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Sitze unter einem Baum und eine Zecke ist gerade auf meine Tastatur gefallen und versteckt sich unter der „9“. Ich schätze, ich habe sie jetzt zerquetscht, aber egal in welche Richtung ich das Netbook drehe und wende, es fällt weder eine Tierleiche komplett noch in Einzelteilen raus. Ignorieren wir das also. Wenn ich sie nicht zerquetscht habe, dann wird sie vermutlich von der Hitze des Geräts gekocht.

Nun denn! Nach der letzten Prüfung gestern haben wir erst einmal gepflegt angestoßen. Und wie es sich für politisch interessierte Menschen gehört, sind wir dann – natürlich leicht angeschickert – nach Frankfurt gefahren, um für die Toten der Demonstrationen in Iran zusammen zu schweigen und somit ebenfalls zu demonstrieren. Erschreckend wenig Deutsche waren dort. Dabei sind es doch unsere demokratischen Wurzeln, die uns jetzt mitteilen, dass in diesem Land Unrecht geschieht. Hier ein paar Eindrücke:

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Nach der Schweigestunde haben wir dann aber doch noch ein wenig gefeiert und ich habe meine ersten zwei Zigaretten seit fast zwei Jahren geraucht. Das musste einfach sein, schlagt mich. Nach zwei Gläsern Sekt, einer noch fast vollen Flasche Absolut Vodka mit Smultron-Geschmack, die wir zu zweit gekillt haben und einem „Swimming Pool“ in einer Cocktailbar, hatte ich wohl meine Sinne nicht mehr bei mir. Aber es hat – Scham! – geschmeckt. 23062009071

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass meine ehemalige Zahnärztin mit ihrem Freund an mir vorbeistolziert ist, mich ansah, musterte, den Kopf wegdrehte und weiterging. Da in ihrem Gesicht kein „Klick“ zu bemerken war, nehme ich an, sie hat mich tatsächlich innerhalb von sechs Monaten vergessen. Schön, wer das kann.

Am Samstag waren Jenni und ich übrigens bei IKEA und haben ein wenig Mittsommer gefeiert. Allerdings hatten wir uns die Feierlichkeiten etwas größer vorgestellt. Schubkarrenrennen, Trampolin für Kinder und Versteigerung von Fundgrubenmöbelstücken – naja. Dabei war das Wetter gar nicht so schlecht. Highlight war auf jeden Fall die Band „Pia Fridhill Trio“, die ABBA-Songs nicht nur gespielt, sondern so schön neu arrangiert hat, dass es sich wirklich anhörte, als wären es andere Lieder, in einem anderen Kontext geschrieben und anders gemeint als dann durch ABBA im Studio produziert. Die Sängerin hat eine wunderbare Stimme, es war extrem entspannend, ihr zuzuhören. Nach dem letzten Song brüllten wir erfolgreich „en gaang till“ (leider kein Kringel-A auf dem Netbook, sorry). Pia (Schwedin!) freute sich und dann gab es noch „Thank you for the music“ zum Abschluss. Kulinarisch gab es zwar nichts Neues, aber diese üppigen, sattmachenden und stopfenden Punschrollen hatten sie gelb-blau eingefärbt. Üppig waren sie dennoch. Außerdem gab es schwedischen Karottenkuchen. Lecker!20062009045
Als wäre es nicht genug, war ich auch am Sonntagabend unterwegs und habe für meine Freundin Dorna beim „Tito & Tarantula“-Konzert im Gießener Jokus Fotos geschossen. Ist jetzt nicht so meine Musik, war aber trotzdem nicht schlecht. Die Fotos sind zwar allesamt mies geworden – auch, weil die Bühne eigentlich nur 10 Zentimeter höher war als der Zuschauerraum – aber zwei Abende vor der letzten Prüfung ist einem das auch egaler als es sonst wäre. Es ist nur blöd, wenn man morgens anbietet, Fotos machen zu können und vorher schon mal einige schöne Naturfotos vorgezeigt und Eindruck geschunden hat und dann so versagt. Auf jeden Fall gab es am Eingang einen Stempel auf die Hand und ich fühlte mich endlich wieder Ich. Meine Identität ist quasi wieder da. Dieser Stempel hat mir das bestätigt, was ich seit Wochen fühle:

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Viel mehr als eine Kopie von mir selbst war ich in den letzten Wochen nicht. Eine Kopie aus einem Schwarz-Weiß-Kopierer mit Streifen und schwarzen Stellen, weil man die Abdeckung nicht komplett geschlossen hat. Das Papier war auch nicht das beste, aber man konnte immerhin noch erkennen, wer ich vorher mal gewesen bin.  Ich danke an dieser Stelle meiner Familie und meinen Freunden (ihr wisst, wer ihr seid!) für die bedingungslose Unterstützung und dass ihr nicht damit aufgehört habt, auch wenn ich zwischendurch unerträglich war. Es ist doch ganz gut, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann, wer will das schon, wenn er eine solche hat wie ich? Das Gleiche gilt für meine Lieben aus Mainz, A und E, es gilt für A aus Gießen und es gilt für die Person, die immer meine größte Motivation war, morgens wieder aufzustehen und ein neues Buch zu öffnen und zu lesen, zu duschen, zur Uni zu fahren, das schreckliche Mensa-Essen immer wieder zu essen und nicht aufzugeben, auch wenn ich das zwischendurch wollte. Als Datum bleibt hier der 16. Juni zu nennen. Danke, D.!
Ob ich in den nächsten Monaten wieder zu mir finde, bleibt abzuwarten, denn vor mir liegt noch ein Batzen Arbeit. Bis jetzt ist nur das Schlimmste vorbei, aber noch nicht alles.

Hier ist übrigens Taste 9. Könnt ihr was sehen?

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Ich nicht. Aber ich sitze auch unter einem Baum auf einer Wiese, mit einem Kaffee neben mir und dem iPod auf dem Ohr. Gerade dudelt der Crocodile Rock von Elton John.

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