Es fischt sich trübe im Schnee

MySpace ist tot, es lebe MySpace. Ich habe dieser Plattform nie etwas abgewinnen können. Viel zu unübersichtlich, Designs, die einem den Krebs in die Augen getrieben haben, Kommentare kreuz und quer, Bilder ohne weitere Notiz in allen Größen und Formen über der ganzen Seite verteilt und oben rechts (meistens) ein kleiner Kasten mit Audiodateien oder wahlweise Videos. Für diesen Zweck war das auch ganz nützlich – um sich ein Bild eines Musikers zu verschaffen und dann zu überlegen, ob er oder sie es wert ist, sich ein ganzes Album zu kaufen. Das Problem für den Künstler war allerdings, dass er mit seiner persönlichen MySpace-Seite nicht einen Cent verdienen konnte.

Doch ein Fisch im Schnee macht sich daran, dies zu ändern. Aus Schweden stammt das Konzept „Snowfish“. Ähnlich aufgebaut wie MySpace können sich hier Musiker/Künstler registrieren, Bilder hochladen, Twitter Feeds einklinken, Videos anbieten etc. Die Seite ist nicht ganz so unübersichtlich wie MySpace, aber trotzdem eine Ausgeburt des Chaos. Snowfish läuft bereits seit Sommer letzten Jahres in der „Beta“, und immer noch sind dermaßen viele Bugs auf der Seite zu finden, dass es kaum Spaß macht, diese zu besuchen. Neben der leicht strukturierteren Form des Angebots im Vergleich zu MySpace, hat Snowfish vor allem einen Vorteil: der Künster kann damit Geld verdienen. Mit steigendem Verkehr auf seiner Seite wird der Seiteninhaber mit 50% der durch Werbung erzielten Einnahmen beteiligt. So heißt es auf der Snowfish-Seite „About us“:

At Snowfish, every single view, listen or read of your content earns you payment (50% of advertising income received from your traffic!). These payments may be small at first (pennies) but ultimately pennies add up!

Es ist also nicht viel, was dabei herumkommt, aber für Künstler, die bislang ohnehin kaum was verdient haben, sei es, weil sie zu schlecht oder zu unbekannt sind, könnte sich das Konzept durchaus als rentabel erweisen. Je mehr Traffic auf der Seite ist, desto mehr Geld gibt es.

Jetzt wäre es allerdings auch noch schön, wenn die Erfinder der Seite daran arbeiten würden, die Seite nicht nur übersichtlicher, sondern auch benutzerfreundlicher zu machen. Denn davon kann im Moment noch keine Rede sein. Schönes Beispiel ist die neue Snowfish-Seite von Per Gessle, der dort derzeit regelmäßig Videos von den Studioaufnahmen zum neuen Roxette-Album hochlädt – und auch Bilder. Auf der Hauptseite sieht es derzeit so aus, als seien insgesamt 22 Videos verfügbar:

Klickt man allerdings auf diese Zahl „22“ landet man auf einer Seite, in der nur 10 Videos aufgeführt werden. Diese sieht so aus:

Es gibt an dieser Stelle keinen „Weiter“-Button, keinen Pfeil, der darauf schließen lässt, dass es eine zweite Seite gibt und auch kein 1|2. Es gibt gar nichts. Einfach nichts. Das heißt also, man sieht nur diese 10 Videos, weiß aber, dass es definitiv mehr sein müssten. Man klickt also wieder zurück auf die Startseite und findet rechts auf der Seite den Hinweis „More Videos“. Aaaah, sehr gut, man wähnt sich immerhin auf dem richtigen Weg. Hier ist allerdings auf einmal nur noch die Rede von 18 Videos:


Klickt man an dieser Stelle auf „View all (18)“ wird man auf eine halbwegs übersichtliche Seite weitergeleitet, die tatsächlich alle 18 Videos untereinander gelistet hat. Man sieht also endlich alle verfügbaren Videos – oder zumindest 18 von den 22. Leider sind die Videos auf dieser Seite nicht chronologisch sortiert, sondern wild durcheinander gewürfelt, so dass einem nach zwei Videos schon wieder die Lust vergeht, sich diese auch anzusehen. Ein Fehler hat sich allerdings auch hier eingeschlichen, denn im Gegensatz zu der Seite, wo wir einen „Weiter“-Button wunderbar hätten gebrauchen können, gibt es hier einen, obwohl er überhaupt nicht nötig wäre, da alle Videos auf der gleichen Seite zu finden sind:

Klickt man, neugierig, wie es sich gehört, auf die „2“ oder auf „next“, landet man tatsächlich auf Seite 2 dieser Playlist – wo einem übrigens die gleichen 18 Videos noch einmal angezeigt werden. Wer ein bisschen Hirnschmalz investiert, kommt nach spätestens 30 Sekunden übrigens auch darauf, wieso es hier nur 18 Videos sind und nicht 22, wie auf der Startseite angezeigt. Denn die aktuellsten vier Videos werden auf eben dieser Startseite angezeigt und nicht in der Video-Kategorie selbst. Dies ist natürlich höchst unpraktisch, denn man könnte diese doch wunderbar doppeln und dort einfach ebenso anzeigen lassen. Vermutlich hat man sich dagegen entschieden, weil man sich vielleicht von der anderen Variante mehr Klicks (ergo: mehr Geld) erwartet. Gut, das ist eine bösartige Einschätzung der Sachlage und vermutlich nicht korrekt. Das gleiche Problem gibt es übrigens bei den Bildern. 2 Seiten, zweimal die gleichen Bilder.

An sich ist also das Konzept Snowfish durchaus beachtlich, eben genau für jene Künstler, die ohnehin jeden Cent gebrauchen können. An der Umsetzung hapert es bei Snowfish noch – und dass die Seite seit Sommer letzten Jahres als Beta online ist, spricht auch nicht gerade dafür, dass sich seitdem viel getan hat. Man kann also nur hoffen, dass sie noch ein wenig Zeit und Geld investieren, um ihr Layout und die technische Umsetzung zu überarbeiten. Die Seite hat es dringend nötig und kann derzeit noch nicht mit sozialen Netzwerken wie Facebook und auch YouTube mithalten. Denn die Videos auf der Snowfish-Seite sind gestreamt – das heißt, jeder User mit einer langsamen Internet-Verbindung (und es gibt wirklich noch Leute, die mit einem 56k-Modem surfen, einfach, weil es in ihrem Ort kein DSL gibt) – hat keine Chance, sie sich auch anzusehen. Das kann nicht im Sinne der Erfindung sein. Bei YouTube lässt man die Videos einfach cachen und schaut sie sich dann in aller Ruhe an. Auch hier müssen die schwedischen Schneefische dringend überlegen, wie man das ändern kann.

Was übrigens auch nicht für das Design bzw. die technische Umsetzung spricht, ist, dass andere User auf der linken Seite Kommentare hinterlassen können. Die Kommentarleiste nach unten wird also mit jedem zusätzlichen Kommentar immer länger, der Scrollbalken rechts immer kürzer. Auch hier gilt: man muss MySpace nicht alles nachmachen und wenn, dann bitte zum Besseren.

Wer sich das ganze Elend selbst anschauen will, klickt am besten mal selbst zur Snowfish-Seite von Per Gessle. Wer übrigens die Idee hatte, im Forum von Snowfish seinen Kommentar zu der miesen Umsetzung abzugeben, hat leider Pech, denn auf der Seite Forums-Hauptseite liest man derzeit (Stand: 18.02., 12.50 Uhr) nur das hier:

An error has occurred.
For detailed error information, please see the HTML source code, and contact the forum Administrator.
Error while executing SSO actions: java.lang.NullPointerException

Dies ist – wohlgemerkt – nur der Blick auf die Snowfish-Seite als Gast. Wie sich die Situation gestaltet, wenn man dort angemeldet ist und eigene Seite betreibt, bleibt an dieser Stelle außen vor.

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