Darm 2.0: Tag 8

Tag 8, Shake Nummer vier zum Frühstück. Ganz ehrlich? Der morgendliche Shake mit dem Kohle-Aktiv-Pulver hängt mir genau jetzt zu den Ohren raus. Ich will das nicht mehr trinken, ich kann das nicht mehr trinken. Doch der Plan der kommenden Woche offenbart, dass ich genau an zwei Tagen frühstücken darf. Frühstück statt Shake. Dabei ist Frühstück für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages. Ich könnte sie niemals auslassen oder nur mit einem Smoothie bestreiten. Eher würde ich das Abendessen weglassen. Aber ein Morgen ohne Frühstück, und es ist ganz egal, ob das Müsli, Joghurt, Obst oder ein Nutella-Brötchen, Rührei, Speck oder ein Salami-Brot ist, ist kein richtiger Morgen. Wenn der Shake noch dazu schmeckt, als hätte man Flummi flüssiggekocht und in Vanille-Pulver eingerührt, vergeht es einem relativ schnell. Da ich tatsächlich in meinem Rezepte-Katalog Shake-Varianten habe und diesen pimpen darf (mit Beeren, mit Salat etc.) mache ich das heute und reibe mir einen Apfel rein. Jetzt schmeckt er einigermaßen frisch und ich bin danach auch erst einmal satt. Die Betonung liegt natürlich auf „erst einmal“. Quasi vorübergehend. So kurz, dass man es kaum merkt. Denn jetzt, wo ich jeden Tag eine Mahlzeit essen darf, wurde die Pulvermenge reduziert, was ich leider sofort am Hunger merke.

Das Problem heute: Ich habe Pläne! Direkt nach dem Frühstück geht es in die Eifel, um dort ein paar Besorgungen zu machen, Menschen zu treffen und den Tag zu genießen. Mein Problem: Ich habe ja faktisch nur maximal sechs Stunden (Abstand zwischen den Mahlzeiten vier bis sechs Stunden, wir erinnern uns), um wieder zurück zu sein. Denn heute darf ich zu Mittag essen, und dieses Essen muss ich schließlich auch noch kochen. Die Idee ist: in sechs Stunden wieder zurück sein. Was ich hierbei nicht auf der Rechnung habe, ist mein Hunger. Todesmutig nehme ich zwar eine Flasche Wasser mit auf Reisen, um ihn zu unterdrücken, aber die reicht natürlich überhaupt nicht. Gegen 8:30 Uhr frühstücke ich, gegen 11:30 Uhr knurrt langsam der Magen. Ich stehe mitten in einem Kaufhaus, das Wasser liegt im Auto, das Essen ist in weiter, weiter Ferne…als es dann so richtig losgeht. Nebenan eine Bäckerei mit all den fettigen, zuckrigen Köstlichkeiten. Jetzt wäre ein belegtes Laugenbrötchen mit Tomaten und richtig schön fettigem Käse geil. Ich gebe zu, der Zucker fehlt mir gar nicht. Mir fehlt das Fett. Mir fehlt Käse, mir fehlt Wurst.

Ich trinke zwar schnell ein paar Schluck Wasser, aber richtig satt macht das nicht. Nun gilt es, die Pläne umzuschmeißen, denn diverse Baustellen und Umwege führen dazu, dass am Ende einige Kilometer Umweg auf dem Tacho und eine Stunde mehr auf der Uhr stehen. Heute soll es eigentlich Kräuterseitlinge mit Erbsen und Paprika geben. Immerhin zwei dieser Zutaten habe ich schon im Auto. Also wird vor Ort bei der Familie gekocht.

Hier das nächste Problem: Jetzt koche ich für drei Personen. Da die Menge für eine Portion schon nicht sattmacht, verfünffache ich die Zutaten. Das klappt beim Kochen zwar einigermaßen gut, aber beim Essen natürlich nicht. Ich habe nämlich überhaupt keine Lust, das heiße Essen noch mal abzuwiegen. Ich will einfach nur essen, inzwischen ist es nämlich schon 15 Uhr. Um nicht komplett aus den Latschen zu fallen, hatte ich vorher eine Handvoll Nüsse gegessen. Wie ich inzwischen weiß, ist das sogar erlaubt. Es hat mich vermutlich über die letzte Stunde bis zum Essen gerettet.

Ich esse also, kann aber gar nicht sagen, ob ich letztlich genau die Mengen zu mir genommen habe, die ich essen soll. Ich schätze grob und nehme mir ein Fünftel des gekochten Essens. Dass es nicht genug ist, merke ich keine (!) zwei Stunden später.

Nun sitze ich in einem Café am Rursee, trinke brav einen entkoffeinierten Kaffee mit einem Minischuss Kuhmilch, da es hier nix anderes gibt – und mein Magen knurrt. Ich habe richtig richtig Hunger und baue auf dem Weg zurück ab. Ich bin müde, erschöpft und gleichzeitig unruhig. Nein, der heutige Tag 8, oder eher Tag 4 des Programms, ist wahrlich kein guter.

Und so reibe ich mir auch in den abendlichen Shake einen Apfel, versacke auf der Couch und trinke noch zwei Tassen Tee und Wasser. Die Laune ist heute definitiv am Nullpunkt.

Dieser Tag zeigt mir, dass das Programm alles andere als flexibel ist. Man kann nicht mal eben dies oder jenes umwerfen. Plan ist Plan. Und dieser verdammte Hunger geht mir – nachdem ich ihn zwischenzeitlich ja schon irgendwie akzeptiert hatte – dermaßen auf die Nerven, dass ich wirklich gereizt werde.

Ich werfe abends noch einen Blick in mein Programm und sehe dort, dass es ab Tag 4 eigentlich aufwärts gehen soll. Hunger soll sich verziehen, ebenso Müdigkeit und schlechte Laune. Man soll sich fitter und freier fühlen. Nun ja, ich merkte ja schon beim Abführen, dass ich offenbar kein Standard-Mensch bin. Ich habe Hunger, ich habe den ganzen verdammten Tag Hunger. Und er hört auch nicht auf. Und ich weiß noch nicht, wie ich das noch weitere zehn Tage – mindestens – aushalten soll. Ich warte immer noch verzweifelt auf dieses Hochgefühl, dieses Sich-Frei-Fühlen. Ich habe ja wirklich gar nicht gesündigt. Keinen Zucker gegessen, keinen Kuchen, keine Schokolade, kein Eis, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis. Nichts, nada. Ich habe zu 98% nach dem Plan gelebt, sehen wir mal ab von der zu großen Portion Brokkolisuppe, den Äpfeln im Shake und von der Kräuterseitlinge-Mahlzeit, bei der ich nicht weiß, wie viel ich tatsächlich davon gegessen habe. Sonst: keine Sünde. Ich habe sogar den Kaffee aufgegeben. Zumindest den mit Koffein. WARUM habe ich also Hunger?

Ich bin genervt. Sehr sehr genervt. Ende Tag 8/Tag 4.

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