Frau Aigner und die Heumilch

Ich möchte über Frau Aigner sprechen. Genau, die von der CSU. Die, die Kraft ihres Amtes Verbraucher schützt und konträr dazu auch für die Landwirtschaft zuständig ist. Die mit dem bayerischen Akzent, die Ilse Aigner. Ich weiß, ich bin spät dran damit, aber diese Ungeheuerlichkeit musste ich erst einmal sacken lassen. Weil ich so unfassbar sprachlos war.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit erscheint die Dame in der Talkshow von Markus Lanz und redet unglaublichen Blödsinn.  Und das passiert schon am 17. Juli. Das ist zu diesem Zeitpunkt immerhin fast drei Wochen her. Es dauert einige Zeit, bis sich etwas tut im Internet.  Auch auf der Facebook-Seite „Raus aus dem Amt, Ilse Aigner“ tut sich erst dann was, als in der Der Zeit ein Ausschnitt von ihrem Auftritt bei Lanz mit dem Titel „Geaignete Milch“ erscheint. Oliver Schulz postete das kleine Stückchen Text öffentlich in seinem Profil.

Hier erst einmal die Lanz-Sendung auf YouTube:

Knapp 4700 Mal wurde der Beitrag inzwischen geteilt, etliche tausend Mal kommentiert und wahrscheinlich etliche hunderttausend Mal fassungslos gelesen.  Da sagt Frau Aigner allen Ernstes, dass Kühe, die Heu fressen, laktosefreie Milch geben. Das ist nicht der eigentliche Skandal. Unwissenheit darf passieren. Unwissenheit darf aber nicht einer Verbraucherschutzministerin passieren. Es darf nicht derjenigen passieren, die dafür zuständig ist, dass die Verbraucher (auch von laktosefreier Milch!) in diesem Lande sich sicher und gut betreut fühlen.

Na klar, wenn ich oben schreibe, dass sich Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerium widersprechen, dann heißt das: Frau Aigner lebt zwischen Volk und Lobbygruppen. Dieses Ministerium ist vielleicht das anspruchsvollste, denn gerecht werden kann sie keinem der beiden, den Verbrauchern nicht und den Landwirten nicht – und erst recht nicht dem vielen Vieh.

Der zweite Skandal ist, dass dieser Fauxpas erst nach fast ZWEI Wochen den Weg in eine halböffentliche Öffentlichkeit findet. Ja – ihr Beitrag wird im Netz rege diskutiert. Sie ist einem beachtlichen Shitstorm ausgesetzt und doch ist ein Großteil der Verbraucher in diesem Land ausgeschlossen von der Diskussion. Die, die nicht im Internet leben, die, die ihre Informationen immer noch aus Zeitung, seriösen Nachrichten oder aus dem Radio bekommen. All die, die die Dame vielleicht gewählt habe und ihr damit ihr Vertrauen geschenkt haben. All jene wissen gar nicht, dass da an vorderster Front eine Dame für den Verbraucherschutz kämpft, die von den Inhalten ihres Amtes nicht auch nur den Hauch einer Ahnung hat.

In den Presseagenturen dieses Landes ist Frau Aigner nicht einmal erwähnt worden. Und das ist der dritte Skandal: Ein hochrangiger Minister in diesem Land darf es sich offenbar erlauben, in aller nächtlichen Lanz-Fernsehöffentlichkeit Blödsinn zu plaudern und muss keinerlei Folgen fürchten. Frau Aigner hat sich disqualifiziert mit ihrer Aussage und niemand merkt es und sie darf weitermachen. Es sind schon Bundesminister für weniger zurückgetreten worden. Und dies spricht eine deutliche Sprache: Der Verbraucherschutz interessiert in Deutschland noch viel zu wenige Menschen. Dabei betrifft er uns alle. Und die nächste Frage stellt sich automatisch: Wo sind eigentlich die ganzen neuen Gesetzesinitiativen, Reformen, neuen Etikettierungen, die Frau Aigner beim Pferdefleisch-Skandal so groß angekündigt hat?

Ich für meinen Teil bin entsetzt, dass jemand, der so wenig Ahnung hat, so viel im Bereich Verbraucherschutz entscheiden kann und darf. Und dass ihr niemand Einhalt gebietet. Ich fühle mich schlecht vertreten und habe beim Einkaufen jetzt ein noch schlechteres Gefühl als vorher.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s