Wenn der Udo sein Ding macht..

Stadionatmosphäre, ein Konzert im Sommer – und dann noch Udo Lindenberg? Da kann man nicht „Nein“ sagen. Die Karten für das Megaereignis hatten wir bereits seit Weihnachten und uns nun riesig auf das Konzert gefreut, das noch dazu an meinem Geburtstag sein sollte. Gestern war es dann endlich soweit und los ging es zur Esprit-Arena nach Düsseldorf.

Meine anhaltenden Rückenprobleme haben mir kurz die Entscheidung schwer gemacht, überhaupt das Konzert anzusehen, dann dachte ich jedoch, dass nicht das Stehen mein Problem ist, sondern das Sitzen – was mit Stehplatzkarten also unbedenklich sein sollte.

Da wir Karten für den ersten front of stage-Block hatten und gerne dort hinten am Gatter stehen wollten, fuhren wir so, dass wir gegen 15 Uhr gemütlich am Einlass waren. Die offizielle Info lautete: Einlass, 16 Uhr. Es war drückend heiß, schwül, feucht, fies und jeder sehnte die Öffnung der Tore herbei. Es wurde 16 Uhr, es wurde 16.15 Uhr – nichts tat sich. Einige wurden unruhig und fingen schon an, laut zu rufen. Hier das erste Versäumnis der Veranstalter: Eine kurze Ansage, dass der Einlass sich verzögert, wurde verpasst. Das gehört sich aber so und wäre bei diesen Temperaturen das Mindeste gewesen.

Um 16.30 Uhr gingen die Türen dann endlich auf, der Einlass begann, hier mussten wir zum ersten Mal die Tickets vorzeigen. 200 Meter weiter die nächsten Schleusen, zum zweiten Mal wurden die Tickets kontrolliert – die Taschen aber nicht. Weiter ging es ins Stadion, wo wir feststellten, dass die Veranstalter das Dach geschlossen hatten. Einerseits waren wir froh darüber, dass die Hitze so draußen blieb, andererseits hatten wir mit einem Open-Air-Konzert gerechnet und. hätten uns gewünscht, man hätte das Dach vor Udos Anflug geöffnet.

Auf dem Weg zur „front of stage“: die dritte Ticketkontrolle. Ich würde auf diese Ticketkontrollen nicht so explizit hinweisen, wäre das nicht die Möglichkeit gewesen, die farbigen Bändchen für den entsprechenden Bereich bereits dort zu verteilen. Versäumnis 2: Im „front of stage 1“, quasi dem Golden Circle, standen zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, der Bändchen verteilte, die einen zum Wiedereinlass berechtigten, wenn man mal raus wollte, um zwei Kilometer entfernt ein völlig überteuertes Wasser zu kaufen. Klartext: Mehrere hundert Bändchen klebten zwei Mitarbeiter um mehrere hundert Handgelenke und ich frage mich: Wie unorganisiert kann man eigentlich sein? Umso frecher, dass sein Chef, statt dem einen überforderten Kerl Hilfe anzubieten oder zu suchen, ihm noch den Spruch „wenn du mal 5000 geklebt hast, weißt du, wie es geht“ drückte. Noch dazu gab es die Bändchen-Info nicht offiziell. Nur wer wachen Auges durch die Halle lief, sah, dass da irgendwo was verteilt wurde. Ein Unding.

Versäumnis 3: das Getränkeangebot und die Getränkeversorgung. Wasser gab es im Innenraum im vorderen Teil schon nach einer kurzen Zeit nicht mehr, und auch an den Ständen im Stadion war Wasser schnell nicht mehr zu bekommen. Wenn man dann noch beobachtete, wie die Arena-Mitarbeiter Halbe-Liter-Flaschen Cola und Gerolsteiner öffneten, um die dann in die Becher umzukippen und dafür 4 bzw. 5 Euro dafür zu verlangen, konnte man sich ernsthaft fragen, wer sich so einen Blödsinn ausdenkt? Vom Umwelt- und Müllaspekt mal ganz zu schweigen.

Blick auf die Karte: Beginn, 18 Uhr. Es wurde 18 Uhr, es wurde 18.15 Uhr, es wurde 18.30 Uhr, nichts passierte. Gegen 18.40 Uhr erbarmte sich einer der Organisatoren und teilte das Abendprogramm mit. Versäumnis 4: Vorband 1 um 19.15 Uhr, Vorband 2 um 20.15 Uhr, Udo um 21 Uhr. Als er dann noch versuchte, für die Anti-Rassismus-Kundgebung am Montag zu werben, wurde er mit einem gellenden Pfeifkonzert mehr oder weniger zum Schweigen gebracht. Ich las dann auf der Twitterwall, die über der Bühne hing, dass offenbar vorher im Internet bekanntgegeben worden ist, dass Udo um 21 Uhr kommt. Selbst wenn – ich habe als Gast keine Holschuld. Wenn auf meiner Karte steht, dass es um 18 Uhr losgeht, dann hat spätestens um 18.30 Uhr die Vorband auf der Bühne zu stehen, ganz einfach. Dass dem Veranstalter hier ein Fehler auf den Tickets unterlaufen sein soll – geschenkt. Wenn ich als Organisator merke, dass die Stimmung kippt, weil die Leute mit etwas anderem gerechnet haben, dann muss ich verdammt noch mal den Arsch in der Hose haben und mich auf der Bühne vor diesen 50.000 Zuschauern (die im Schnitt 60 Euro für die Karte bezahlt und damit für 3 Millionen Euro Umsatz gesorgt haben) entschuldigen und nicht noch lapidar sagen: „So müssen sich Fußballer fühlen, wenn das Publikum pfeift.“

Nun denn, er ging gann wieder – und mit ihm sehr sehr viele Zuschauer, die auch nicht mehr wiederkamen. Zurecht! In der Halle wurde es derweil immer schwüler und stickiger, unangenehm, und Wasser, das gab es ja nur, wenn man den Fußmarsch nach Köln antrat. Im Innenraum wurden von Mitarbeitern mit Bauchladen nur Bier (5 Euro) und Minibecher Caipirinha (7 Euro) angeboten. Mir dämmerte langsam, wer hier das Geschäft seines Lebens machen wollte.

Auch wenn Udo vielleicht nichts für die Verzögerung konnte, wer weiß das schon, man hätte ihn informieren müssen. Blöder kann es nicht laufen, als wenn der Star des Abends, auf den alle seit mindestens sechs Stunden gewartet hatten, in einer Kapsel über dem Publikum auf die Bühne schwebt, aussteigt, drei Lieder singt und dann sagt (Versäumnis 5): „50.000 Zuschauer in einem Stadion, ein Traum wird wahr.“ Nein, dann möchte man als geprellter Gast gerne hören: „Sorry, dass ihr so lange gewartet habt, es ist doof gelaufen, aber jetzt machen wir Party, ja?“ So hatte Udo einen miesen Start und wurde wenigstens noch eine halbe Stunde lang kräftig ausgepfiffen. Schade schade schade, wenn die Leute nicht einfach ehrlich sein können und nicht in der Lage sind, sich IN dieser Situation DIREKT zu entschuldigen.

Die Show war super, nichts zu bemängeln. Und wer sich über Eierlikör, Zigarren und einen angetrunkenen Udo beschwert, der kennt Udo vielleicht nicht. Die Show war die 74 Euro wert, das Drumherum nicht. Veranstalter: setzen, sechs. Macht es heute bitte besser!

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