Ich.

Ich bin noch nicht angekommen. Ich bin nicht mal sicher, ob ich das Ziel kenne. Ich weiß auch nicht, in welche Richtung ich gehe. Es fühlt sich nicht so an, als ginge ich vorwärts. Eher so, als trete ich auf der Stelle. Ich weiß nicht, wo ich hin muss. Ich habe sogar vergessen, wo ich herkomme. In seltenen Momenten überwältigt mich dieses Gefühl, das von ganz tief unten kommt und sich nach oben kämpft, direkt in meinen Kopf. Der wird dann ganz schwer und gleichzeitig ganz leicht und Erinnerungen spazieren durch mich. In Form von Gefühlen und Gedanken. Dann weiß ich es. Wo ich herkomme. Und wo ich mal hin wollte. Ich weiß nur nicht mehr, ob ich auf diesem Weg noch bin. Ob ich überhaupt auf einem Weg bin. Und ob man überhaupt auf einem Weg sein muss.

So viele Menschen haben so viele Ziele im Leben. Ich habe keines. Ich brauche kein dickes Auto, nicht viele Geldscheine auf der Bank oder einen Job, der mein Selbstbewusstsein steigert. Ich will auf meiner Couch sitzen und in die Luft gucken. Ab und zu eine Serie bingewatchen. Spazieren gehen, reisen, Konzerte besuchen. Geliebt werden und zurücklieben. Gestreichelt werden und zurückstreicheln. Meinem Hund in die Augen gucken. Hier und da einen Kuchen backen. Ausschlafen. Durchschlafen. Tief atmen können. Ruhig sein. Einfach nur ruhig sein.

Viele von diesen Dingen tue ich bereits, sehr sehr viele. Einzig, es ändert sich nichts. Weil ich keine Ruhe habe. Weil ich in mir nicht die Gewissheit trage, dass all diese Tätigkeiten mein Glück sind. Mit sich im Reinen sein, glücklich sein, einer erfüllenden Arbeit nachgehen, zufrieden sein – all das hatte ich vielleicht mal. Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie sich das anfühlt.

Über allem schwebt die Angst. Sie hält mich gefangen, aber sie hält mich auch frei. Dass ich mich an ihr festklammern kann, gibt Halt. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sie ein Halt sei. Aber ich halte mich an ihr fest, weil es nichts anderes gibt, an dem ich mich festhalten kann. Weil ich gar nicht mehr weiß, wer ich bin. Und warum ich bin, wie ich bin. Und wieso ich das und mich nicht so annehmen kann, wie ich bin.

Immer denke ich in solchen Momenten, ich müsse mein Leben umkrempeln, was Neues anfangen, alles stehen und liegen lassen – und dann verlässt mich der Mut. Denn eigentlich geht es mir doch gut in meinem Leben. Und da ich gar nicht weiß, was mir wirklich Seelenfrieden bringt, traue ich mich auch gar nicht mehr, überhaupt noch etwas auszuprobieren.

Was mir sonst immer Kraft gab, das Reisen mit Roxette, war dieses Jahr am Ende auch nur noch ein Kraftakt, beendet mit einer Panikattacke und völlig erschöpft in der Wiener Stadthalle. Und so ist es mit vielen Dingen, von denen ich dachte, sie gäben mir Kraft. Bis ich verstand, dass diese Kraft immer nur durch ein festes Fundament im Innern kommt. Die ist leider weg – und wohin ich auch gucke, ich finde sie nicht.

Wie schaffe ich es, dass jedes neue Jahr zum besten meines Lebens wird? Was muss ich tun? Einfach nur SEIN? Falls ja, wie geht das? Ich habe es über die vielen Pflichten, Erledigungen, schlechtgelaunten und ernsten Menschen und den Alltag vergessen.

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