Halmstad – mehr, als ich fühlte

Nicht, dass ich mich nicht an neue Situationen und Umgebungen gewöhnen kann. Aber das Leif’s Lounge ist nicht mehr das, was es mal war und ich will mich daran nicht gewöhnen. Die alte, traditionsreiche Tür des Tits&Ass Studios ist nicht mehr da, die Gitarren sind weg, viele Platten sind weg, wie schrecklich! Jedenfalls war es nicht mehr das, was es mal war, als ich heute da war. Irgendwie verwischt das meine Erinnerungen ein wenig. Vielleicht sollte man nicht zu sehr an ihnen hängen und öfter mal vergessen, was man erlebt hat, damit man offen für Neues ist. Aber das Leif’s ist ja irgendwie auch die „heilige Halle“ der „Marke“ Roxette, und ohne Tür und ohne Gitarren ist es nicht mehr das Gleiche. Obwohl der Strand noch ist, was er war. Dass der Weg von Halmstad nach Tylösand inzwischen von reichlich zweispurigen Strecken, etlichen Neubauten (Burger King!) und mehreren Kreisverkehren geprägt ist, ist da quasi nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nun ja, Touristenstadt bleibt Touristenstadt, aber irgendwie wird das von Jahr zu Jahr mehr ausgeschlachtet und genutzt. Nichts mehr vom kleinen, veträumten Örtchen an der schwedischen Westküste. Ich war also heute ein wenig enttäuscht von all den Veränderungen. Das hat aber eindeutig eher mit mir als mit den Veränderungen selbst zu tun.

Ich denke an windige Abende am Strand („Ich hab Wind zwischen den Zähnen“, „Wer hatte eigentlich die scheiß Idee, an den Strand zu gehen?“), feuchtfröhliche Stunden im Leif’s („Ella, die starrt auf dein Tattoo!“) und den ersten Besuch im frisch eröffneten Lidl („Huch, hier ist ja alles deutsch, kein Wunder, das hier niemand einkauft!“). Und so vieles mehr….! Es hängen so viele Erinnerungen in dieser Stadt, und es sind fast nur gute. Ein-Tages-Besuche für ein Konzert zu neunt, ein 25qm-Häuschen für vier Leute, zu viele Mückenstiche, ein grüner Opel, eine Wohnung gegenüber einer Autowerkstatt, kaputte Fenster, Zeltplätze und stürmische Nächte, hübsche Häuschen in Frösakull, Leifs Lager und das erste Meeting mit Per. Da ist Haverdal, herrliche Sonnenuntergänge, Unbeschwertheit ohne Ende, pure Freiheit, da sind die ersten Minuten, in denen wir die Snippets von Mazarin bei herrlichstem Sonnenschein hören durften, eine abgedrehte Release-Party mit T-Shirts, die mir heute hochnotpeinlich sind. Dass Björn und Annifrid an uns vorbeiliefen, ohne, dass wir es merkten. Eine tanzende Sandra, Freunde, und solche, die es erst später wurden. Und andere.

Die Zeiten sind vorbei, aber Halmstad bleibt für mich, was es von Anfang an war. Ein Traum, eine Oase, eine Insel, das Liverpool Schwedens, irgendwie heilig und einfach nur wunderschön. Es ist schön, sich dort auszukennen, zu wissen, wieso man überhaupt irgendwann einmal zum ersten Mal dorthin gefahren ist und wieso man Jahr für Jahr wiedergekommen ist. Und dieser Gedanke und Ausgangspunkt hat zum Glück mit baulichen Maßnahmen und Modernisierungen nichts zu tun. Ich war 2006 zum letzten Mal dort und jetzt weiß ich wieder, was ich vermisst habe. Es ist dieses spezielle Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Keep on roxing!

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