Wie Klaus Peter Möller Wahlkampf machte..

Klaus Peter Möller – der Gießener Kandidat der CDU für den Hessischen Landtag. Klaus Peter Möller – einer derer, die am Mittwochabend mit Kanzlerin Angela Merkel bei ihrer zentralen Wahlkampfveranstaltung in Mittelhessen auf dem Gießener Schiffenberg aufgetreten sind. Neben Klaus Peter Möller waren auch Dr. Helge Braun, Ministerpräsident Volker Bouffier und der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung dabei.

Mit dabei waren auch etliche Journalisten und sehr viele Fotografen mit sehr vielen Kameras – darunter Thorsten Ohlwein, der für Helge Braun dort akkreditiert war und Fotos gemacht hat. Unbedarft und vielleicht ein wenig naiv hat er seine Fotos noch am Abend auf die Facebook-Seite von Helge Braun gestellt. Fotos, auf denen Klaus Peter Möller zu sehen war, hat er auf seiner eigenen Fotoseite geteilt – und auf dem privaten Profil von Peter Möller. Darunter auch dieses Foto hier:
Klaus Peter Möller auf dem Schiffenberg

Stunden später taucht das Foto wie von Geisterhand auf der offiziellen Facebook-Seite von Klaus Peter Möller auf. Es ist, als hätte Thorsten Ohlwein das Foto gar nicht selbst geschossen.  In einem eigenen Beitrag von Klaus Peter Möller auf seiner Seite ist das Bild plötzlich erneut online. Ohne Quellenangabe, ohne jeglichen Hinweis auf den Fotografen – und mit schlecht wegretuschiertem Wasserzeichen:

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Als der Fotograf das Bild und den Beitrag entdeckt, überlegt er kurz, ob es vielleicht Zufall sein kann? Ob es wirklich die Möglichkeit geben kann, dass ein anderer Fotograf genau in diesem Moment auf den Auflöser gedrückt hat, als Klaus Peter Möller schief grinsend ins Mikrofon gesprochen hat. Nein, das kann nicht sein. Dann entdeckt er einen seltsam blauen Fleck zwischen Moderator und Politiker – das wegretuschierte Wasserzeichen. Ohlwein ärgert sich jetzt, dass er keinen Screenshot von seinem Beitrag gemacht hat. Denn nun ist er sich gar nicht mehr sicher, ob er sein Bild tatsächlich geteilt hat oder es wirklich aus seinem Fotoalbum „gemopst“ wurde. Etwas nervös sucht er die Quelle des Übels. Und stellt sich die Frage: Ist ein wegretuschiertes Wasserzeichen Beweis genug für einen Bilderklau? Die Antwort darauf kann nur JA lauten. Und dass Ohlwein mit einer Urheberrechtsklage Erfolg hätte, steht vielleicht außer Frage.

Am späten Donnerstagabend (21:58 Uhr) ist das Bild übrigens noch auf Klaus Peter Möllers Seite zu finden. Und das eigentlich Schlimme daran ist, dass auf Thorsten Ohlweins Hinweis, dass das sein Bild sei, überhaupt nicht reagiert wird bzw. wurde.moellershot
UPDATE, 22:24 Uhr: Kurz nachdem Klaus Peter Möller auf seiner Twitterseite einen Tweet abgesetzt hat und offenbar von meinem Tweet gelockt wurde, ist das Bild von der Facebook-Seite verschwunden. Das ging schnell – macht die Sache aber nicht besser.

UPDATE, 22:33 Uhr: Auf der privaten Seite von Klaus Peter Möller gibt es das Original sogar noch. 1173710_712587948756920_2127386090_n

UPDATE, 6. September:

Klaus Peter Möller hat sich auf Facebook für den Fehler direkt bei Thorsten Ohlwein entschuldigt und diesen bedauert. Das ist das Mindeste und nett!

So ein Fall wirft dennoch mal wieder die Frage auf, wie im Internet – sogar von Parteien und deren Wahlkämpfern und Politikern – mit Urheberrechten umgegangen wird. Kann ein Wasserzeichen wirklich einfach so und aus Versehen „entfallen“? Die Entfernung eines Wasserzeichens ist eine bewusste Handlung und der Gedanke daran, dass das jemand macht, der sich dabei keiner Schuld bewusst ist, lässt einen schaudern. Viele viele Fotografen, die diesen Job hauptberuflich machen, leben von ihren Bildern, verbringen sehr viel Zeit damit, sie zu entwickeln und machen dann sehr häufig die Erfahrung, dass ihre Bilder beschnitten, aufgehellt, anderweitig bearbeitet und ohne Nennung der Quelle auf irgendwelchen Webseiten oder in sozialen Netzwerken auftauchen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern geschäftsschädigend.

Der richtige Weg wäre in diesem Fall hier – egal, ob das Bild inzwischen entfernt wurde oder nicht, denn es gibt Screenshots, die den Verstoß beweisen – eine Rechnung zu schreiben, und zwar eine saftige. Dass das Internet gerade in rechtlicher Hinsicht #Neuland für Frau Merkel und die Parteien ist, mag ja sein, aber zum Urheberrecht gibt es klare Gesetze und Regeln und das nicht erst seit gestern. Ein Landtags-Kandidat der CDU sollte das ebenso wissen wie seine Wahlkampfhelfer.

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