Veränderungen

So kann es gehen. Man gewöhnt sich an etwas, man nimmt es in sein Leben auf, man denkt nur gut, man nutzt es, man liebt es. Und dann ist es weg. Eventuell sollte man sich nie zu sehr an etwas gewöhnen. In diesem konkreten Fall geht es um Brot.

Ich hatte mal ein Lieblingsbrot. Sechskornbrot. Von der Bäckerei Müller. Die liefert Qualität aus dem Burgwald. Laut Slogan. Und das Brot war wirklich gut. Es war sehr lecker und vor allem sehr sättigend. Zwei Scheiben Sechkornbrot und man konnte sich sicher sein, dass bis zum Mittagessen keine nennenswerte Hungerattacke mehr auftreten würde. Das ist bei anderen Broten anderer Bäckereien sehr anders.

Nun stehe ich also heute in der Filiale Müller meines Vertrauens und will Sechskornbrot kaufen. Ich sehe schon, dass das Regal leer ist, denke aber nur, dass es eventuell leer ist. Ich frage natürlich trotzdem, vielleicht gibt es ja irgendwo noch ein halbes für mich. Nein, das tut es nicht. Und es kommt noch viel schlimmer. Es wurde aus dem Programm genommen. Ich bin derart vor den Kopf gestoßen, dass ich erst einmal eine Kundin vorlasse, um den Schock zu verdauen.

Ich spreche dann, als ich wieder dran bin, mit der Verkäuferin und schildere mein Leid in allen Farben und Formen. Ich bin immer noch untröstlich. Erst streichen sie meine Glyxbrötchen, nun auch noch das Sechskornbrot. Die Verkäuferin lässt zwischen den Zeilen raus, dass das Brot wohl kein Renner war. Gut, war ich halt die einzige Sechskornbrotkundin in Hessen. Traurig ist das trotzdem.

Gekauft habe ich dann die zweite Wahl – das Sonnenblumenbrot. Das ist übrigens dann auch noch gleich 15 Cent teurer geworden. Aber man muss Opfer bringen, wenn man sich entwöhnen will. Die Frage, was ich jetzt dauerhaft morgens auf dem Teller liegen habe, hat das aber nicht geklärt. Bevor ich gehe, sage ich der Verkäuferin, dass meine Kritik natürlich nicht an sie persönlich gerichtet ist und verspreche ihr, eine Eingabe zu machen. Gleich morgen.

Wie es so gehen kann, konnte diese ärgerliche Eingabe natürlich nicht warten und zum ersten Mal (ok, das zweite Mal – beim ersten Mal war die Ware kaputt und ich wollte mich beschweren, dass die so was ins Regal stellen) habe ich mich bei einem Hersteller beschwert. Das ist meine Mail im Wortlaut:

Liebes Team von Bäcker Müller,

gerade stehe ich in meiner Müller-Bäckerei in Gießen und erfahre, dass das Sechskornbrot aus dem Programm genommen wurde. Ich war derart fassungslos und untröstlich, dass ich erst einmal eine Kundin vorlassen musste, um mich von dem Schock zu erholen.

Ich kann mir denken, dass das Brot kein Renner gewesen ist – ansonsten wäre es sicherlich nicht nötig gewesen, das Brot aus dem Sortiment zu nehmen. Und wenn doch, verstehe ich es noch weniger. Das Sechskornbrot war mein allerallerallerliebstes Lieblingsbrot und ich weiß nun ernsthaft nicht, was ich essen soll.

Die Mitarbeiterin in der Filiale hat mir die neuen Kreationen vorgestellt – Eiweiß-Abendbrot- und brötchen (als Ersatz für meine ebenfalls heißgeliebten Glyxbrötchen, die es schon länger nicht mehr gibt) – aber nein, ich will abends keine Kohlehydrate sparen, ich will auch kein Abendbrot, ich will MEIN Brot.

Mir ist schon klar, dass diese Email total ins Nirgendwo führt, aber ich musste meiner Verärgerung nun doch mal Luft machen. Alternativ habe ich heute das Sonnenblumenbrot gekauft (welches auch noch 15 Cent teurer geworden ist), weil mir nur das sonst noch schmeckt und viel wichtiger: Es ist das einzige Brot neben dem Sechskornbrot, das bei zwei Scheiben Genuss um 7.30 Uhr satt macht bis um 12.30/13 Uhr zum Mittagessen. Und das sind die einzigen beiden Brote, die Nutella erst zu dem machen, was es ist. Dennoch bevorzugte ich immer die Sechskornvariante, seit etwa sieben Jahren (!) und bin jetzt wirklich aufgeschmissen. So kann man sich an etwas gewöhnen und so schwer fällt es, Abschied zu nehmen. Sofern das Sonnenblumenbrot auch noch rausfliegt, wünsche ich mir, dass schon ein paar Wochen vorher mit einem Hinweis am Preisschild darauf aufmerksam gemacht wird. Dann kommt der Schock nicht so plötzlich. 😉

Schade, schade, schade!! Und was ist mit den Glyxbrötchen passiert?

Viele Grüße einer enttäuschten langjährigen Kundin,
xxx

Haltet mich für schrullig, aber mir geht es jetzt besser!

Nachtrag, 20.4.:

Wenn ich es richtig deute, dann hat mir der Geschäftsführer persönlich geantwortet. Da sage ich nur: WOW! Hut ab!

Sehr geehrte Frau O,

vielen Dank zunächst für Ihre E-Mail.

Zunächst zum Glyxbrötchen:

zu wenig Fans (=Nachfrage) – wird also nicht mehr produziert.

Dann zum Thema 6-Kornbrot:

Es haben sich auch andere Kunden außer Ihnen gemeldet, die sich

über den Wegfall des 6-Kornbrotes beschwert haben.

Wir werden es trotzdem nicht mehr ins Sortiment nehmen, weil dort

eine Körnermischung verarbeitet wurde, die wir nicht beeinflussen konnten.

Ab kommenden Montag kommt ein neues Kastenbrot (750g): Kornmüller.

Dieses Brot ist  eine Eigenentwicklung mit Weizenmehl, Roggenmehl,

hauseigenem Sauerteig, Haferflocken, Soja u.a.  Wir haben es testgebacken und

es hat allen, die es probiert haben, prima geschmeckt. Saftigkeit – klasse, Frischhaltung – klasse.

Ich gebe zu, dass es doof von uns war, es nicht sofort bei Ende des 6-Kornbrotes im Sortiment

zu haben – aber ich hoffe, dass es ein sehr guter Ersatz dafür werden wird!

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Georg Müller

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