Darm 2.0: Tag 5

Zwei wirklich wichtige Dinge fallen mir am fünften Tag ein:

1.) Es ist gar nicht der fünfte Tag, sondern faktisch erst der erste. Denn erst heute habe ich ja mit meinen Shakes begonnen, und ganz offiziell beginnt hier die Zeitrechnung. Nicht mit dem Tag meiner Nahrungsumstellung. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, ob ich das gut finde. Ich bin innerlich eingestellt auf 28 Tage, nicht auf 33. Und das ist so eine Sache mit der inneren Einstellung; jedenfalls bei mir. Ich kann ein bisschen an ihr zupfen und zerren. Aber wenn ich mich einmal auf etwas eingestellt habe, was mit derartigen Hungerqualen und Überwindungen und Herausforderungen zu tun hat, dann bin ich genau darauf eingestellt. Da gibt es keine Seitenwege. Derzeit überlege ich also, ob ich die Sache tatsächlich einfach nach 28 Tagen beende. Vielleicht sollte ich mit dieser Entscheidung aber auch einfach mal warten, bis Tag 28 wirklich vor der Tür steht. Das ist ja noch ein Weilchen. Vielleicht kann ich mir bis dahin gar nichts Besseres vorstellen, als mit Pülverchen und Milchersatzprodukten Shakes anzurühren.

2.) Ende September bin ich inklusive Übernachtung bei einer Tagung in Hannover. Bis dahin darf ich zwar wieder Fleisch essen. Aber dass ich überhaupt dorthin fahre, hatte ich bei meiner Planung gar nicht auf dem Schirm bzw. komplett vergessen. Ich bin gespannt, was es dort an Essen so gibt, was ich davon essen kann und darf. Die Pulver muss ich ohnehin mitnehmen, vermutlich muss ich die ein oder andere Mahlzeit doch ersetzen.

Nun zu Tag 5, der eigentlich Tag 1 ist. Die falsche Zeitrechnung hat durchaus ihre Vorteile, denn ich habe inzwischen das Gefühl, dass ich den Zucker- und Koffeinentzug hinter mir habe. Dies führt dazu, dass ich mich abends fühle, als wäre ich betrunken. Keine Ahnung, welche Glückshormone da durch meinen Körper rauschen, aber es fühlt sich wirklich ein bisschen an wie ein Rausch. Wie Verliebtsein und dann einen Joint geraucht. Als wäre ich in einer Wolke und müsste nur noch dauernd laut „huuiiii“ rufen, während ich auf ihr durch die Gegend fliege. Ein merkwürdiges Gefühl, dass am späten Abend immer stärker wird und eventuell verstörend auf andere wirken könnte. Ich hoffe, dass sich das legt. Wenn man den ganzen Tag von wohltemperierten, gemäßigten Menschen umgeben ist, sollte man nicht debil grinsend am Schreibtisch sitzen.

Und dieses Gefühl ist da, obwohl ich Hunger habe. Den ganzen verdammten Tag. Es gibt die unfassbar kurze Zeitspanne nach der Einnahme eines Shakes, wo der Magen nicht knurrt. Das sind knappe drei Stunden, was für mich bedeutet, dass ich von 16 Stunden, die ich wach bin, immerhin neun Stunden lang keinen Hunger habe. Mehr als die Hälfte, gefühlt sind es aber mindestens 80%. Der Magen knurrt ab 11 Uhr, ab 15 Uhr, ab 21 Uhr. Irgendwie gewöhnt man sich dran.

Spannend ist es auch, Verabredungen zu planen. Denn laut Plan soll zwischen der Einnahme der Shakes ein Abstand von mindestens vier bis sechs Stunden liegen. Abgesehen davon, dass das natürlich für meinen Hunger viel zu lang ist, bedeutet das, wirklich genau auf die Uhr zu gucken und sich gegebenenfalls bei Freunden, Bekannten, Familie Messbecher, Shaker, Glas und Löffel zu borgen, sobald man mit den Pulverdosen durch die Tür gefallen ist.

Mein größter Fehler an Tag 5: Ich laufe durch das Wetzlarer Forum, ein Einkaufszentrum, und lasse mir sämtliche Fastfood-Gerüche um die Nase wehen, die ein Einkaufszentrum so zu bieten hat. Hier zieht mal ein Hauch des asiatischen Imbisses vorbei, dort stehe ich plötzlich vor einer Bäckerei und rieche die frischgebackenen Brötchen, am schlimmsten ist aber die Pizzeria im ersten Stock. In der Auslage: Salami-Pizza, Margherita-Pizza, Pizza Toscana. Ja, ich habe sie mir alle angesehen und im Vorbeigehen von jeder Sorte ein Stück gegessen – natürlich nur in meinen Gedanken. Und wie es roch. Unanständig. Schnell weiter, Hauptsache weg. Hatte ich erwähnt, dass ich Pizza liebe?

Der einzige Vorteil bislang: Ich muss nicht einkaufen gehen. Ich muss auf nichts achten, denn alles, was ich tue, ist: Pulver in möglichst ungesüßte Milchersatzprodukte rühren. Allerdings ist mir auch hier schon ein Fehler unterlaufen, als ich die liebliche Mandelmilch kaufte. Hier ist natürlich Zucker drin. Der angebrochene Liter steht jetzt mit Missachtung gestraft im Kühlschrank. Falls jemand möchte, bevor er schlecht wird? Verschenke gerne. Für mich gibt es nun ungesüßte Mandelmilch, Kokosnussmilch, ungesüßte Sojamilch.

Ich bin übrigens allen sehr dankbar, die mich darin bestärken, das jetzt auch durchzuziehen. Das mache ich sowieso. Wie klein sind 28 Tage vor dem Antlitz der Ewigkeit? Quasi nichts. Ein beerenfarbener Windhauch im Sturm des Lebens.

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