Das letzte Kapitel…

Mein Leben schreibt gerade das letzte Kapitel im Buch „Zähne – und alles, was dazu gehört“. Ich werde endlich einen Zahn bekommen. Wenn ich mir überlege, dass ich seit über einem Jahr mit einer Zahnlücke im Frontzahnbereich lebe, frage ich mich allmählich, wie ich diese Zeit überstanden habe, ohne wahnsinnig zu werden. In der Anfangszeit hat meine Sympathie für die behandelnde Zahnärztin sicherlich einiges leichter gemacht. Aber als ich mich mit ihr im Dezember 2008 verkrachte und die Behandlung abbrach, hätte es einen Rückschlag geben müssen. Zum Glück hatte ich keine Zeit, darüber nachzudenken, dass mich diese Lücke verunstaltet. Ich musste lernen, hatte Prüfungen und einfach weder Muße noch Zeit, mich wegen eines Zahns verrückt zu machen. Ich hätte es ohnehin nicht ändern können, denn die Stelle, an die die Brücke jetzt bald gesetzt wird, war noch zu angegriffen, es hatte sich noch kein Knochen im Kiefer gebildet und ich hatte Schmerzen. Es gab also keine Gelegenheit, das Loch zu schließen. Die einzige Chance war eine Prothese, die ich übrigens immer noch trage. Zumindest noch ein paar wenige Wochen.

zahn
Schmerzen habe ich immer noch – aber nicht mehr so stark. Und entzündet ist laut Befund von heute definitiv nichts mehr. Die Lücke wird also geschlossen. Und damit auch das Buch mit vielen anderen Geschichten rund um das Thema „Zahnarzt 2008-09“. Passend dazu erfahre ich heute, dass die Zahnärztin von damals geheiratet hat und am Wochenende die Hochzeitsfeier ist. Irgendwie fällt alles an seinen Platz, ohne, dass ich etwas dafür oder dazu getan hätte. Und irgendwie berührt es mich nur wenig, dass sie überhaupt geheiratet hat. Ich wünsche ihr Glück. Und ich hoffe, dass sie bei anderen Patienten mehr Glück bei Implantaten hat als bei mir. Ich muss jetzt mit einer Brücke leben und ich will es auch. Hauptsache, dicht. Hauptsache, keine Experimente mehr und Hauptsache, Ruhe. Das ist mir wichtig. Auf die Prothese habe ich auch keine Lust mehr. Die zu tragen, nein, daran kann und will ich mich nicht gewöhnen. Ich gebe zu, dass ich sie wirklich nur bei sehr seltenen Terminen getragen habe und beispielsweise in den mündlichen Prüfungen gar nicht, weil ich zu diesem Zeitpunkt im ganzen Kiefer Stressschmerzen oder so hatte. Die Prothese hat da nur gedrückt. Und was soll ich sagen? Die Prüfer hat es nicht gestört, sie haben geprüft, sie haben nicht auf die Lücke geschaut. Das war wohl so ziemlich die netteste Reaktion, die mir in Bezug auf meine Zahnlücke passiert ist. Andere legen wiederum mehr Wert darauf, denken, man verkauft sich am besten über sein Aussehen. Das mag stimmen – und auch nicht. Man muss genug Interesse zeigen und wissen, was man verurteilt, bevor man es verurteilt.

Jetzt bin ich einfach nur froh, dass dieses letzte Kapitel geschrieben wird und ich das Buch hoffentlich bald schließen kann. Ich will den Tag nicht vor dem Abend lohnen. Noch habe ich den Zahn nicht, noch ist nichts passiert. Ich hoffe diesmal nur, dass alles gutgeht. Mehr Schmerzen, Behandlungen, Abdrücke, Röntgenaufnahmen und Gebohre kann ich einfach nicht mehr ertragen.

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