Vilket håll du än går

Oh, the irony… ich erinnere mich an die vielen Male, als wir vor irgendeinem Röhrenbildschirm saßen und die erste Roxette-DVD schauten, die jemals erschienen ist: „All videos ever made and more“. Wir schauten „Listen to your heart“, immer und immer wieder. Die Frau, der Song, die Kulisse. Einzigartig.

Das musste ja ein geiler Ort sein. Im Sommer. Mit der Sonne und dem Sonnenuntergang. Und Marie und Per. Da wollten wir hin, da wollten wir Roxette sehen. Während wir also da saßen und glotzten und uns bei Minute 4:20 immer wieder fragten, ob Marie nun ein Höschen trug oder nicht, träumten wir uns in die Schlossruine von Borgholm auf Öland. Uns sowie Per und Marie, versteht sich. Und während wir also so träumten, kämpfte ein paar tausend Kilometer weiter nördlich Marie Fredriksson um ihr Leben. Es war 2002, es war 2003, es war 2004. Roxette waren eigentlich tot, wir rechneten doch niemals mit einer Rückkehr.

Die Rückkehr kam gewaltig, mit zwei Welttourneen. Nur ins Schloss schafften sie es nicht mehr. Dabei war das doch unser Traum: ein Roxette-Konzert im Schloss von Borgholm.

Nachdem sie uns den heftigsten Rausch aller Zeiten beschert hatten, beendeten die beiden notgedrungen aufgrund von Maries Gesundheitszustand ihre Live-Karriere. Wir auf kaltem Entzug, wir händeringend auf der Suche nach irgendeiner Ersatzdroge.

Immerhin, es gibt ja noch Per Gessle. Als der seine Solotour ankündigte und auf derm Tourplan auch Borgholm zu finden war, dachte ich: Da muss ich hin, so bekomme ich wenigstens 50 Prozent Erfüllung des Traumes.


Das Konzert war okay, ich fühlte mich gut unterhalten, ich grölte bei Kung av Sand laut mit, ich freute mich über die Live-Geige auf der Bühne. Ich verzog kurz schmerzverzerrt das Gesicht, als die Backgroundsängerin Strophen von Songs sang, die meiner Meinung nach nicht zu ihrer Stimme passten, ich fand es nicht schlimm, dass sie auch Roxette-Balladen anteilig übernahm. Es klang halt nicht so schön, aber Marie war nun mal nicht da.

Euphorisiert war ich aber nicht, stattdessen stellte sich schleichend das Gefühl ein, dass hier gerade was ganz Großes zu Ende ging. Kein Enthusiasmus mehr bei Live-Konzerten, kein Drängen, in der ersten Reihe zu stehen, kein Wunsch, von Herrn Gessle gesehen zu werden, keine Zufriedenheit mit der Setlist, keine Zufriedenheit mit den Arrangement der Songs, kein Hauch der Sehnsucht, am nächsten Abend zum nächsten Konzert fahren zu wollen. Sehr viel kein. Zu viel kein.

Ohne Marie ist alles nichts. Jedenfalls für mich. So war dieser Abend, auf den ich 15 Jahre gewartet habe, ein Abschied. Es waren nicht mal 50 Prozent, es waren 30. Höchstens.

In den folgenden zwei Wochen verfolgte ich auf Facebook die langen und endlosen Diskussionen über das Vorgehen beim Einlass, ein lang gepflegtes Ritual der Roxette-Fans, das Ausklügeln und die Organisation für einen gerechten Einlass. Keine Euphorie mehr, keine Aufregung mehr. Ich las Per Gessles Postings nach den Konzerten. Keine Euphorie mehr, keine Aufregung mehr. Ich seufzte über die teilweise sehr persönlichen Beschwerden über die Background-Sängerin. Aber all das holt mich nicht mehr ab.

Die Idee, wegen der anderen Fans, der Meetings auf Konzerte zu gehen, ist nett, aber für mich kein Grund mehr, hunderte Euro in die Reisen und die Tickets zu stecken. Treffen wir uns doch lieber auf Partys, in Kneipen oder sonst wo.

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