Lanzarote – mehr als nur schwarz und rot

Die einzige Erinnerung an Lanzarote waren Erzählungen meines Patenonkels und seiner Familie. Rot sei die Insel, schwarz sei sie auch, und irgendwie tot. Aber interessant. Als Kind fand ich das sterbenslangweilig. Was will man auf einer Insel, die tot ist? Was macht man da? Ich konnte mir das nicht vorstellen. Jetzt habe ich meine erste eigene Reise dorthin unternommen und wurde sehr positiv überrascht. Aber erst mal zum ein bisschen Negativen:

Wir hatten relativ spät gebucht – erst im Spätsommer und doch noch eine relativ günstige Unterkunft im Bungalow-Hotel Corbeta in Playa Blanca im Süden der Insel bekommen. Empfehlenswert ist das Hotel nicht unbedingt, aber wer beim Preis Abstriche machen muss, muss damit rechnen, dass das Essen englisch und wenig vielseitig ist. Die Zimmer waren aber sauber, das Bad relativ neu und einen Fernseher gab es auch. Also bis auf das Essen nichts zu bemängeln. Das Essen hatte es allerdings in sich: Es gab genau eine Sorte Käse zum Frühstück, was für Vegetarier wirklich arm ist. Die Marmelade schmeckte, als hätte man Früchte durch Zucker gezogen und sie dann noch in Süßstoff getränkt. Und natürlich gab es – wie in jedem Land der Welt außer Deutschland – nur Weißbrot. Die hintere Buffetreihe war dann unseren englischen Freunden gewidmet: Bohnen, Ei in allen Varianten, Würstchen und Pommes Frites. Ja, zum Frühstück auch! So war das Frühstück wenig vielfältig. Auch die Säfte waren leider ungenießbar, vermutlich war das ein schlecht gemischtes Konzentrat, das ebenfalls schmeckte, als hätte man Früchte in Süßstoff eingelegt. Wie Saft schmeckte es jedenfalls nicht. Das Abendessen – ebenso wenig war es vielfältig und dazu noch schlecht beschildert. Über dem Bottich mit dem Fleisch stand einfach ein Schild mit einem Schwein drauf. So wusste der geneigte Gast zwar, dass das Schwein ist, aber weder, welcher Teil davon, oder welche Soße es war. Eines Abends habe ich das besagte Schild mal fotografiert. Es gab Truthahn!

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Ein Unding! Auch andere Dinge waren nicht ausgezeichnet. So blieb unklar, was die rote Pampe in der großen Glaskanne war, und welches Tier für den Nudelsalat in dem mittleren Salatbottich sterben musste. Für mich hieß es daher: Finger weg! Auch beim Fisch stand lediglich „Fisch“ und nicht, um welchen Fisch es sich handelt. Es mag ja sein, dass das manchen egal ist. Aber vielen eben auch nicht. Und für mich gehört es zum guten Ton eines Hotels, dass der Gast weiß, was er isst. Ein weiteres Ärgernis war für mich, dass man, egal von welchem Stapel ich nahm, ich immer einen nassen – vermutlich gerade aus der Spülmaschine geholten – Teller in der Hand hatte. Sowas geht einfach nicht. Auch nicht in einem Drei-Sterne-Hotel.

Kommen wir zum angenehmen Teil – der Insel. Wir hatten zum Glück einen Mietwagen und konnten uns alles sehr entspannt und flexibel ansehen. Ich bin ja kein Bustyp und Tagestouren im Reisebus mit anderen Urlaubern konnte ich mir daher nicht vorstellen und wollte ihnen aber auch nicht zumuten, mich in eine Kotztüte übergeben zu sehen. Die einzige Busfahrt, die ich machen musste, war am zweiten Tag. Mit dem Auto ging es bis zum Timanfaya Nationalpark. Dort angekommen, geht es mit einem Bus durch die Vulkanlandschaft. Da dies ein geschütztes Gebiet ist, sollen Urlauber nicht selbst rumfahren, auch nicht rumlaufen und natürlich auch nicht ihren Müll dort hinterlassen. Wir wurden also knapp 30 Minuten von einem lebensmüden Busfahrer durch die engen Gassen des Berges geschleudert. Das sah ungefähr so aus:

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Hinterher las ich, dass viele früheren Bauern heute Busfahrer sind. Hätte ich das vorher gewusst… naja. Auf jeden Fall kam mir der Weg ein paar Mal schmaler vor als der Bus und ich wagte kaum den Blick in den Abgrund. Über so etwas darf man wohl einfach nicht nachdenken.

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Die Landschaft ist jedenfalls beeindruckend. Hier rot, da schwarz, hier wirklich grobes Lavagestein, dort auf einmal feinster Sand. Man kann und will sich gar nicht vorstellen, dass hier mal Menschen gelebt haben, die, als die Lava kam, nur noch eines konnten: so schnell wie möglich weglaufen! Diese Tour auf den Berg war für mich sehr beeindruckend und sicherlich mein Highlight, obwohl es außer ein paar Steinen und engen Straßen ja eigentlich nichts zu sehen gab.

Am ersten Urlaubstag hatte es uns in die Jameos del Agua verschlagen – eine Höhle mit Wassereinlass, grandiose Wasserspiegelungen und wunderbar gestaltet vom Inseldesigner Cesar Manrique. Leider fehlte mir das richtige Objektiv, um die Realität auch nur halbwegs so einzufangen, wie wir sie gesehen haben. Das hier ist nur eine kleine Momentaufnahme, die nur minimal zeigt, wie die Wasserspiegelung in dieser Höhle wirkt. In dem Wasser leben übrigens Albino-Krebse, die sich erst wieder vermehren, seit die Menschen aufgehört haben, Münzen in das Wasser zu werfen. Die Korrosion der Münzen hatte nämlich zu ihrem Ableben geführt.

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Auch empfehlenswert ist ein Gang über den Markt in Marina Rubicon. Hier warten viele Künstler, Handwerker und Händler mit ihrer Kunst, ihrem Handwerk und ihrer Handelsware – sehr schöne Sachen, sehr ideenreiche Werke aus Holz, Lavagestein und Leder gibt es hier anzusehen und zu kaufen. Das ist eine Fahrt oder einen Spaziergang wert. Der Markt ist übrigens immer mittwochs und samstags. Unbedingt machen!

Die Cuevas de los verdes haben wir uns ebenfalls angesehen. Das ist eine wirklich sehr große Höhle, die sich bis zu den Jameos del Agua erstreckt. Ein Führer leitet die Gruppe in die unterirdischen Gänge und erklärt, wie diese Höhle gefunden, angelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Auch hier war für mich wieder überraschend, wie gut die Architekten die Natur in die Sehenswürdigkeiten integrieren, oder anders, die Sehenswürdigkeit in die Natur integrieren. Nur das Nötigste wurde hier gemacht. Ein paar Geländer zum Festhalten und indirekte Beleuchtung, die kaum auffällt – das war es. Das ist bei allen Sehenswürdigkeiten so und macht die Insel noch sympathischer. Es wurde das genommen, was da war, was die Natur bot, und damit wurde gearbeitet. Mehr nicht. Ein großartiges Konzept, von dem sich andere Länder durchaus eine Scheibe abschneiden könnten. So wirkt alles viel ursprünglicher.

Einen Besuch wert ist auch der Kaktusgarten. Für mich wirkte er wie eine Oase. Kakteen haben auf mich ohnehin immer eine beruhigende Wirkung gehabt. Sie stehen stoisch in der Gegend und regen sich selbst im Wind kaum. Irgendwie faszinierende Gewächse. Wer sie mag, sollte sich diesen Garten ansehen und im integrierten Café unbedingt ein Stück Kuchen essen, das lohnt sich! Urlaub98

Hinter Haria liegt übrigens eine kleine Kapelle. Man muss rechts abbiegen, an dem Schild, wo „Los Nieves“ draufsteht. Wer keine übermäßige Höhenangst hat, sollte dann sein Auto auf dem Schotterparkplatz abstellen und die Aussicht genießen. Unfassbar! Was man nicht tun sollte: hinterher links abbiegen und den Feldweg nehmen. Die Stoßdämpfer des Mietwagens werden es danken. Das war eine abenteuerliche Abfahrt!

Auch schön: Farmara. Ein ganz wilder Strand. Hier toben die Windsurfer, die Kitesurfer und verrückte Schwimmer. Hohe Wellen beeindrucken die Spaziergänger. Und im Hintergrund ragt ein erdrückender Felsen aus dem Boden, der das einzigartige Panorama perfekt macht.

Zu guter Letzt: mehr als eine Woche einplanen. Wir waren sieben Tage dort und haben gerade so eben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten geschafft. Drei Strandtage haben uns am Ende definitiv noch gefehlt.

Was man nicht braucht: eine Fahrt nach Arrecife. Wer keinen Stadtplan hat, sollte definitiv nicht in die Stadt fahren. Es gibt kaum Schilder, man sieht irgendwann nur noch weiß (die Häuser) und die Straßen werden immer enger oder führen ins Nichts (keine Seltenheit in spanischen Gebieten). Wir hatten kurz etwas Herzklopfen, haben aber mit unserem Orientierungssinn doch noch den Weg nach draußen gefunden.

Wer einsame Strände zum Baden sucht, sollte in den Norden fahren, Richtung Orzola, und dort sanft nach rechts schauen. Es gibt dort wunderbare Buchten, Wasser so blau wie in der Karibik, Sand so weich und hell wie in Griechenland, es ist einfach traumhaft. Die letzten Kilometer nach Orzola kann man sich dann ohnehin sparen, die Stadt ist nicht schön und bietet nichts.

Und wer auf dem Heimweg in den Süden nach Essbarem sucht, sollte auf jeden Fall das „Tres Noches“ in Punta Mujeres meiden, wenn er nur auf der Suche nach einem Snack, spanisch: Tapas, ist. Der Kellner reagierte doch recht gereizt, als wir nur Pan con Tomate bestellten, Brot mit Tomate, obwohl es so in der Karte stand. Er machte es uns, aber erst, nachdem er uns darauf hingewiesen hatte, dass wir das auch im Supermarkt bekommen.

Unser ultimativer Geheimtipp ist und bleibt wohl das La Esquina in Playa Blanca, eine kleine Eckkneipe, die wunderbare Tapas zu sowas von günstigen Preisen anbietet. Ich hatte hier die besten Gambas al ajillo meines Lebens. Urlaub1

Zum Abschluss bleibt nur: Ich komme wieder. Auch wenn der Flug vier elendig lange Stunden dauert, der Transfer zum Hotel nur mit dem Bus geht, Engländer sich morgens vor dem Frühstück Liegen reservieren und das Essen im Hotel eher verzichtbar ist. Denn all die anderen Dinge – oben aufgezählt – machen eine Rückkehr unumgänglich. Das geht auch wunderbar im November – wir hatten genau einen Regentag, den Ankunftstag, und wurden von der Reiseleiterin treffend mit den Worten begrüßt: „Herzlich Willkommen an der Nordsee!“. Von der war aber schon am nächsten Tag nichts mehr zu sehen.

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