Erwacht aus einem langen Schlaf

Ein bisschen fühlt es sich so an, als würde man aus einem langen traumlosen Schlaf aufwachen. Oder vielleicht auch eher so, als hätte man in Watte gepackt gelebt und trotzdem versucht, nicht zu verrohen.
Ja, natürlich waren sie 2006 als Roxette unterwegs und haben zwei Auftritte in Deutschland absolviert. Und ja, da war Marie dabei. Aber es waren Playback-Auftritte, es war Fernsehen, es war überhaupt nicht hautnah und gar nicht nostalgisch. Und man fühlte sich auch keineswegs an gute alte Roxette-Zeiten erinnert. Als Fan habe ich diese Auftritte einfach so mitgenommen, weil sie da waren, aber als solche haben sie mich wenig berührt. Vielleicht nur zwei Momente. Der eine, als in Hamburg bei der Bravo-Gala die Türen aufgingen und Marie erstmals wieder auf einer großen Bühne vor vielen Zuschauern stand, die vielleicht nicht wussten, dass sie so krank war. Und der andere war der, als eben diese Zuschauer nach dem Ende von „The Look“ die beiden gefeiert haben wie verrückt, obwohl sie keine Fans waren. Ansonsten hat mich diese Phase des Projekts „Roxette“ eher kalt gelassen, wohl auch, weil die Single „One Wish“ einfach unterirdisch schlecht war.munichtour-crashroxer

Aber jetzt ist alles anders. 90 Minuten Konzert am Montag haben gereicht, um mich wieder aufwachen zu lassen. Meine Wurzeln liegen bei Roxette. Sie liegen nicht bei Marie Fredriksson, sie liegen bei Roxette. Da komme ich her, darüber habe ich erst zu Marie und ihrer Musik gefunden. Die Musik, die mir am meisten bedeutet, einen anderen Fleck in meinem Herzen erreicht als Roxette. Aber der Roxette-Fleck scheint größer zu sein. Er schlägt wieder. Seit einem Konzert von Per Gessle am Montag in Köln. Ganz ohne Marie tourt er durch Europa und singt die alten Roxette-Lieder, die ich als Fan eigentlich nicht mehr hören kann. „The Look“, „Joyride“, „It must have been love“, „Listen to your heart“. Lieder, die ich nie zuhause höre, weil diese Zeiten einfach vorbei sind. Aber Per und seine Band haben es geschafft, dass diese alte Leidenschaft, immerhin 18 Jahre alt, wieder aufgeflammt ist. Schon beim ersten Lied „Dressed for success“ sehnte ich die guten alten Zeiten herbei, ich sehnte mir Marie herbei, die – ihren Körper von links nach rechts schwingend – über die Bühne fegt und mit ihren Händen die Leute zum berühmten Dressed for success-Klatschen animiert. Da hat sie gefehlt. Nicht nur da, aber speziell da. Und plötzlich war der Wunsch wieder da, ein Roxette-Konzert zu sehen. Nicht nur eins, vielleicht mehrere. Gerne auch ruhig mit Barhocker und gar nicht tanzend. Aber mit Marie und mit Per. Die alten Klassiker rocken immer noch ohne Ende und nicht nur ich schien mich nach Roxette-Liedern zu verzehren. Fast alle, die da waren, sangen bei den Roxette-Klassikern lauthals mit und erinnerten sich wohl an die alten Zeiten und diverse Tourneen. Es war eine Reise in die Vergangenheit, die mit einer schönen Erinnerung begann und am Ende zu einem Tunnel mit viel Licht führte. Ich denke, nicht nur ich, sondern viele andere Fans, die sich einst als Roxette-Fans eingeordnet hatten und in den letzten Jahren sich für das eine oder andere Lager entschieden haben, sind wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, das mich nicht mehr loslässt. Zumindest nicht diese Woche. Deshalb ist das definitiv einen Blogeintrag wert.

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4 Kommentare

  1. Antje · April 30, 2009

    sehr schön geschrieben … besser kann man wohl die derzeitigen Gefühle nicht ausdrücken

  2. Ria · April 30, 2009

    hihi, da hatten wohl zwei gar nicht so dumme ein paar sehr gleiche gedanken, ein paar passagen erinnern mich an eine bestimmte pm heute nachmittag 😛

    • kiwein · April 30, 2009

      Ja, tatsächlich. Ich hatte den Gedanken schon am Montag und musste heute mittag noch einmal schmunzeln. Das war ja teilweise kein Gesinge, das war sehnsuchtsvolles Geschreie. 😉 Falls Du DIESE Passage mit dem Verzehren nach Roxette meinst.

      • Ria · April 30, 2009

        unter anderem… und das mit den liedern, die man als fan nicht mehr hören kann (wobei ich da mal meine ganz persönliche heilige kuh the look ausschließen möchte)

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