Darm 2.0: Tag 18

Tag 18, der irgendwie Tag 14 und damit das zweite Bergfest ist, startet mit einem Frühstück, das nicht aus einem Shake besteht. Das Problem hierbei: Ich habe mich für ein Pilz-Omelette entschieden. Das ist für Berufstätige, die sonst im Büro frühstücken, natürlich ein Graus. Denn bisher habe ich mir meinen Shake zuhause gemacht und mitgenommen. Oder ich habe mir den Hirsebrei mit Äpfeln gemacht und ihn mitgenommen. Ein Omelette möchte ich nicht mitnehmen. Es gibt wenig Schlimmeres als kaltes Omelette zu essen. Ich stehe also am Herd und brutzele mein Ei, das ich dann noch essen muss. Der absolute Nachteil dieser Idee ist, dass ich so früh frühstücke (es ist 6:15 Uhr), dass ich logischerweise um 10:30 Uhr wieder Hunger bekomme. Aber Mittagessen um 10:30 Uhr ist vielleicht doch ein bisschen zu früh.

Ich bin schon sehr glücklich, dass das Omelette mich überhaupt so lange sättigt und ich war auch glücklich, endlich mal ein Ei gegessen zu haben nach 14 langen Tagen. Dennoch quält mich der Hunger ab 10:30 Uhr. Ich schaffe es immerhin noch eine Stunde lang, ihn irgendwie zu ignorieren, trinke, was das Zeug hält, esse drei Mandeln. Doch um 11:40 Uhr gebe ich auf und erwärme mein Essen, das ich mir am Abend vorher gemacht habe. 11:40 Uhr ist nun auch so gar nicht meine Mittagessen-Zeit. Heißt für die Zukunft: Unter der Woche gibt es einfach kein Omelette mehr zum Frühstück. Zu unpraktikabel. Aber langfristig möchte ich morgens ohnehin gerne eine Scheibe Brot mit Käse und dann noch etwas Quark mit Obst essen.

Nun zieht sich diese sehr frühe Esserei extrem durch den Tag. Wer um 11:45 Uhr isst, und dann auch noch so wenig, der hat um 15:30 Uhr wieder Hunger. Und wieder ist es zu früh für Abendessen. Da ich zu dieser Zeit schon unterwegs zu meiner Halbzeit-Messung bin, kann ich den Hunger wirklich gut ausblenden.

Und diese Halbzeitmessung ergibt: in zwei Wochen 4,9 Kilo verloren (auf meiner Waage waren es 5,2 Kilo am Montagmorgen, aber das schwankt ja auch je nach Magen- und Darminhalt gerne mal) und 3 Prozent Körperfett. Mir ist jetzt nicht klar, ob das viel ist, aber mein Trainer schaut so, als sei es viel. Hüft- und Taillenumfang können wir leider nicht messen, da das Maßband abhanden gekommen ist. Das holen wir dann in zwei Wochen nach.

Anschließend besuche ich eine Freundin und merke gegen 17 Uhr: Kohldampf. Schlau, wie ich bin, habe ich mir einen Apfel eingepackt. In den ganzen zwei Wochen habe ich es bisher noch nicht gemacht, dass ich zwischen den Mahlzeiten einen Apfel gegessen habe, heute geht es nicht anders.

Und doch fühle ich mich schlecht dabei, als hätte ich irgendwas falsch gemacht oder zu viel gegessen. Ich halte mich ja gerne an meine Pläne und möchte nicht unangenehm auffallen. Nun ja, ein Apfel wird nicht so schlimm. Bei ganz schlimmem Hunger darf man das laut Plan ja auch. Also eventuell halb so wild.

Abends gibt es dann wieder einen Shake, der mich richtig gut sättigt. Ich sitze also satt und zufrieden auf der Couch und lasse den Abend ausklingen. Belohnt habe ich mich für den Zwischenerfolg noch nicht. Das passiert dann in zwei Wochen mit einem Besuch in einer Tapas-Bar.

Später sehe ich meinen neuen Ernährungsplan, der am Donnerstag noch mal einen kompletten Shake-Tag vorsieht. Das wird spannend, denn ich bin auf einer Tagung. Ich weiß noch nicht, wie ich es mache, dieses Zeug dann „heimlich“ anzurühren. Oder überhaupt anzurühren. Denn eigentlich mache ich immer einen Apfel rein, damit es besser runtergeht. Dafür bräuchte ich einen Mixer. Naja, kommt Zeit, kommt Rat.

Advertisements

Darm 2.0: Tag 17

Ich bin heute etwas unvorbereitet, was das Mittagessen. Ich habe nichts gekocht und auch noch keinen Plan, was ich essen werde. Da auf meinem Ernährungsplan nur ein einziger Salat draufsteht und ich hier im Büro nix kochen kann, wird es wohl der Salat. Diesen habe ich bereits mehrere Male gegessen und ich möchte nicht leugnen, dass er mir inzwischen ein bisschen zu den Ohren raushängt. Da ich später ja noch zum Sport gehe, cheate ich ein bisschen und haue mir 15 Gramm Thunfisch auf den Salat. Fisch darf ich ja wieder. Ich freue mich, wenn ich morgen endlich meinen neuen Ernährungsplan bekomme.

Ich hoffe dann auch, dass sich die Zahl der Shakes reduziert. Ernsthaft, ich kriege dieses Zeug nicht mehr runter. Es ist ab!artig!. Inzwischen auch ganz egal, ob Kohle-Aktiv-Pulver drin ist oder nicht. Am Abend mache ich den großen Fehler und mische das Pulver erstmals mit ungesüßter Sojamilch. Es schmeckt so ekelhaft. Falls ihr jemals dieses Experiment macht: Lasst die Finger von Sojamilch. Ach ja, und mischt das auch nicht mit Avocado, wie ich es gestern Abend getan habe. Vielleicht liegt es auch einfach an mir, ich will dieses Zeug einfach nicht mehr trinken.

Heute ist der erste Tag, an dem ich mich beim Sport nicht fühle wie ein nasser, dicker, alter Sack. Ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass ich durch den Sport selbst erst Energie zurückbekomme. Das ist ein schönes Gefühl und ich reize heute die Grenzen komplett aus.  Abends habe ich dann sogar nicht mal Hunger und könnte auf den Shake gut verzichten. Da ich weiß, dass da wichtige Proteine drin sind, würge ich knapp 3/4 dieses ekelhaften Protein-Soja-Avocado-Shakes runter. Mehr geht aber nicht.

Immerhin: Die Waage ist mir heute hold. Ich habe in der vergangenen Woche noch einmal irgendetwas zwischen 2 und 2,2 Kilo abgenommen. Sie kann sich nicht so ganz entscheiden, doofes Billigding.

Insgesamt sind also jetzt etwas über 5 Kilo weg – in zwei (!) Wochen. Das ist doch sehr erstaunlich vor dem Hintergrund, dass noch zwei Wochen kommen. Ich schätze mal, dass bis zum Ende dieser Kur vielleicht insgesamt 7 Kilo möglich sind.

Abends koche ich dann auch noch für das dienstägliche Mittagessen vor: Es gibt Putenbrust (!), mein erstes Stück Fleisch nach mehr als 18 Tagen, mit Gemüse aus dem Ofen. Dieses Rezept steht nicht in meinem Plan, aber ich mische ausschließlich Zutaten, die mir erlaubt sind, die Gesamtkalorienzahl übersteigt 250 Kalorien nicht – und irgendwann muss ich ja auch mal wieder selbst was kochen. Ich hoffe einfach, dass ich mit diesem Essen nicht komplett danebenliege.

Ansonsten freue ich mich auf Dienstag, denn dann ist auch shaketechnisch endlich Bergfest. Außerdem werde ich am Dienstag auch noch einmal von meinem Coach vermessen. Ich bin gespannt, was sich an Taille und Hüfte getan hat. Vermutlich weniger, als ich mir gerade erhoffe, denn gefühlt habe ich nur im Gesicht, an den Beinen und an der Brust an Masse, Fett und Konturen verloren.

Darm 2.0: Tag 16

Ja, meine Laune ist deutlich besser als an Tag 15. Das Tief ist überwunden, die Lust auf Pommes Frites erst einmal bezwungen. Ich stelle fest, dass mich diese Lust auf Nahrung außer der Reihe vor allem an Tagen überkommt, die außer der Reihe sind. Also alle Tage, die nicht Montag bis Freitag sind. Hier fehlt mir Struktur, der immer gleiche Tagesablauf. Daher vielleicht auch die Lust, außer der Reihe zu essen. Die Pommes vor Ikea, die Zimtschnecke bei Ikea… naja. Ich habe widerstanden.

Der Shake geht heute deutlich besser runter als gestern, was auch daran liegt, dass all die Kotze-Bilder verdrängt sind. Erst, als ich nur noch die Hälfte trinken muss, fällt es mir wieder ein. Ich trinke dann aber schneller, als sich der Ekel den Weg nach oben bahnen kann.

Heute ist vielleicht auch der erste richtige Tag, an dem der Hunger keine Rolle spielt bzw. auch teilweise nicht da ist oder die Phasen extrem kurz sind. Heute macht es mir fast nichts aus, dass zwischen Shake und Mittagessen fast sechs Stunden liegen.

Außerdem gibt es heute zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder Fisch! Lachs! Ich zergehe schon vor Schmacht, während das Stück im Ofen gart. Die Prämisse lautet ja: nicht mehr als 250 Kalorien pro Mahlzeit. Der Lachs hat mit seinen 125 Gramm laut Packung 125 Kalorien. Dazu schnippel ich mir fast eine ganze Zucchini. Wenn man sich das mal überlegt: 100 Gramm Zucchini haben 17 Kalorien, das ist quasi nichts. Ich fühle die Schüssel also so weit auf, dass ich bei 200 Kalorien bin und gönne mir für den Rest Ziegenfrischkäse, der auch auf meiner Liste steht. Bisschen Lust muss sein! Ein paar leckere Kräuter drüber und fertig.

22068959_10214419153258698_1573749245_o

 

Ich genieße jeden Bissen! Leider bekomme ich hinterher einen riesengroßen Hunger auf Schokolade. So groß wie noch nie in den zwei Wochen zuvor. Ich erinnere mich daran, dass ich in der allergrößten Not ein Stück Zartbitterschokolade lutschen darf. 70% Kakao und so. Das, was ich gar nicht so mag, wenn es nicht gerade verbacken ist. Ich fühle mich gerade besonders schlau und mache mir einen koffeinfreien Kaffee, in den ich dann die Zartbitterschokolade schmeiße. Hach ja, diese Mischung schmeckt so ekelhaft, dass ich die halbe Tasse wegschütte und mir die Lust auf Schokolade vergangen ist. Die auf Kaffee übrigens auch. Vielleicht sollte ich das ab jetzt immer so machen? Also, mein Tipp: Schmeißt keine Zartbitterschokolade mit 70% Kakaoanteil in den Kaffee. Das schmeckt nicht. Nicht, wenn keine Milch drin ist.

Und dann sitze ich vor dem Fernseher und schaue Bundestagswahl. Von 18 Uhr bis 21 Uhr durchgehend, ohne Pause. Bis mir irgendwann einfällt, dass ich meinen Shake noch gar nicht getrunken habe. Abendessen! Die sechs Stunden sind rum, Hunger habe ich eigentlich gar nicht. Aber weil ich glaube, dass ich muss, allein wegen der Nährstoffe, haue ich mir das Ding noch rein. Wäre nicht nötig gewesen, genauso fühlt sich mein Bauch hinterher auch an; ein bisschen arg blubberig. Nörgelig. So „musste das sein?“-artig.

So geht Tag 16 zu Ende. Die Laune ist einigermaßen gut, der Magen ist ein bisschen unzufrieden, aber ich hatte Lachs! L-A-C-H-S! Mich hat die 250-Kalorien-Mahlzeit übrigens wirklich gesättigt, wäre da nicht die Schokoladenlust gewesen. Jedenfalls hoffe ich, dass ich dann ab in zwei Wochen mit 1300 bis 1400 Kalorien am Tag gut hinkomme. Morgens 400, mittags vielleicht 500-600 und abends nochmal 300-400. Das sollte machbar sein. Und so würden theoretisch pro Woche noch mal 500 Gramm Gewicht verschwinden. Ich bin gespannt.. ! Weiterhin ist ein Cheat Day fest eingeplant, an dem es morgens auch mal Speck, Saft, mittags Pizza, abends Eis etc. geben soll. Sonst macht das Leben ja keinen Spaß mehr.

Ich bin heute schon sehr gespannt auf Tag 18, der shaketechnisch Tag 14 ist, weil ich dann meine Halbzeitmessung bekomme. Hüftumfang, Taillenumfang, BMI, Körperfettanteil, das wird alles neu gemessen.

Mein Appell!

Am Samstagabend sitzen meine Freundin und ich auf der Couch und unterhalten uns über die AfD-Wählerschaft. Es ist der Abend vor der historischen Bundestagswahl, es ist der 23.09.2017. Ich werfe eine kurze Analyse in den Raum und beschuldige alle AfD-Wähler als dumm. Ja, ich finde, sie sind dumm, wenn sie diese Entscheidung treffen. Weil sie nicht weiterdenken, weil sie nicht dahinterblicken, weil sie nicht das Ganze sehen, weil sie sich verführen lassen. Und schlicht und ergreifend deshalb, weil sie eine Partei in den Bundestag wählen, an deren Spitze Rechtsextremisten stehen, Nazis. Das ist dumm, diese Partei zu wählen, und deshalb sind diese Menschen für mich dumm.

Meine Freundin kann das so nicht stehen lassen. Sie verweist auf all die sozial Schwachen, da draußen. Die, die sich von der AfD haben abholen lassen, weil sie darauf hoffen, dass sie endlich auch mal ein größeres Stück vom Kuchen bekommen können, das ihnen der Migrant weggenommen hat. Sie erklärt mir, dass es beispielsweise Kinder aus sozial schwachen Familien nicht schaffen können, da niemals rauskommen. Dass es natürlich immer um Geld geht, die Bildung gewährleistet. Dass aus fehlender Bildung, fehlendem Geld und fehlendem Allem ein Neid entsteht auf andere, die vermeintlich mehr haben. Dass diese Menschen keine Chance bekommen, ihr Leben zu verbessern. Wir reden über eine ältere Dame, mit der Dunja Hayali damals bei ihrem Pegida-Besuch gesprochen hatte. Die von ihrer kleinen Rente erzählte und sich wunderte, dass Flüchtlinge mehr Geld bekommen als sie, wo sie doch 40 Jahre lang gearbeitet und geschuftet und Kinder fürs Land aufgezogen hat. Diese Ungerechtigkeit! Nein, sagt meine Freundin, diese Menschen sind nicht dumm. Sie fühlen sich einfach unverstanden und nicht abgeholt. Dies gilt sicher für den größte Teil der AfD-Wählerschaft. Blenden wir den Teil der Nazis und Rechtsextremen mal aus. Was bleibt ist der große Rest, der große Rest, der seine Heimat eigentlich bei der SPD finden sollte, bei der Partei, die sich für die Kleinen einsetzt, ihr Leben besser macht. Diese SPD gibt es nicht mehr, sie hat sich aufgelöst in der Großen Koalition. Sie macht es Martin Schulz unmöglich, in diesem Wahlkampf überhaupt irgendeine Position zu beziehen. Auf jeden Angriff auf Merkel folgt ein lapidares „aber das hat Ihre Partei doch mitentschieden“. Die Partei für die kleinen Leute gibt es in dieser Form nicht. Wer nicht Die Linke wählen kann, kann gar nichts wählen. Oder die AfD, denn die hat das Problem der kleinen Rente schon lange ausgemacht: Flüchtlinge.

Doch ich bleibe dabei: Wer sein Kreuz bei der AfD gemacht hat, ist dumm. Denn einfache Lösungen gibt es nicht. Und die AfD ist genau die Partei, die Minderheiten doch erst recht diskriminiert, hier geht es nicht nur um Flüchtlinge.

Ich denke heute, am Wahlabend darüber nach, was schiefgelaufen ist. Sehr viel. Seitens der Medien, seitens der Politiker, seitens der Gesellschaft. Fange ich mal hinten an.

Gesellschaft: Wir anderen, die wir unser Kreuz nicht bei der AfD gesetzt haben. Wir sind knapp 87%. Wo waren wir? Wieso haben wir es nicht geschafft, den ein oder anderen Wähler umzustimmen? Weil sie sowieso unerreichbar in ihrer blauen Wolke schwebten? Weil sie es nicht hören wollten? Vielleicht ist das bei einigen so, doch ich habe die Stimmung im Netz seit einigen Monaten beobachtet, und hier sah ich vor allem eines: Die AfD-Wähler wurden entweder ausgelacht, beschimpft, verhöhnt oder nicht ernst genommen. Fast nie habe ich gesehen, dass sich jemand ernsthaft eine halbe Stunde Zeit genommen hat, um das Wahlprogramm oder wenigstens einzelne Punkte daraus zu erläutern. Auch ich nicht. Und genau das bestätigt diese Menschen in dem, wie sie sich in dieser Welt wahrnehmen: nicht abgeholt, ausgelacht, abgehängt, nicht ernst genommen, vergessen. Erst in der letzten Woche habe ich wieder angefangen, auf Facebook mit AfD-Wählern zu diskutieren. Es ging immer ein bisschen hin und her, ehe ich dann einzelne Passagen aus dem Wahlprogramm rausgezogen habe, erklärt habe, was die eigentlich vorhaben. Die häufigste Reaktion: keine Antwort mehr. Das kann gut oder schlecht gewesen sein, aber es war wenigstens immer sachlich, immer auf Augenhöhe und nie so überheblich-herablassend, wie viele es in den letzten Wochen gepflegt haben. Niemand will ausgelacht werden für seine Meinung, natürlich flüchtet man sich in den Angriff, wenn das passiert. Inzwischen empfinde ich das als völlig logische Reaktion. Wir haben einen Haufen Arbeit. Auch wir müssen diese Leute jetzt wieder einholen. Reden, reden, reden. Und zwar ernsthaft. Nicht lachen, nicht beschimpfen. Und wenn sie laut werden, dann bleiben wir ruhig. Und wenn sie beschimpfen, dann winken wir nicht ab, sondern sagen etwas Nettes.

Politik: Im Grunde hat man das am heutigen Wahlabend fast von allen Parteien gehört. Die CDU sagt, sie habe die rechte Flanke vernachlässigt. Die SPD sagt, sie habe ihre Profil vernachlässigt. Das nur als Beispiele. Was sie nicht gemacht haben: die Sorgen gehört. Mal nicht zur Rente rumgeeiert. Mal nicht nur über Dieselskandal, AfD als Nazipartei und ihre eigenen Eitelkeiten gesprochen. Sich um sich selbst drehen, bis ihnen schwindelig war, statt um das Volk zu kreiseln, für das sie im Bundestag sitzen. Auch da liegt viel Arbeit vor den Parteien. Die SPD muss wieder sozialdemokratisch werden, die CDU muss wieder ein Stück nach rechts rücken. Dann wird eine AfD ganz schnell überflüssig.

Medien: Herr Herrmann hat heute in der Berliner Runde sehr viel Wahres gesagt, wenn er erklärt, dass in den vergangenen Wochen in fast jeder Talkshow der Großteil der Sendezeit auf die AfD verwendet wurde. In der gleichen Art und Weise, wie es auch viele Bürger taten: krawallig, verhöhnend, zu versucht, die bloßzustellen. Nein, so holt man keine Wähler ab und stimmt sie um. Genau SO spielt man dieser Partei in die Karten. Denn auch hier gilt das gleiche Bild: Der AfD-Wähler, der sich sowieso betrogen, hintergangen, nicht ernst genommen und verhöhnt fühlt, sieht sich wieder einmal bestätigt: Alle sind gegen mich. Jetzt erst recht. Da fehlt der Dialog. Und ja, die Politiker haben diese Gesprächsfäden viel zu oft aufgenommen. Viel früher hätten sie sagen müssen: „Heute nicht.“ Aber nein, das passiert dann leider erst bei der Berliner Runde, drei Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Ich kann nur jeden dazu aufrufen: Wenn ihr AfD-Wähler in der Familie habt, im Freundeskreis, Bekannte, wen auch immer. Bleibt im Dialog, redet mit ihnen. Seid nett, seid verständnisvoll, führt sie nicht vor, lacht sie nicht aus, beschimpft sie nicht. Das ist ihre Masche, nicht unsere. Das ist mein Appell heute!

Darm 2.0: Tag 15

Oh, Tag 15. Bergfest, nein, eigentlich schon über den Berg. Ab heute geht es bergab. Etwas mehr als die Hälfte ist geschafft. Da hat man gute Laune, ne? Nicht so ich. Ich warte auf mein Hoch. Das kommt dann schon am frühen Morgen fast aus dem Magen, als ich meinen sehr leckeren Kohle-Aktiv-Pulver-Shake trinke. Mit dem reingemixten Apfel, so fällt mir beim Frühstück auf, sieht das Zeug wirklich aus wie Kotze. Es fühlt sich im Mund auch an wie Kotze. Es schmeckt außerdem ein bisschen wie, genau, Kotze. Als mir das so langsam klar wird, wird mir schlecht. Dauert gar nicht lang, nur so 30 Sekunden. Das hat zur Folge, dass ich dieses Ekelzeug kaum noch runterkriege. Jeder Schluck ist eine Qual. Ich bin so froh, wenn das vorbei ist! Das ist wirklich das Schlimmste an dieser Kur. Gegen Ende meines „Frühstücks“ habe ich die sagenhafte Idee, den Rest der Kotze in meinem Becher noch mit Wasser vom Boden zu lösen, damit auch ja nix verloren geht. Die Konsistenz nähert sich nun den sogenannten KotzBROCKEN. Es ist derart abartig, dass ich nicht schlucken kann und das Zeug eine halbe Minute im Mund hin- und herbewege und gegen den Brechreiz kämpfe.

So beginnt Tag 15. Genau, der, wo alles toll sein soll, weil es ab jetzt bergauf, äh, bergab geht. Auf das Stimmungs-Bergauf warte ich noch. Da kommt keins. Nein, ich habe keine überbordende Energie. Das Einzige, was sich heute einstellt, ist Hunger. Hunger, innere Unruhe und Herzrasen, sobald ich beginne, irgendeiner körperlich etwas anstrengenden Tätigkeit nachzugehen. Vermutlich zu viel Sport und zu wenig Wasser. Meine Laune ist im Keller.

Immerhin: Heute gibt es zwei Mahlzeiten. Ich entscheide mich mittags für das Süßkartoffel-Kichererbsen-Gratin. Danach bin ich dann tatsächlich sehr wach. So wach, dass ich, obwohl ich im Bett zum Mittagsschlaf liege, den ich morgens noch so sehr herbeigesehnt hatte, nicht schlafen kann.

Die Zeit bis zum Mittagessen ist die, in der ich kurz überlege, das Handtuch zu werfen. Spätestens dann, als ich bei Ikea an einer Pommesbude vorbeilaufe. Ich kann nicht mehr, ich mag nicht mehr, ich will nicht mehr. Ich bin müde, entnervt, angewidert. Ich frage mich, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Erst deshalb, weil ich diese Sache überhaupt mache. Dann deshalb, weil ich mit dem Gedanken spiele, aufzugeben. Jetzt, wo die Hälfte rum ist?! Das ist keine Option.

Ich erinnere mich daran, dass ich einige Erfahrungsvideos von Healthy-Balance-Kundinnen auf der Webseite von HB gesehen hatte. Alle berichteten davon, dass die zweite Woche die schlimmste gewesen sei – und bei weitem nicht die beste. Ich hole mir bei meinem Coach noch einmal die Rückversicherung, dass ich mich genau so schwach fühlen darf, wie ich mich fühle. Er meint, dass es nicht schlimm sei, aber eigentlich auch so nicht vorgesehen ist. Whatever, ich bin ja nicht jedermann.

Abends gibt es dann wieder die superleckere Fetacreme mit Gurke und Paprika, die mich wirklich sehr sehr lange sättigt (no irony here). Und in der Tat: Ich fühle mich abends ein bisschen belebter. Aber von neuem Leben, neuem Körpergefühl, neuem Kopf kann keine Rede sein.

Ich backe heute außerdem mein zweites Buchweizenbrot, das sich leider nicht von der Form trennen will, was zur Folge hat, dass etwa ein Viertel des Brotes verloren ist. Ich koche eine Möhren-Ingwer-Suppe für die Woche. Ich bin ein Muster an Disziplin, ja ja, aber noch so einen Tag brauche ich ernsthaft nicht.

Ich freue mich auf morgen, wenn ich zum ersten Mal wieder Fisch essen darf! Es gibt Lachs mit Zucchini, ein Traum!

Darm 2.0: Tag 14

Ich warte immer noch auf das Hoch, das sich angeblich in Woche zwei einstellen soll. Ich merke davon nichts. Ich habe heute zwar kein Nachmittagstief wie gestern, aber richtig gut ist das alles auch nicht. Irgendwie fühle ich mich schwach.

Heute darf ich Mittagessen und entscheide mich für den Römersalat mit Schafskäse – den hatte ich auch gestern gegessen. Das ist nämlich tatsächlich der einzige Nachteil an meinem Ernährungsplan: Ich kann zwar aus einer Reihe von Rezepten mein tägliches Gericht auswählen, verbrauche aber nur so wenige Gramm eines jeden Lebensmittels, dass der Rest langsam im Kühlschrank vor sich hingammelt. Daher esse ich also nun zweimal nacheinander das Gleiche, damit der Schafskäse, der inzwischen fast zwei Wochen auf ist, endlich wegkommt.

Nachmittags sitze ich dann relativ lange im Auto und fahre durch die deutschen Lande. Mein Energielevel ist okay, ich bin nicht hundemüde, aber dass ich spätestens drei Stunden nach Shake oder Mahlzeit wieder Hunger habe, ist anstrengend.

Außerdem bekomme ich den Kohle-Aktiv-Pulver-Shake morgens kaum noch runter. Mich widert das Zeug jetzt dann endlich richtig an. Irgendwie geht es nur noch mit „Nase zu und durch“. Da dies mein Frühstück auch in der kommenden Woche bleibt, hoffe ich einfach, dass der Ekel nicht noch größer wird. Denn runter muss das. Allerdings muss das Zeug sowieso runter, wenn nicht im Morgenshake, dann mittags oder abends.

Da ich aber noch keinen Ernährungsplan für Woche drei habe, die am Mittwoch beginnt, lasse ich mich erst einmal überraschen, was da überhaupt auf mich zukommt. Aber wenn ich einen Blick in die Kohle-Aktiv-Pulver-Dose werfe, weiß ich, dass ich das wohl eher nicht absetze. Denn die Dose ist sicher noch halb voll.

Als ich abends endlich an meinem Ziel ankomme, bin ich innerhalb von einer Stunde hundemüde. Ich haue mir meinen Shake rein, versacke auf der Couch und liege um 21:45 Uhr schlagskaputt im Bett. Irgendwie ist das alles nicht so, wie es mir versprochen wurde. Not so nice.

Darm 2.0: Tag 13

In meinem Plan steht:

„In der Reduktionsphase verbrennt Ihr Körper vermehrt Fett. Die Entgiftung und Aktivierung Ihres Hormon- und Immunsystems läuft auf Hochtouren. Sie fühlen sich fitter und bekommen immer mehr Energie. Trainieren Sie regelmäßig.“

Ganz ehrlich? Rein mental bin ich fitter, ja. Ich bin entschlossen, ich ziehe es weiterhin konsequent durch, ich sündige nicht, halte mich an den Plan, gehe zum Sport, ich habe gute Laune.

Aber rein körperlich bin ich an Tag 13 (der ja eigentlich Tag 9 ist) ein nasser Sack, ein Wrack. Ich habe zum ersten Mal nach dem Mittagessen ein Fresskoma-Loch, das ich jetzt zehn Tage nicht hatte. Ich habe beim Langhanteltraining am Nachmittag so wenig Energie, dass ich zwischen den Übungen die Gewichte drastisch reduzieren muss. Ich will einfach nur noch auf die Couch, rumgammeln und meine Ruhe haben. Was läuft denn da nun schon wieder schief, dass dieser Plan so gar nicht passt? Nein, ich bekomme nicht immer mehr Energie. Es ist eher weniger. Ich führe es an Tag 13 darauf zurück, dass ich mittags essen darf und mir einen Salat mit Schafskäse laut Plan mache. Ich vermute, hätte ich einen Protein-Shake getrunken, wäre der Sport besser gegangen und eventuell wäre ich weniger müde gewesen. Ich bin jedenfalls reichlich bedient. Und das trotz guter Stimmung, Entschlossenheit etc.

Hunger habe ich übrigens auch immer noch, obwohl er sich anders anfühlt als zu Beginn. Irgendwie wurde es dem lauten Gemäkel meines Magens ein leises, nörgeliges Grummeln.

Dass bei mir generell so viel so deutlich vom Plan abweicht (der Hunger geht weg, sie fühlen sich fitter, abführen ist toll), deutet für mich darauf hin, dass in meinem Körper nicht nur einiges anders läuft, sondern dass mein Stoffwechsel so quer gewesen sein muss, dass er einfach jetzt viel länger braucht, um diese „Ziele“ zu erreichen.

Ich gehe natürlich weiterhin zum Sport, versuche weiterhin alles, dranzubleiben. Aber irgendwie fehlen mir die Körner.

Was ich derzeit auch gar nicht schaffe, weder an 11, 12 noch jetzt an Tag 13: Ich kann den Abstand von vier bis sechs Stunden zwischen Mittagessen (12:30 Uhr) und Abendessen (spätestens 18:30 Uhr) nicht einhalten. Wenn ich zum Sport gehe, bin ich frühestens um 19 Uhr daheim. Vom Hunger macht es keinen Unterschied, aber was es für den Körper bedeutet keine Ahnung.

An Tag 13 steht dann auch zum ersten Mal „Kneipe“ auf dem Programm. Einleitend dazu beginnt dieser Kneipenbesuch damit, dass ich aus dem Fitnessstudio trete und mir eine unwiderstehliche Geruchswolke in die Nase weht: frisch gekochtes Essen. Irgendwas mit Fleisch und Soße, so gefühlt. Herrje, was riecht das gut! Meine Begleitung fragt mich, ob wir wirklich in die Kneipe gehen wollen. Ich sehe es als Herausforderung an, denn künftig werde ich das Problem ja nicht weniger haben. Dort sitze ich also nun und trinke Rooibos-Tee. Tee und Wasser sind übrigens meine besten Freunde geworden.

Auf die Frage, ob ich so gar nicht von meinem Plan abweiche, kann ich nur antworten: Nein! Denn für mich ist klar: Ginge es um die Kalorien allein, dann wäre es mir vielleicht egal, ob es mal 50 kcal mehr sind oder eine Mandel mehr oder ob ich abends doch mal ein Stück Schokolade esse. Aber ich habe nun mal eine fest vorgegebene Lebensmittelliste, die der Darmsanierung dient. Und ich würde mir doch überhaupt keinen Gefallen tun, davon abzuweichen. Es hat einen Grund, dass ich nur dieses oder jenes und das auch nur in geringen Mengen essen darf. Also mache ich das auch. Alles andere wäre nicht nur Selbstbetrug, sondern sinnlos.

Dennoch: Für ein Stück Appenzeller würde ich gerade so einiges tun.