Darm 2.0: Tag 20

Ich war ja schon an einigen Tagen der Meinung, dass es noch schlimmer als heute nicht kommen kann. Vor allem die Samstage waren die „schlimmsten“ dieses Programms. Heute jedoch bekommt „schlimm“ eine neue Superlative.

Die Voraussetzungen des Tages: Um 6 Uhr fahre ich mit zwei Kolleginnen drei Stunden lang nach Hannover, um dort ab 10 Uhr einer zweitägigen Tagung beizuwohnen. Außerdem sagt mein Ernährungsplan, dass ich an diesem Tag nur drei Shakes zu mir nehmen darf, keine feste Nahrung. Zunächst einmal finde ich das eigentlich perfekt, denn von dem bei der Tagung angebotenen Essen dürfte ich sowieso kaum bis gar nichts essen. Dennoch bedeutet es, ich muss all meine Pulver, meine Milch und mein Obst mitnehmen und mir zwischendurch, während alle ihr Essen in sich reingabeln, meinen Shake zurechtschütteln. Dementsprechend voll ist meine Reisetasche, an Klamotten ist natürlich kaum was drin.

Morgens mache ich mir einen Shake zum Mitnehmen. Diesen trinke ich dann auch wirklich erst gegen 7 Uhr. Bedeutet auch wieder: Spätestens um 13 Uhr muss der zweite Shake irgendwie ins System.

Schon gegen 10 Uhr quält mich der Hunger sehr. Ich trinke, trinke, trinke. Und ich bin derart müde, dass ich kaum die Augen offenhalten kann. Ich muss aber dazu sagen, dass ich letzte Nacht verdammt schlecht geschlafen habe.

Dann ist Kaffeepause. Ich mache mir einen Grünen Tee. Auf den Tischen stehen Kekse. Kekse machen mich zum Glück gar nicht an, doch jetzt gerade würde ich auch einen Keks nehmen. Der Hunger wird dann so groß, dass ich ein paar Nüsse essen muss, meine Notfallmahlzeit, die ich essen darf. Ich glaube, der Hunger ist auch deshalb so groß, weil ich ab dieser Woche weniger Pulver in die Milch rühre: also noch weniger Kalorien.

Beim Mittagessen dann die skurrilste Szene des Tages: Ich stehe an einem Bistrotisch, schütte alle meine Ingredienzen zusammen, dann stellt sich ein Herr mit vollem Teller neben mich und fragt. was das sei. Als das Wort Darmsanierung fällt, ich bin da ja sehr offen, ist er still und redet auch nicht mehr. Ich wünsche ihm trotzdem noch einen guten Appetit. Nutzt ja nichts. Irgendwie ist es eine kleine Sauerei, einen halben Smoothie, Mandelmilch und Pulver in einen Shaker zu füllen und kein Wasser zum Wischen dabei zu haben. Tapfer trinke ich meinen Shake, während alle anderen sich Nudelsalat, gefüllte Paprika und Häppchen einverleiben.

Danach bin ich auch wirklich erst einmal satt. Der nächste Schock in der nächsten Kaffeepause: Es gibt Mohnkuchen! Für Mohnkuchen würde ich jetzt sofort einen Mord begehen. Es ist der Moment, in dem meine Laune an diesem Tag endgültig kippt. Ich will diesen Scheiß nicht mehr machen. Die Shakes gehen mir wirklich auf den Sack, ich bin endgenervt, ich will meine Ruhe und sofort feste Nahrung. Tapfer trinke ich noch einen Grünen Tee und schmolle vor mich hin.

Nach dem ersten Seminartag laufe ich insgesamt noch zehn Kilometer durch Hannover; wenn man schon mal da ist… übrigens eine sehr schöne Stadt. Ihr glaubt nicht, an wie vielen Restaurants, Bäckereien, Bistros, Cafés ich vorbeikomme. Und jedes Mal denke ich heute: Ich geh da jetzt rein und bestelle was. Ich geh da jetzt rein und bestelle was.

Die Laune ist wirklich bei Null, sorry to say. Natürlich gehe ich nirgends rein, natürlich bestelle ich auch nichts.

Zurück im Hotel geht es dann auch wieder. Ich mixe mir den letzten Shake des Abends und würge ihn irgendwie runter. Nein, das Zeug schmeckt jetzt einfach nicht mehr. Ich freue mich auf das Frühstück, denn frühstücken darf ich am kommenden Tag.

Ich nehme aber schon mal etwas von Tag 21 vorweg, wenn ich sage, dass das Hotelrührei natürlich nicht nur aus Ei, sondern sicherlich zugesetzt mit Vollei, besteht. Davon esse ich dann leider nicht nur zu viel, sondern überhaupt etwas. Mein Körper bestraft mich nach nicht mal einer Stunde mit einer kleinen Durchfallattacke. Er kann diesen Fertigfraß offenbar nicht mehr gut verdauen. Das ist jetzt endgültig MEIN Zeichen, die Finger davon zu lassen. Ich esse ansonsten noch Paprika, Gurke, Tomate, ein bisschen Lachs und ein Ministück Forelle. Danach ist mir schlecht: mit Sicherheit vom Fertig-Rührei. Gekochtes Ei wäre eventuell die bessere Idee gewesen, hinterher ist man eben immer schlauer. Jedenfalls ist mir jetzt so übel, dass ich wieder neuen Mut habe, dieses Programm wirklich durchzuziehen und danach die Ernährung genau so zu lassen, wie sie jetzt ist: weniger, Frisches, kein Fertigfraß mehr. Ich vertrage es ja offenbar auch nicht mehr…

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