänger ist ebenfalls ein Mensch und gewichtet jedes gelesene Wort, wie er es gewichten möchte. Dieses Ungleichgewicht ist meines Erachtens nicht aufzuheben, aber auch nicht besonders tragisch – wenn daraus keine gewalttätigen Auseinandersetzungen entstehen. Bedenklich wird es doch erst, wenn Berichterstattung staatlich gesteuert ist – und das ist sie in Deutschland schlichtweg nicht. Für all die Erfahrungen, die ich als Journalistin gemacht habe, kann ich das zumindest ausschließen.

Viel schlimmer als all das ist das, was gerade in unserer Gesellschaft passiert. Der Ton wird rauher, viel viel rauher. Und hier liegt der zweite Fluch des Internets. Jeder kann zu jeder Zeit seine Meinung mitteilen – teilweise in einem Ton, dass es einem den Atem verschlägt. Reden diese Leute so mit ihren Mitmenschen auch im realen Leben? Wenn ja, dann frage ich mir wirklich, in welchem Land wir leben. Auf welchem Planeten.

Die Menschen spalten sich in zwei Lager. In das der „Gutmenschen“ und das der „besorgten Bürger“. Eine sachliche Unterhaltung über das Thema Flüchtlinge funktioniert ein paar Minuten, dann wird es persönlich, dann wird beleidigt, diffamiert und zum großen Gegenschlag ausgeholt. Von Menschen, die sich vielleicht vorher nicht kannten. Von Menschen, die sich kannten und sich mal gut verstanden. Und von Menschen, die vielleicht sogar mal befreundet waren. Der Riss, der gerade durch Deutschland geht, der macht mir viel mehr Angst als all die „Lügenpresse“-Krakeeler, als all die Pegida-Mitläufer und die Stühlewerfer. Weil keine Diskussion mehr möglich ist. Emotional sind wir an einem Punkt, der fast keine Steigerung mehr erlaubt. Angst, Wut, Verzweiflung, Hass und Resignation prägen dieser Tage das Bild – vor allem in den sozialen Netzwerken. Und wer sich einmal mit dem Nachbarn auf Facebook angelegt hat, überlegt dreimal, ob er noch rausgeht, um ihm „Hallo“ zu sagen. Wohnt denn wirklich so viel Hass in den Menschen? Wo war der all die Jahre? Ist das aufgestauter Frust? Ich will nicht glauben, dass Menschen so hasserfüllt, so unzufrieden und so angsterfüllt sind, wie sie es gerade zeigen. Denn es zeigt mir wiederum, dass sie in ihrem Leben offenbar viel verpasst, vieles falsch gemacht haben, viel bereuen. Anders mag ich mir das nicht erklären. Menschen, die sich in ihrem eigenen Land fremd fühlen, so sagen sie, aber selbst zum Urlaub ins Ausland fahren und dort willkommen sein wollen. Menschen, deren Aktionsradius nicht größer ist als der eigene Ort, die noch nie ein Wort mit einem „Fremden“ geredet haben, die selbst sogar einen Flüchtlingshintergrund in der eigenen Familie haben. Menschen, die jede Perspektive verloren haben, weil die Angst sie in sich selbst einmauert. Es ist traurig. Und ich habe da derzeit einfach nur noch Mitleid.

Ich frage mich seit heute Morgen, wann sich dieses erhitzte Klima wieder abkühlt, wann die Menschen endlich wieder normal werden, zu sich finden – und aufhören im größten Sandkasten der Welt mit Förmchen um sich zu werfen. Es ist eine bedenkliche Entwicklung und es sind Momente wie diese, in denen ich denke – das sollte ich vielleicht nicht, aber Gedanken kommen und gehen nun mal – dass ich langsam verstehe, wie es damals zum 2. Weltkrieg kommen konnte. Angst und Hass saß in den Köpfen. Vor allem Angst. Und dann kam  da eine vermeintlich leuchtende Gallionsfigur her, die versprach, dass alles besser würde, wenn man erst mal die Arier von den Juden befreit habe. Das vermeintliche Licht am Ende des Tunnels war letztlich nur der Weg in noch mehr Dunkelheit. Ich hoffe, dass alle, die sich derzeit in den Netzwerken und privat um Kopf und Kragen reden und schreiben, sich endlich wieder daran erinnern, dass mit Angst und Hass, mit Beleidigungen und Beschimpfungen die Welt keine bessere wird.  Keine bessere Welt werden kann.

Eine Welt ohne Kriege ist aus vielen Gründen (Macht, Geld, Wirtschaftsinteressen, Politik, Religion) nicht möglich. Aber eine Welt, in der wenigstens der Großteil der Menschheit nicht heißer läuft als 37 Grad wäre wünschenswert. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Es darf doch nicht wahr sein, dass sich Menschen in zwei Lager teilen lassen – mit einem tiefen tiefen Spalt dazwischen – weil sie über ein politisches Thema geteilter Meinung sind. Kann Angst sowas wirklich? Dann sollten wir Angst vor der Angst haben.

The five best Roxette concert moments

Yes, I am still in the Roxette mood. So many thoughts in my head, so many emotions to go through. Last night I thought about my top five concert moments that I experienced with Roxette or them as solo artists or Gyllene Tider. It was easy to find the top 2, the other 3 were a different thing. Here is my list:

5.) Roxette in Luna Park, April 4th, 2011

There’s not much to say about this one. Just watch – and especially LISTEN. And then watch the band’s faces, they are as dumbstruck as I was when I first saw the video. The South American fans ARE special, yes, so emotional, so deep and so loving.


4.) Roxette in Zürich, November 13th or 14th, 1991

Okay, hate this song or don’t – but THIS particular live performance is AWESOME. It shows what a great singer, actor and performer Marie Fredriksson is. She sings this song with all of her heart and soul. I love every second of it, despite the fact that I always skip the song on the albums. It sounds so damn outdated, that I can’t stand it. Anyway, this one has to be in the list.

3.) Roxette in South Africa, January 14th, 1995

This one is a personal favourite. I always loved this song live and furthermore I love Marie’s looks, her WAY of singing. I still melt away when I remember her singing this one live. It’s just really a very personal choice – I couldn’t point out any greatness, professionality, great sound or anything else. It’s just an emotion.

2.) Roxette in Berlin, June 27th, 2015

A magical night, as described in another blog post. The audience took over when Marie couldn’t find the words and Per couldn’t help either. Pure love it was in that moment. Certainly my top 2 moment.

1.) Per Gessle in Amsterdam on May 6th, 2009

We knew she would be coming, we were told. That’s why many came and made the journey at all. And then there she was. Her first ever appearance on stage with Per Gessle after eight years, after her illness. I never never never have heard people scream as loud as on that night. Handkerchiefs were handed, tears fell from many many eyes, goose pimples all around. This was a night to remember, to never forget again. There was a noise in this small hall, it didn’t seem to stop. And then she sang.

Unaussprechliches

11417815_10152874525860178_5057319221843887762_o

Foto | Kirsten Ohlwein

Es gibt so viel Unaussprechliches zu diesem Thema, dass mir nahezu die Worte fehlen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, wie und – wieso. Es würde genügen, zu schweigen, andererseits ist das hier eben ein Blog, eine Art Tagebuch, der richtige Ort, um all diese Gedanken loszuwerden.

Es liegen 2,5 anstrengende, intensive, schöne und erinnerungswürdige Wochen hinter mir. 14 Tage, an denen ich neun Roxette-Konzerte gesehen habe. 14 Tage, die mir die bittere Realität immer wieder vor Augen geführt haben. Genug Zeit, um sich an einen schrecklichen Gedanken zu gewöhnen. Eine Wahrheit, die vielleicht nicht nur meine ist.

Marie Fredriksson war und ist für mich die stärkste Frau, die ich kenne. Wer sich nach einem eigentlich tödlichen Gehirntumor auf die Bühne zurückkämpft, schreiben, rechnen und lesen neu lernt, der wieder begreifen muss, wie Sprache funktioniert, wie das mit dem Gehen war – und der dann auf einer Bühne steht und singt, fast wie früher, der ist verdammt stark, der hat einen eisernen, unbändigen Willen. Allein dafür bekäme sie von mir jeden Preis der Welt verliehen. Wie sie bei jedem Konzert den Schalter umlegt und sich innerlich vermutlich denkt „Showtime!“, wie sie mit den Fans flirtet, an guten Abenden die Töne raushaut, als wären sie keine Hindernisse, sondern tapfere Wegbegleiter, das ist unbeschreiblich.

Ich verfolge speziell ihren Weg während und nach ihrer Krankheit, habe sie seither einige Male getroffen. Zum ersten Mal nach ihrer Erkrankung im Herbst 2005, zum letzten Mal so richtig nah im April 2014. Was einst wirkte wie die Auferstehung Phoenix‘ aus der Asche, das tut mir jetzt so unsagbar weh, dass ich kaum Worte dafür habe. Angeschlagen war sie schon immer. Richtig gut ging das mit dem rechten Bein nie, richtig gut ging auch das mit dem Sehen nie. Aber das spielte ja nie eine Rolle, weil es für sie keine Rolle spielte.

Allmählich ist jedoch für mich ein Punkt erreicht, an dem ich diesem Verfall nicht mehr zuschauen kann, weil es derartige Qualen in mir auslöst, dass ich mich einerseits fragen muss, ob ich überhaupt eine emotionale Distanz zu ihr und ihrer Krankheit habe, und dass ich mir andererseits darüber klar werden muss, ob ich überhaupt wissen will, wie dieser Weg weitergeht.

Jetzt, nach dieser Tour, dämmert mir: Ich will es nicht wissen. Ich verdränge es auf brutale Art und Weise. Es holt mich ein, wenn ich Videos aus den Jahren 2009 schaue, aus den Jahren 2011 und 2012. Was ist seitdem passiert? Damals, da konnte sie alleine auf die Bühne gehen, sie konnte über die Bühne laufen, an guten Tagen, „Joyride“ mit den Fans singen, sie tanzte, bewegte sich im Rhythmus. Heute, 2015, geht das alles nicht mehr. Selbst den Weg zum Stuhl, auf dem sie dann 90 Minuten sitzen wird, schafft sie nicht mehr allein. Es ist jedes Mal so schmerzhaft, das zu sehen. Was ist passiert? Was wird passieren?

Diese Frage stellt sich ja nicht nur mir allein, sämtliche Medien, die in den letzten Wochen über Marie berichtet haben, greifen dieses Thema auf. Meines Erachtens aus purer Sensationsgeilheit, aber das ist ein anderes Thema.

Hier nur mal ein paar zur Auswahl:

Ok! Magazin
Kurier.at
Vienna Online
Süddeutsche.de
Neue Zürcher Zeitung
Bunte

Was ist also seitdem passiert? Sind das die berüchtigten Spätfolgen der Gehirntumorerkrankung? Fortschreitende Degenerierung? Eine Motorik, die immer behäbiger wird? Für mich ist nach insgesamt zehn Konzerten in diesem Frühling/Sommer klar: Ich kann es nicht mehr sehen. Ich möchte sie in Erinnerung behalten, wie sie einst war. Dabei geht es nicht um „besser“ oder „fitter“, sondern darum, dass ich nach all diesen Konzerten und kurzen Begegnungen an Hotels und Flughäfen das Gefühl hatte, ich störe einen privaten Moment. Dieser Verfall, und sorry, ich vermag es nicht anders zu benennen, ist privat. Er geht mich nichts an, denke ich. Solange die Frau abends noch in der Lage ist, den Schalter so umzulegen, wie sie es derzeit tun kann, bin ich bei Konzerten gerne dabei. Alles, was für mich als Hardcore-Fan bisher darüber hinaus ging, ist für mich beendet. Ich will nicht sehen, wie Frau Fredriksson es nicht schafft, allein aus dem Auto zu steigen. Ich will nicht wissen, dass sie bei längeren Wegen auf dem Flughafen im Rollstuhl geschoben wird. Ich will nicht dabei sein, wenn sie sich für ein Autogramm fast eine Minute lang abmüht, es unbedingt will, es so unbedingt schön hinkriegen will. Ich will nicht ihre brüchige Stimme hören, wenn sie sagt, dass sie heute kein Foto machen will, weil sie müde ist. Oder „privat“. Ich möchte nicht neben ihr stehen, wenn sie so wirkt, als wisse sie gerade gar nicht, wo sie ist, was sie hier tut und wo sie hin muss. Wenn sie jahrelange treue Fans nicht erkennt.

Das alles geht mich nichts mehr an. Jetzt, nach all diesen Tagen, habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr Teil dieser Welt sein kann, weil sie mich schlicht und ergreifend nichts angeht. Noch weniger als früher. Es war mir immer wichtig, meine Stars zu treffen – deshalb stand ich gerne mal am Flughafen oder Hotel und habe gewartet. Ein kurzes Lächeln, ein Winken, das reichte meistens schon. Ich bin kein Mensch, der Autogramme oder 120 Fotos braucht. Ich wollte einfach nur ein paar Sekunden die gleiche Luft atmen wie Per Gessle und Marie Fredriksson. Das macht es nicht weniger verrückt, es ist nur meine Erklärung dafür.

Dieses Kapitel ist für mich jetzt beendet. Der Verfall der Marie Fredriksson ist offensichtlich und ich kann und will nicht länger dabei sein. Weil es schier unermesslichen Schmerz in mir auslöst, mir Tränen in die Augen treibt und für mich langsam, aber stetig eine Ikone demontiert. Ja, ich habe über jene Fans, die schon vor dieser Tour sagten, dass es für sie Zeit sei, aufzuhören, gelächelt. Ich dachte, sie kämen schon wieder zurück und würden sich noch Tickets kaufen. Wenigstens für eine Show. Jetzt weiß ich, wieso sie es nicht taten. Weil sie es, wie ich, nicht ertragen können.

Ich bewundere all jene, die ihre Begeisterung immer noch so munter und tapfer vor sich her tragen, die Marie immer noch nach Fotos fragen, glauben, dass sie wirklich einen guten Tag hat, wenn sie vier Autogramme schreibt. Ich indes bin sogar noch zornig, wenn sie es nach einem abgesagten Konzert nicht schafft, sich einmal kurz zu den Fans zu drehen und zwei Sätze zu sagen. Sie entdeckt uns erst, als ihr Sohn ihr bedeutet, wo wir stehen, dreht sich um, winkt kurz und verschwindet. Ich bin dann zornig, weil ich zornig bin. Irgendwie hatte ich ein paar Worte erwartet, ausnahmsweise, ja. Ich, die in dieser Hinsicht sonst eher bescheiden ist. Ich frage mich bis heute: Konnte sie nicht? Wollte sie nicht? Hätte sie nicht zur gleichen Zeit mit angeknipstem Licht auf der Bühne gesessen? Sie sucht den Fankontakt nicht mehr. Denke ich in diesem Moment zum ersten Mal. In Wien am Flughafen zum zweiten Mal. Es wirkt teilweise, als sei ihr alles zu viel. Es macht mich so unfassbar traurig, so unbändig traurig, dass ich nicht weiß, wohin mit diesen Gefühlen – außer hierher, in diesen Text.

Für mich gibt es nach 24 Jahren nichts mehr zu jubeln, wenn es außerhalb des Konzertes stattfindet. Und ich fürchte, ganz ehrlich, auch das ist bald vorbei. Mir bleibt vielleicht nur noch das Beten. Und ich glaube nicht einmal an Gott.

Hier endet eine Ära für mich. Marie Fredriksson werde ich immer im Herzen tragen, ich werde weiter ihren Weg verfolgen, ihre Alben kaufen, ihr Buch lesen, sie unterstützen, sie zum Sieg schreien, für sie singen. Aber ein Teil von mir hat sich bei der letzten Begegnung am Flughafen in Wien am 9. Juli 2015 von Marie Fredriksson verabschiedet. Es tut einfach zu weh.

——————–
Here’s a bad English translation of my text:

There are so many things beyond words regarding this topic, that I almost don’t have words at all. I don’t even know where to begin, how and – why. It would be enough to stay silent, on the other hand this site is a blog, something like a diary, the perfect place to let all these thoughts come to life.
2,5 exhausting, intense, pleasant and memorable weeks lie behind me. 14 days, 9 Roxette concerts I joined. 14 days that showed me nothing but the bitter truth again and again. Enough time, to get used to an awful thought. I found a truth that might not only be mine.

Marie Fredriksson was and is the strongest woman I know. This one woman who fought her way back to the stage after a usually fatal brain tumour. This one woman who had to learn writing, counting and reading again, who had to understand again how language functions, how this thing called Walking works – and who then stands on stage again and sings, almost like in earlier times, this one person is damn strong and has an iron will. This alone would make me give her every prize of the world. I admire her for switching the light on at every show, probably thinking “Showtime!” every night, how she flirts with the fans and delivers a performance and sings her notes as if they weren’t an obstacle, but brave companions. It’s undescribable.
I especially follow her way during and after her illness. I met her several times since then. The first time I had the chance to come close was at her first public appearance in 2005, the last time I really met her was in April 2014.

Unfortunately, what once looked like the rise of the Phoenix is hurting me now in a way that I don’t have any words for this. She never was really healthy or fit again, she always had to fight the long term effects of her illness. Her right leg never was fine, same goes for her vision. But this was never important, it was irrelevant, because it was irrelevant to her.
Things changed. I reached a point on which I can’t watch her degeneration anymore, because it is hurting me so bad, that two questions come to mind. Do I have any emotional distance to her and her sickness? Do I actually want to know how her way will continue, what it will look like?
Now, after my leg of this tour, I start to realize: I don’t want to know. I ignore it to the fullest, in a brutal way. It haunts me, when I watch videos from 2009, from 2011 and 2012. What exactly happened since then? Back then, she was able to walk on stage alone, she walked during the show, on good days, sang “Joyride” with the fans, she danced, moved with the rhythm. Today, 2015, all this isn’t anymore. She can’t even make the way to the chair alone. The chair she sits on for 90 minutes. It hurts so badly to see this. What happened? What will happen?

I am not the only one asking this question. Many newspapers kept asking it during the last weeks. They don’t do it because they are genuinely interested in Marie, of course, but that’s a different story.

So, what happened? Are these the infamous long term effects of her illness? Ongoing degeneration? A coordination and motor function that gets worse and worse? There is one thing I know for sure after ten shows in total this year: I can’t watch this anymore. I want to keep her in mind as she used to be. It’s not about “better” or “fitter”, it’s about the fact that after all the shows and short meetings at hotels and airports I got the feeling that I am disturbing a private moment.
This degeneration, and I really don’t have any other word for it, is private. It’s none of my business, I am not supposed to see this. As long as this woman is capable of what she does right now on stage, to work like this, I am perfectly willing to join more concerts. Everything else that probably made me a hardcore fan is over and done. I don’t want to see, how Ms. Fredriksson isn’t able to get out of the car on her own. I don’t want to know that she sits in a wheelchair when they have long ways to go on an airport. I don’t want to be there, when it takes all her strength to sign something and you can clearly see that she wants it so much but it simply takes her a minute to finish it. I don’t want to hear her hushed voice, when she says that she doesn’t want to take a photo, because she’s tired. Or private. I don’t want to stand next to her when she seems like she doesn’t know where she is, what she is doing and where she has to go, when she doesn’t recognize long-term fans.

That’s none of my business. Now, after all these days, I feel that I can’t be part of this world anymore, because it’s simply none of my fucking business, less than it ever was. It has always been important to me to meet my stars – that’s the reason why I liked to go to the hotels or airports at all. A little smile, a wave, that was enough. I am not one of those who need more autographs and 120 more photos. All I wanted was to breathe the same air as Per Gessle and Marie Fredriksson for some seconds. That doesn’t make it any less crazy, but it’s my explanation.

This chapter is closed now. The degeneration of Marie Fredriksson is so obvious and I can’t and won’t be part of this any longer. It’s hurting beyond any words, it makes me cry and it dissembles an icon. Slowly but surely.
Yes, I smiled about those fans who didn’t even buy tickets for this tour, because they already knew for themselves that their time was over. I thought they would come back, buy some tickets and join the fun, at least for one show. Now I know why they didn’t. They can’t bear it, just like me.
I admire all those who still carry their admiration in such a happy way, who keep asking Marie for photos, believe that she really has a good day when she writes four autographs.
Me – well, I am actually indeed upset, when she isn’t able to turn to the fans after a cancelled show, to say two sentences. When she only sees us, after her son shows her, waves and disappears. And then I am upset that I am upset. This moment when I expected her something to say, the only time I really expected something. Until today I keep asking myself: Wasn’t she able to? Didn’t she want to? Wouldn’t she have been on stage at this very time with all the lights on? She is not eager anymore to meet her fans and this was the moment this thought occurred to me the first time. The second time it happened in Vienna, at the airport. It seems as if everything is too much for her. It makes so incredibly sad, so so sad, that I don’t know where to put these feelings – instead of here, this text.
There’s nothing to cheer about after 24 years if it’s outside of a normal show and I actually fear that this might be over very soon, too. Maybe the only thing left is to pray and I don’t even believe in God.

So, this is the end to an era for me. Marie Fredriksson will be in my heart forever. I will follow her, buy her albums, read her book, support her, yell her to victory, sing for her, but a part of me said goodbye to her at our last meeting at the Vienna airport on July 9th, 2015. It just hurts too much.

Das besonderste Roxette-Konzert

Wer nicht dabei war, wird es nie verstehen. Wer nicht dabei war, der wird sich bei diesem Video viel denken, nur nicht, dass da gerade Magie passiert, dass da gerade irgendein Gott seine Finger im Spiel hat und dafür sorgt, dass die Luft bebt, dass Liebe auf ihr durch die große Halle gleitet und alle Seelen miteinander vereint – dass sie eins werden. So etwas passiert vielleicht so selten, dass dieses Konzert zu einem der ganz besonderen gehört, vielleicht ist es das besonderste.

Marie Fredriksson beginnt zu singen. Dann vergisst sie den Text. Wie viele Male zuvor auch. Sie findet den Anschluss nicht mehr, das passiert nicht mehr so oft. Hilfesuchend blickt sie ihren Partner, Per Gessle, an. Der hat inzwischen, so scheint es jedenfalls, auch etwas den Faden verloren. Das Problem an der Sache: Außer ihm, seiner Gitarre und ihr ist niemand sonst auf der Bühne. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Fehler zu kaschieren. Aber an diesem Abend ist das auch nicht nötig. Das Berliner Publikum hat verstanden. Es hat alles verstanden. Und es springt ein. Es singt für die beiden Schweden, für Marie, für sich selbst. Es singt sich nahezu in einen Rausch. Es ist dieser eine Moment, der aus diesem Konzert am 27. Juni 2015 einen magischen Abend macht.

Danach gibt es nichts mehr zu verlieren, nichts mehr zu gewinnen. Die Menschen in dieser Halle sind angesteckt, wie im Rausch, sie können nicht mehr aufhören. Nicht mehr aufhören zu feiern, Roxette hochleben zu lassen. Es endet einfach nicht. Es endet nicht, bis es vorbei ist. Bis die letzten Töne von „The Look“ erklingen. Und selbst dann dauert es noch sehr lange, bis das ungläubige Kopfschütteln über das, was man hier gerade erlebt hat, nachlässt.

Noch Minuten später, bereits vor der Halle, singen die Zuschauer „The Look“, erzählen von der starken Frau aus Schweden, die so viel gibt, lächeln selig und sind sich dieses Moments unglaublich bewusst.

Und ich? Ich habe schon viele Konzerte gesehen, auch viele Roxette-Konzerte. Aber noch keines wie dieses. Davor noch nie, bei den weiteren sechs Konzerten mit Roxette auch nicht mehr. Vielleicht kommt das auch nie wieder. Und wer nicht dabei war, kann es nicht verstehen. Aber angucken, das kann man. Zum Glück.

Digitales Downgrade

Freitag, 29. Mai, es war soweit. Ich hatte die Schnauze voll vom asozialen Netzwerk Facebook. Nein, eigentlich ist es nicht das Netzwerk, das ich als asozial erachte. Es sind die Leute, die es so asozial nutzen, dass es asozial erscheint. Vielleicht ist es nur ein Eindruck, der sich seit Wochen und Monaten manifestiert. Ich hatte ja an anderer Stelle in meinem Blog schon einmal darüber geschrieben. Wilde Diffamierungen, Beleidigungen. Menschen laden ungefragt ihren ganzen Frust in verbalen Entgleisungen bei Facebook ab. Oftmals unter ihrem Klarnamen, oftmals ist ihnen vielleicht nicht klar, dass JEDERMANN das lesen kann, was sie in die Kommentare öffentlicher Seiten ergießen. Chefs, andere Vorgesetzte, Familie (Kinder?), Freunde.

Es war also Freitag, der 29. Mai, und ich hatte genug. Ausschlaggebend war ein Posting von Die Welt zu einem Artikel. In diesem geht es um eine Frau, die Wurst- und Fleischwaren mit Nadeln gespickt hat und dafür jetzt verurteilt wurde. Ja, könnte man jetzt sagen, wieso klicke ich bei Die Welt auch auf „Gefällt Mir“, wieso lasse ich mir das anzeigen? Weil – ganz einfach – ich in der digitalen, der onlineredaktionellen Branche arbeite und Die Welt vor ein paar Monaten damit angefangen hat, unglaublich dämliche Beiträge unglaublich lustig zu kommentieren. Das hat bei mir tatsächlich den Ausschlag gegeben, da mal auf „Gefällt Mir“ zu klicken. Endlich gab diesen Menschen mal jemand was zu denken, bot Paroli und schoss zurück, fernab jeglicher Netiquette.

Nun also postete Die Welt einen Link zu besagtem Text. Ich klickte, las und stellte fest: Eine Frau, offenbar psychisch krank, hatte diese Tat begangen. Ich machte den Artikel wieder zu und stolperte automatisch über den ersten Kommentar unter dem Posting. Der da lautete (und der letzte wirklich kleine Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte):

6

Ja, Gesicht und Nachname sind absichtlich unkenntlich gemacht, auch wenn man beides unter dem entsprechenden Posting schnell finden kann. Ich beteilige mich jedoch nicht am Bloßstellen anderer Menschen. Hier geht es nur um den Kommentar (der inzwischen, und jetzt ist Samstagmorgen, 238 Likes bekommen hat), in dem pauschal über alle Veganer geurteilt wird. Und das, obwohl in besagtem Artikel mit keinem Wort erwähnt wird, dass die Dame, die diese schreckliche Tat begangen und einige Menschen verletzt hat, Veganerin ist.

Aufgeheizt von so vielen unsachlich geführten Diskussionen über die Flüchtlingssituation in Deutschland, angestachelt von Sinnlosfragen in Flohmarktgruppen, die mit einer Schnellsuche bei Google innerhalb von fünf Sekunden selbst beantwortet wären, und genervt von all den unmenschlichen, unchristlichen und verletzenden Worten über Homosexuelle im Zuge der Debatte über die „Homo-Ehe“ (ganz schlimmes Wort übrigens), fasste ich einen Entschluss. Digitales Downgrade auf Facebook. Sofort. Ich überlegte zuerst, meinen Account komplett zu löschen, damit ich all das einfach nicht mehr in meine Welt lassen muss. Da ich diesen Account jedoch beruflich brauche, verwarf ich die Idee schnell wieder. Dann überlegte ich, einen neuen Account anzulegen, um damit dann die beruflich administrierten Seiten weiter zu betreuen. Auch diese Idee erschien mir nicht sinnvoll, denn, das gebe ich unumwunden zu, ich habe auf Facebook Kontakte zu Menschen, die mir mal nah waren, jetzt aber weit weg wohnen, Kontakte zu Menschen, die mir nie nah sein werden, ich aber gerne lese, was sie erleben und so weiter. Das alles aufgeben für ein paar Trolle, die zu jedem Posting ungefragt ihren Kommentar abgeben müssen? Sich einfach nicht mehr anmelden und damit auch die guten Seiten verpassen? Nein, auch das kam nicht in Frage. Es blieb also nur eins: entliken der Seiten, auf denen es besonders schlimm ist. Verlassen der Gruppen, in denen ich es gar nicht mehr aushalten kann. Ich wollte, dass Facebook für mich wieder das wird, was es am Anfang war: eine Plattform, der ich befehle, was sie mir anzeigen soll. Ich hatte hier natürlich die Rechnung ohne die Facebook-Algorithmen gemacht, aber dazu später mehr.

Ein gutes Facebook, ein Facebook, das mir nur noch zeigt, was es Gutes in der Welt gibt, was meine Freunde so machen. Fotos von Picknicks, Grillfeiern und Roxette-Konzerten – so stellte ich mir das vor. Also legte ich los. Und eins vorweg. Ich habe nicht ALLE Seiten entliked.

Ich habe meinen Facebook-Account seit Dezember 2008. Kurz bevor ich mich registrierte, hatte mich der Ehemann der Roxette-Sängerin Marie Fredriksson bei einem Treffen gefragt, ob ich Facebook habe. Ich hatte es nicht. Er schon. Ich wollte in Kontakt bleiben. Also registrierte ich mich. Die Plattform hat sich seitdem unglaublich verändert, das weiß jeder. Nun, fünfeinhalb Jahre nutze ich das Netzwerk inzwischen, und ich war erstaunt, wie viele Daumen nach oben ich vergeben hatte.

Zuerst einmal war es nahezu unmöglich, eine Übersicht der Seiten zu finden, die ich im Laufe dieser Zeit einmal geliked hatte. Ein Freund schickte mir einen Screenshot, nachdem ich ihm mein Dilemma mitteilte. Er schrieb, ich solle die „Info“ in meinem Profil öffnen, da gebe es eine Übersicht. Nein, bei mir gab es da keine. Auch jetzt, heute, finde ich unter Info nur das hier:

7

Es musste also eine andere Lösung her. Weil ich keine Lust hatte, mich damit intensiver auseinanderzusetzen, begann ich, über meine Timeline zu scrollen und alle Seiten, deren Beiträge mir dort angezeigt wurden, anzuklicken und dort mein „Like“ zu entfernen. Das ist mühselig. Und vor allem ist es unvollständig. Denn schließlich entscheidet Facebook, was ich dort sehe. Und das sind vor allem immer wieder Beiträge der gleichen Seiten. Viele viele Seiten, die ich irgendwann mal mit einem Daumen hoch beehrt hatte, tauchen dort gar nicht mehr auf, die Beiträge bekam ich schon seit Monaten nicht mehr zu sehen – wie ich später feststellte.

Nachdem ich ein paar Tage meiner Timeline abgegrast hatte, fand ich nichts mehr. Die üblichen Verdächtigen waren weg: Die Welt, ZeitMagazin, Süddeutsche Zeitung Magazin, Rhein-Zeitung – im Grunde erst einmal alle Medienseiten, auf denen ohnehin mehrmals täglich etwas gepostet wird. Doch es ließ mir keine Ruhe: Irgendwo musste es doch eine Übersicht über all meine Likes geben. Ich fand sie. Unter Neuigkeiten-Einstellungen. Ich gebe zu, das war zu einfach. Hier gibt es den Reiter „Seiten“. Und hier gibt es die Möglichkeit, die Seiten alphabetisch zu betrachten oder sie in der Reihenfolge „Meist gesehene Seiten in der letzten…“ anzeigen zu lassen. Endlich! Doch jetzt tat sich das nächste Problem auf. Die Liste war zwar da, nun aber fehlte ein Haken, um das Like zu entfernen. Bedeutete: Jede Seite extra anklicken, neuen Tab öffnen, Like entfernen. Ich tat das. Am Ende 219 Mal.

219 Mal entschied ich mich gestern gegen Seiten, von denen ich gar nicht mehr wusste, wieso ich sie jemals angeklickt hatte. Ich entschied mich gegen Seiten, die irgendwann mal von Freunden angelegt worden waren, aber schon lange nicht mehr gepflegt werden. Und ich entschied mich gegen Seiten, bei denen es mir wirklich schwer fiel, loszulassen.

In die erste Kategorie fielen Seiten mit Titeln wie „Wo ist mein Balkon? Ich muss zu meinem Volk sprechen“ (nein, ich fühle mich nicht so übermäßig größenwahnsinnig), „usedom.de“ (ich war noch nie auf Usedom und plane auch nicht, da bald hinzufahren), „Skoda Auto Deutschland“ (gab es da vielleicht mal ein Gewinnspiel?), „Teekanne“ (trinke ich gar nicht) oder die Seite eines schwedischen Künstlers namens Niklas Henrikczon & Nimphidia (wird irgendwas mit Roxette zu tun haben, aber ich weiß es einfach nicht mehr).

Die zweite Kategorie bereitete durchaus Schmerzen. Ich like gerne Seiten von Freunden, wenn sich dahinter eine gute Idee verbirgt oder wenn sie sich selbstständig machen und Reichweite brauchen. Doch nun war Großputztag und so flogen „Lippeladen“ (die Seite eines Fb-Freundes, der wohl in Lippe arbeitet, nehme ich an), „Homemade“ (die Seite einer lieben Freundin, die sich inzwischen anderweitig selbstständig gemacht hat, weshalb das nicht so arg wehtat) und alpha beta design (ich vermute, das ist eine Seite, die zu einer anderen Seite gehört, aber sicher bin ich nicht) raus. Hasst mich dafür nicht, aber mein Entschluss stand nun mal fest.

Kategorie drei tat weh. Sie tat wirklich weh. Aber es amüsierte und verwunderte mich auch. Ich komme gebürtig aus Gießen. So hatte sich in meiner Zeit auf Facebook einiges an Gießen-Seiten angesammelt. Die Liste ist gar nicht mal so kurz. Derzeit gibt es folgende Gießen-zentrierte Seiten (bzw. das sind die, die ich angeklickt hatte):

Gießen.de (inzwischen offenbar die offizielle Seite der Stadt)
Gießen entdecken
Giessen, Hessen
Gießen – meine Stadt
Mein Gießen

Sorry, aber da blickt doch keiner mehr durch. Steckt dahinter irgendein Marketing-Konzept, das ich nicht verstehe? Wieso darf jeder Hinz und Kunz eine Seite über seine Heimatstadt anlegen? Gibt es für sowas nicht Richtlinien? Reichen nicht eine oder zwei Seiten? Nun – ich hätte gerne eine behalten, aber ich konnte mich nicht entscheiden. Also flogen alle. Diese Löschung fällt tatsächlich in die Kategorie „Amüsant und verwunderlich“. Schmerzhaft wurde es bei den Gießener Zeitungen „Gießener Allgemeine“ und „Gießener Anzeiger“. Da ich kein Zeitungs-Abo habe, so bildete ich mir ein, blieb ich hier wenigstens grob auf dem Laufenden. Bei genauerer Betrachtung wurde mir klar: Zwei Facebook-Postings am Tag halten mich nicht auf dem Laufenden. Die Redaktion entscheidet schließlich, was interessant ist. Was wirklich für mich interessant sein könnte, erfahre ich nicht, und die Quote, dass ich das jemals herausfinde, ist relativ gering. Ich entschloss mich also auch hier für den „Bye-bye“-Klick, schweren Herzens. Ich bin immerhin gelernte Redakteurin, habe lange Zeitung gemacht.

Ich beendete meine öffentliche Sympathiebekundung außerdem auf Seiten, deren Inhalte mich ab und an doch interessieren: die Seite des britischen Schauspielers und Sängers Hugh Laurie, der US-amerikanischen Serie Homeland (dort werden für deutsche Fans ohnehin nur Spoiler gepostet, wir hängen immerhin eine Staffel hinterher), die Seite von Oliver Kalkofe hat mich ebenfalls verloren. Ich mag seine Postings, aber ich will keine Diffamierungen mehr. Seine nicht und die in den Kommentaren noch viel weniger. Ja, auch das Entliken des ZeitMagazins tat weh. Nach einiger Überlegung wurde mir jedoch klar, dass der Verlag diese Plattform nicht nutzt, um tatsächlich ins Gespräch zu kommen. Was das ZeitMagazin seit vielen Wochen auf Facebook postet, ist nicht das, was ich gerne dort lesen würde. Also weg damit.

Ich klickte und klickte und klickte und fand noch einige Karteileichen. Während meiner Zeit als Lokalredakteurin hatte ich blind jegliche Seiten, die sich auch nur annähernd im Gebiet der von mir betreuten Gemeinden befanden, angeklickt. Das Gleiche tat ich später als Sportredakteurin. Hier eine kleine Übersicht:

Boxteam Lahn-Dill e. V.
Emir Ahmatovic – Boxen
Freiwillige Feuerwehr Hüttenberg
Freiwillige Feuerwehr Hüttenberg-Reiskirchen
Freiwillige Feuerwehr Schwalbach
Handels- und Gewerbeverein Hüttenberg e. V.
Hochelheimer Kneipche
Hüttenberg
Jugendfeuerwehren der Gemeinde Hüttenberg
Junge Union Hüttenberg Schöffengrund Waldsolms
Mini-Feuerwehr Hüttenberg
Mädchen- und Burschenschaft „Frisch Auf“ Hüttenberg e. V.
SG Schwalbach 1910

Mein erster Gedanke, als ich diese Seiten sah: der Glaube und die Hoffnung daran, dass die Hüttenberger Feuerwehren im Brandfall nicht erst klären müssen, welche Seite das zuerst auf Facebook posten darf.

Sämtliche Radiosender, die ich jemals angeklickt hatte, um ein bisschen Promotion für Roxette zu machen, sind ebenfalls verschwunden. Eine Auswahl:

WDR2,
HR3,
SWR3,
HR1,
HitRadio FFH,
Antenne Bayern

Nach insgesamt vier Stunden war ich fertig und hatte mich von 219 Seiten getrennt. Was noch übrig ist? Alle offiziellen Seiten, die mit Roxette zu tun haben. Die Seite von Borussia Dortmund. Offizielle und inoffizielle Seiten, bei denen es um Star Trek und Akte X geht (ja, ich bin ein Nerd), Serienjunkies, DWDL, I fucking love science (einfach zu gut), die offizielle Seite der schwedischen Band Kent, zwei Seiten über die Schauspielerin Kate Mulgrew, ein paar Seiten von Freunden, die dort oder daran arbeiten und das regelmäßig und gut, ein paar Seiten über Lokaljournalismus, Patrick Stewart, der, was Social Media angeht, ganz vorne dabei ist, Aimee Mann, Angela McCluskey. Menschen und Themen, die mir am Herzen liegen.

Entspannt lehnte ich mich zurück. Nun würde alles gut. Oder? Die Erleichterung währte kurz. Immerhin hatte Facebook jetzt 219 Optionen weniger, Inhalte in meiner Timeline darzustellen. Was passierte also automatisch? Es dauerte keine Stunde und nun bekam ich Hinweise darauf, welche Beiträge von meinen Freunden wo kommentiert oder geliked wurden. Hier tauchte dann auch wieder Die Welt auf, Seiten über Veganismus, Seiten über alles Mögliche – und die Beiträge kamen so angezeigt daher, dass es so wirkte, als würde mir der Beitrag der Seite angezeigt werden – und eben nicht der Kommentar meines Freundes.

Die ganze Reinigungsaktion ließ mich zwar besser fühlen, mein Facebook ist dadurch aber auch nicht netter, menschlicher, freundlicher geworden. Ich begriff: Die Inhalte sind immer noch da und so lange meine Freunde diese Inhalte noch sehen und kommentieren, werde auch ich sie immer noch sehen und lesen. Es ist nahezu unmöglich, alles zu überscrollen und wegzuklicken. Die Person komplett ausblenden? Muss es das sein, wenn doch hier und da ein wirklich interessanter Beitrag dazwischen ist?

Mein Vorhaben, MEIN Facebook so zu gestalten, dass es mir ein bisschen Nettigkeit und Menschlichkeit bringt, ist leider gescheitert. Es ist auch im digitalen Zeitalter schwierig, vor allem, mit dem man nicht konfrontiert werden möchte, die Augen zu verschließen. Vielleicht hilft am Ende nur, Menschlichkeit entgegenzusetzen. Jedem frustrierten Kommentator da draußen ein paar liebe Worte zu schicken, eine virtuelle Umarmung. Vielleicht ist es das, was hilft. Hätte ich dazu nur die Energie und die Lust und die Gewissheit, dass es hilft.

Hier noch eine Übersicht aller von mir entfernten Seiten:

11freunde

ABZV – Bildungswerk der Zeitungen
adidas NEO Label
Aggressive Datewear
AlnaturA
alpha beta design
Alternate
Angie Harmon
Anja – The Biggest Loser 2013 Team Grau
Antenne Bayern
Aufmerksamkeitserreger
Auslisten – eine Sammlung recht witziger Listen
Autoren – und solche, die es werden möchten

Bastian Sick Live
Blenn Solutions
Bo Hansen
Bernhard – Biggest Loser Team 2013 Team Orange
Boxteam Lahn in Wetzlar e.V.
brand eins
Buzzfeed

Canon Flohmarkt
Catprint Media GmbH
Claire Underwood
Coverium: cover songs
Cover Songs

Daniel Fischer
Darré – Mein Schuhhaus
Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.
das Wetter nicht
Dein Sky Sport
Denns
Der Die Welt Praktikant
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union
Die Kriegsreporterin
Die Kur
Die peinlichsten und lustigsten FB Status Einträge und Fotos
Die virale Philo-Tür
Die Welt
Dieter Hallervorden
Dinge, die die Welt nicht braucht
Dinge, die ein Journalist nicht sagt
Dr. Helge Braun
DTT Gruppe – DTT Konzerte GmbH

E-Bock des Jahres
Eat this
Eco-Vegan Gal
Efva Attling Stockholm
Eidihard
Elephant Parade Copenhagen
EMI Music Germany
Emir Ahmatovic – Boxen
etoall.se
Evren Gezer

Facebook
Familienbetriebe Radde GmbH
Fans des gleichgeschaltet-ironischen Journalistenzirkels
Fewo Stockholm
Flohmarkt Gießen
foodwatch
Foto Ruhl, Gießen
Frank Buschmann
Free School Fotografie
Freienrat der Freien Journalisten an Lahn und Dill
Freiwillige Feuerwehr Hüttenberg
Freiwillige Feuerwehr Hüttenberg-Reiskirchen
Freiwillige Feuerwehr Schwalbach

Gaby Köster
George Takei
Germanwings
Geschichten vom Bürgersteig
Gießen.de
Gießen entdecken
Giessen, Hessen
Gießen – meine Stadt
Gießen: Verkaufen, Verschenken, Suchen, Tauschen
Gießener Allgemeine Zeitung
Gießener Anzeiger

HAARvanna by daniela
Hagen Rether
Hamburg – meine Stadt
Handels- und Gewerbeverein Hüttenberg HGVH
harmony.fm
Hartplatzhelden
Helena Josefsson
Hermann Toelcke
Hessisch – Sprache der Götter
HitRadio FFH
HNA
Hochelheimer Kneipche
Homeland
Homemade
House of Cards
HOUSE MD fan site
hr3
hr-online
HSG Wetzlar Fan-Club Grün-Weiss
Hugh Laurie
Hugh Laurie Blues
Hundefreunde Mittelhessen e.V.
Hüttenberg

I en underbar Roxetteballong – Marie Sörgjerd
I stepped on a corn flake, now I’m a cereal killer
iMashup
Ist das Kunst oder kann das weg?

Junk: A Rock Opera
journalismus.com
Jugenddrehscheibe
Jugendfeuerwehren der Gemeinde Hüttenberg
Junge Union Hüttenberg-Schöffengrund Waldsolms
JLU Gießen

Kachelmannwetter
Konditori Regnbågen
Kinopolis Gießen

Lebensmittellügen
Leifs Lounge Official Site
Lippeladen
Lisa Edelstein
Live Nation UK
Lätta

Malcomess – IHR Restaurant am Kornmarkt
Malin Ekstrand Fanpage
Maria Furtwängler
Maria Höfl-Riesch
Maskottchen Emma
Max Pett – das vergane Restaurant
Martina Hill
Mein Gießen
Mein veganer Traum
Mini-Feuerwehr Hüttenberg
Misfits
Mädchen- und Burschenschaft „Frisch Auf“ Hüttenberg e.V.
Möbelschnäppchen und mehr

NEON Unnütze Videos
Nachrichten-Netzwerk
Nancy’s Kitchen
Nein, Stil ist nicht das Ende des Besens
netzolutions ohg
nichts
Nidda – Bad Salzhausen
Night of the Proms
Niklas Henrikczon & Nimphidia
Noomi Rapace
Nutella

Oberhessische Presse
Obermutten GR Gemeindeverwaltung
Obstkiste
Ohrwurm des Tages
Oktober Promotion & Management
Oliver Kalkofe
Onkelsprech
Ökokiste Bosshammersch Hof
Öko-Test Verlag GmbH

Papalala Festival
Payback
Pizzeria Eisdiele Pircher
Proxtube
Publikative.org
Puma Football

Rach – getestet von Christian Rach
Renate Künast
Ritter & Reitzner – Praxis für Zahnheilkunde
Rizzoli & Isles
Rosbacher
Rote Rosen
Rote Rosen Fanclub
Rote Rosen und Nur Rote Rosen
Runner Project
Runners Point

Sabine Schneider FFH
Schneegida
Schwedische Rezepte
Schülervertretung der GS Schwingbach
SG Schwalbach 1910
Shinji KagawaNi
Skoda Auto Deutschland
Sojola
Spiegel Offline
Spleen24
Sport1 – Doppelpass
Sportschau
Stefanie Graf
Straßenfotografie / Urbane Fotografie
Streetart in Germany
Streetart retards
Süddeutsche Zeitung Magazin
Sue Sylvester (Glee)
Suikerrock
SWR3

Tatort Stadion
Tchibo
Teekanne
The Biggest Loser – Sat.1
The Nerdist
The Rival Hotel
The secret to humor is surprise
They’re, their & there have 3 distinct meanings. Learn them.
THW Gießen
Tierschutzverein Gießen
Tot aber lustig
transfermarkt.de

UEFA Women’s Euro
Universitätsstadt Gießen
Unnützes Wissen
usedom.de

VDL Infotag Facebook für das Lokale
VEBU – Vegetarierbund Deutschland
Vegan Essen Rezepteaustausch
Vegan Kochen mit Jerome Eckmeier
Vegetarisch und Vegan abnehmen

WDR2
Wetzlar – Stadt der Begegnungen
Who sampled
Wir essen jetzt Opa – Satzzeichen retten Leben
Wo ist mein Balkon? Ich muss zu meinem Volk sprechen

Y-Titty
You are your own gym

Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs
ZeitMagazin

Dann also vegan.. oder?

Am Donnerstag, 18. Dezember 2014, aß ich zum letzten Mal Fleisch. Käse-Lauch-Suppe. Hackfleisch ohne Ende. Fett ohne Ende. Magenschmerzen am Abend – ohne Ende. Schon da reifte die Entscheidung in mir: Kein Fleisch mehr. Ich vertrug es einfach nicht. Nach jedem Genuss von Fleisch/Wurst ging es mir nicht gut, der Magen rebellierte. Am Tag darauf, Freitag, 19. Dezember 2014, gönnte ich mir bei einem schon lange geplanten Wellness-Tag mit einer Freundin bei einem Frühstück noch einmal Schwarzwälder Schinken auf dem Brötchen. Und das war es. Seitdem habe ich kein Fleisch mehr angerührt. Nein, auch keine Wurst. Mit dem Gedanken, komplett auf tierische Produkte zu verzichten, hatte ich davor schon eine Weile gespielt, es aber noch nicht umgesetzt. Da mein Magen auch auf Milchprodukte nicht zufrieden reagierte, fiel die Entscheidung leicht. Langsamer Umstieg auf vegane Ernährung. Schon vor Silvester ging es langsam los, nachdem noch alle Reste brav gegessen wurden (Käse wirft man nicht weg, Milch trinkt man aus und Eier brät man eben noch).

Ab dem 1. Januar stellte ich dann meine Ernährung um. Gemeinsam mit meiner Freundin. Kein Brot mehr zum Frühstück. Stattdessen Frühstücksbrei mit Sojamilch und frischen Früchten. Dabei sind wir bis heute geblieben. Umgestellt haben wir das nicht, weil wir nun nicht mehr wussten, was wir auf Brot essen sollten (gibt ja genug Marmeladen), sondern einfach die bewusste Entscheidung zu mehr Obst und gesunden Kohlenhydraten. Der Brei schmeckt bis heute gut. Hier und da, an einem Sonntag, unterwegs bei Freunden oder Familie, frühstücken wir auch ganz normal Brötchen – dann eben mit Marmelade. Meistens.

Denn mein „vegan“ unterscheidet sich wesentlich vom eigentlichen „vegan“. Ja, ich esse hier und da Eier. Und ja, alle zwei bis drei Wochen gibt es ein Stück Fisch. Diese Einschränkungen habe ich mir bewusst gemacht, da ich von Anfang an wusste, dass ich es sonst so radikal nicht schaffen würde. Aber: Bei der Sojamilch sind wir konsequent geblieben. Auch bei Joghurt, Quark und anderen Milchprodukten. Beim Frühstück auswärts gab es auch hier und da mal eine Scheibe Käse. So lebe ich für mich vegan besser als mit dem Zwang, zu 100% das leben zu müssen, was vegane Lebensweise vorgibt. Ich fühle mich körperlich immer noch deutlich fitter als vor der Ernährungsumstellung. Ja, hier und da gibt es eben eine Ausnahme.

Nun sind fünfeinhalb Monate vorbei und allmählich stellen wir fest, dass uns Käse doch ein bisschen fehlt. Und irgendwie, ja, so sehen wir das, gibt es tatsächlich keine Alternative zu Käse. Keine geschmacklich gute Alternative. Käse ist nun mal Käse. Das bedeutet nicht, dass wir ihn nun wieder willenlos kaufen und essen. Es bedeutet eben, dass er uns fehlt. Und dass inzwischen wieder, hier und da, selten, Käse integriert wird. So gab es vergangene Woche zum ersten Mal in diesem Jahr kein rein veganes Gericht aus der heimischen Küche, sondern Spargel mit Parmesan-Kruste. Und er war herrlich lecker.

Nach fünfeinhalb Monaten bleibt also festzuhalten, dass es schwieriger wird, auf alles zu verzichten, was mal so gut schmeckte. Und ja, käsetechnisch ist es Verzicht. Während ich in diesem Jahr bisher nur zweimal Fleischgelüste hatte (einmal wollte ich unbedingt ein fettiges Schnitzel mit Pommes vom Lieferdienst, einmal rochen die halben Hähnchen vom Imbisswagen so gut) und die nach spätestens zwei Stunden auch wieder vorbei waren, holt mich der Gedanke an Käse öfter ein, als es mir lieb ist. Hier und da wird er also wieder in der Küche auftauchen.

Dennoch macht das überwiegend vegane Leben Spaß. Ich fühle mich wie bereits beschrieben deutlich fitter, besser und leichter. Der Gürtel lässt sich wieder enger schnallen und der Magen hält auch Ruhe. Sodbrennen habe ich keines mehr. Gemüse kochen macht Spaß und Obst schmeckt sowieso immer gut.