Darm 2.0: Tag 11

Meine Haut! Beim morgendlichen Blick in den Spiegel bin ich ein wenig überwältigt. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ein Babyhäutchen hatte. Vielleicht mit 10 oder so. Ich bin wirklich nicht eitel, aber als ich das sehe, die ganzen Unreinheiten auf der Stirn sind weg, schaue ich doch noch mal eine halbe Minute länger hin und freue mich. Jetzt wüsste ich natürlich noch gerne, weshalb die Haut so gut ist. Wegen des Zuckerverzichts? Oder wegen des Weizenverzichts? Die Kuhmilch ist es definitiv nicht, da ich ja eine Weile mal vegan gelebt habe und sich damals gar nichts tat. Es muss Zucker oder Weizen sein. Unfassbar. Ich bin nahezu schockiert und streiche sanft über die Stirn. Tag 11 kann kommen!

Außerdem gibt es heute Frühstück! Ich darf frühstücken! Ich überlege kurz, ob ich mir heute das Omelette mit den Pilzen aus meinem Plan mache. Es wäre das erste Ei seit fast zwei Wochen. Aber dann gewinnt, weil ich fürchte, dass das Omelette so gar nicht sättigt, der Buchweizenbrei mit zwei Äpfeln. Kauen! Kauen am Morgen! Wie habe ich es vermisst. Ich genieße jeden Bissen und bin danach wirklich pappsatt. Ich habe generell den Eindruck, dass weniger in den Magen passt. Selbst die Shakes kann ich fast kaum noch komplett trinken ohne zu platzen. Aber ich muss ja, sonst wird der Hunger vor der nächsten Mahlzeit noch größer.

Ich muss zwar zugeben, dass sich die Art des Hungers irgendwie verändert hat seit gestern, aber er ist immer noch da. Weniger aufdringlich, aber eben präsent. Da ich heute erstmals seit einer Woche wieder zwei Mahlzeiten essen darf, ist es aber trotzdem ein guter Tag. Mittags gibt es wieder Möhren-Ingwer-Suppe und – das genehmige ich mir – ein paar Nüsse. Die stehen nicht auf dem Plan, aber die gönne ich mir zwischen den Sporteinheiten, denn wenn ich es richtig verstanden habe, soll ich SO viel Sport eigentlich gar nicht machen. Ich stehe ja immer noch dreimal pro Woche auf dem Crosser und mache danach entweder Gerätetraining oder meinen Langhantelkurs. Da werden ein paar Nüsse nicht schaden. Das ist die einzige Einschränkung, die ich vielleicht „gebrochen“ habe, wenn man es so nennen kann, die einzige Abweichung von meinem Plan. Ansonsten ziehe ich den Kram weiter wacker durch. Nutzt ja nichts.

Ich lese mich heute außerdem ein bisschen zum Thema Weizen ein und bin inzwischen der Meinung, dass der direkt aus der Hölle kommt. Ja, bei mir gibt es in solchen Extremsituationen nur schwarz und weiß, aber nachdem, was ich so gelesen habe, essen wir allgemein zu viel davon. Mein Plan steht: keine Weizenprodukte mehr nach dieser Kur, nur am Schummeltag, der einmal pro Woche sein wird. Ich weiß noch nicht, ob es mir dann bekommen wird, an diesem Tag abzuweichen. Aber Fakt ist ja auch, dass ich nicht glutenunverträglich in dem Maße bin, dass ich Durchfall oder sonstige wirklich schwerwiegende Probleme habe. Eine Pizza hier und da muss drin sein.

Was ich auch merke: Ich bin wach. Ich bin den ganzen Tag wach. Keine Fressnarkose mehr nach dem Mittagessen, kein morgendlich komatöses Aufwachen, kein Zwang, Kaffee trinken zu müssen, um auf die Füße zu kommen. Das ist sehr sehr anders zu vorher. Und ich frage mich, wieso wir uns diese schädlichen Lebensmittel (speziell eben Zucker und Weizen) den ganzen Tag reinfahren, wenn wir sie doch eigentlich gar nicht vertragen und das in jeder Minute an jedem Tag merken? Weil es glücklich macht? Das ist ein Trugschluss. Ganz ehrlich: Ich bin jetzt, so, in diesem Zustand, viel glücklicher und freier als vorher. Ich will das auch nicht mehr aufgeben. Ja, es ist mehr Aufwand, weil ich mehr kochen muss. Ja, es ist Verzicht, weil es eine umfassende Umstellung liebgewonnener Gewohnheiten bedeutet. Ja, es ist Einschränkung, weil eben nicht mehr alles und immer geht. Aber allein der Gedanke, dass der westliche Mensch jederzeit jedes Essen zur Verfügung hat, ist eigentlich gruselig genug.

Naja, ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr auf diesen Text hier zurückblicke – und ob ich dann schon wieder in meinem Weizen-Zucker-Nachmittagskoma im Büro sitze und die vierte Tasse Kaffee reinschütte, weil ich einfach nicht verstehen kann, wieso ich so müde bin…

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