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Gestern gesehen: Kissenschlacht auf Sat.1

05/10/2011

Ich bin Freundin der seichten Fernsehunterhaltung. Dienstagabends darf es also gerne mal eine seichte deutsche Komödie sein. Gerne auch auf Sat.1. Erst kürzlich lief dort eine herrliche Komödie mit Valerie Niehaus – die Ur-Julia aus Verbotene Liebe, die von Nina Bott beerbt wurde. Niehaus hatte eine Pornofilmproduktionsfirma von ihrem Mann geerbt, von deren Existenz sie gar nichts gewusst hatte. Sehr lustig gemacht, gute Gags, nette Bilder, schön seicht. Nun ja, dass es auch anders geht, durften wir gestern Abend beim Film „Kissenschlacht“ bewundern.

Von der Besetzung einmal abgesehen – Steffen Groth als werdender Vater, Christiane Krüger als hysterische Schwiegermutter und Didi Hallervorden als Lustmolch und Teresa Harder als Haushälterin – war der Film eigentlich alles, aber keine Komödie. Und noch dazu einfach schlecht. Und das aus mehreren Gründen:

1.) Das Thema: Elternsein und Eltern werden, das wünschen sich viele. Bei vielen klappt es nicht und vielen fehlt vielleicht auch ein bisschen Lockerheit, um mit dem Thema umzugehen. Aber sich eine russische (muss erwähnt werden, denn die Rolle der Leihmutter wirkt zwischendurch so, als ob sie dümmlich sei) Leihmutter zu suchen, die dann das eigene Kind austrägt – taugt dieses Thema für eine Komödie? Und wenn ja, wieso war dieser Film nicht lustig? Es ist extrem schwierig, so ein Thema komisch aufzubereiten. Dieser Film hat es leider nicht geschafft, was sicher auch an der Rolle der Frau liegt, die sich neun Monate gar nicht für die Leihmutter interessiert, aber mit Kissenbauch eine eigene Schwangerschaft inszeniert und ihrem Gatten sogar den Beischlaf verweigert. Unlustig.

2.) Komik? Nach etwa einer Stunde hatte ich das Schema des Films durchschaut. Es war eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Missgeschicken, die das werdende Paar in kompromittierende Situationen brachte. All diese Situationen wurden jedoch nicht komisch aufgelöst, sondern irgendwie gar nicht. Ich kann mich jedenfalls an keine Stelle in diesem Film erinnern, an der ich laut aufgelacht hätte. Gegen 21 Uhr hatten wir sogar schon mal weggeschaltet, weil wir sicher waren, dass es noch was besseres im TV geben musste. Nach einer Runde Zapping kehrten wir zu Sat.1 zurück. Es gab – für uns – nichts besseres. Schlimm genug eigentlich. Aber immerhin stimmte so der Prisma TV-Tipp des Tages. Peinlich genug, denn die:

3.) Logik stimmte leider auch nicht. Der Film beginnt etwa drei Monate vor Beginn der Leihmutterschaft. Es ist Sommer. Drei Monate später ist immer noch Sommer. Und als der werdende Vater mit der im sechsten Monat schwangeren Leihmutter und deren Erstgeborenem im Park Fußball spielt, ist immer noch Sommer. Ach, und bei der Geburt des Babys, man ahnt es, ist immer noch Sommer. Ich möchte auch nach München ziehen, denn da ist einfach immer Sommer.

Spätestens nach dieser Feststellung fühlte ich mich von der Produktionsfirma doch ein bisschen verschaukelt. Kissenschlacht bekommt von mir eine 6+. Den Pluspunkt gibt’s für Hallervorden, Krüger und Harder. Wir haben uns dann auch die Frage gestellt, ob Hallervorden und Krüger zu Castings gehen, oder ob ihnen Rollen wie diese angeboten werden – was auch immer es in diesem Fall war, schmeichelhaft ist’s für beide nicht. Geldmangel?

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Eurovision Song Contest – Live-Blog

14/05/2011

Ich habe mir gerade überlegt, live zu bloggen, während nebenbei der ESC läuft. Gleich geht’s los. Ich kenne nur ein Lied, nämlich das von Lena und daher denke ich, dass ich relativ neutral an die Sache rangehen kann. Ich glaube nicht, dass sie noch einmal gewinnen kann oder unter den Top3 landet. Ich finde den Song extrem seltsam. Zudem hat sie die wenigen Sympathien, die ich für sie hatte, spätestens mit dem Interview bei Frank Elstner (ok, er war wirklich schlecht vorbereitet) verspielt. Dieser Text hier wird also bis 22 Uhr regelmäßig aktualisiert. Die Entscheidung werde ich hier nicht mehr live verfolgen.

20:16: Ok, Matthias Opdenhövel. DAS wusste ich nicht. Ich sollte mir die Sache mit dem Live-Blog noch mal überlegen..
20:18: Ähm, Ina Müller ist jetzt auch nicht so mein Fall.
20:21: Ein Punkt für die Männer mit den hässlichen Opa-Mützen.
20:25: Wieviel Kilo hat eigentlich der Opdenhövel in den letzten drei Monaten zugenommen?
20:29: Ist gleich 21 Uhr?
20:37: Ich mag Aloe Blacc. Sehr sehr sehr.
20:46: Boah, nee. Kein Kommentar zu Eva Briegel. Ich mag ja deren Musik, aber die Frau halt eben so gar nicht.
20.55: Das Wort zum Sonntag live vom ESC. Das muss ein Scherz sein, oder? Konnten sie das nicht mal weglassen, oder wann anders zeigen? Wieso wird so etwas in eine Live-Sendung eingebunden? Gab es so etwas schon mal? Zumindest weiß ich jetzt, was ich bislang nicht verpasst habe. Oh wei, und der Pastor hat sich alle Liedtexte angesehen, denn „zum Glück gibt es Übersetzungen“. Na, zum Glück!
21:02: Auf der linken Seite sehen sie das Modell Flusenteppich in quietschrot. Zur Rechten streift ein Kleid, das aus durch den Schredder gejagtes Papier besteht, ihren Blick.

21:04: Muss der Raab jetzt schon singen? Dann gibt’s heute gar keine Punkte für Deutschland!
21:05: Ok, mir leuchtet ein, dass die Siegerin des letzten Jahres ihren Hit jetzt nicht noch einmal präsentieren kann. Interessante Pseudo-Rockabilly-Version vom Raab. Nicht so schlecht. Bis auf den Gesang.
21:06: Hm, also das von eben nehme ich dann mal zurück. Finde ich klasse, dass sie das macht. Da so entspannt noch eine Stunde vor dem neuen Auftritt auf der Bühne stehen. Erste Überraschung des Abends für MICH. Und die Sympathieskala steigt von -10 (durch das Elstner-Interview) auf -9.
21:11: Zum Glück haben wir Anke Engelke. Sonst kämen so Leute wie… beispielsweise.. ja, Per Gessle, noch darauf, dass die Deutschen kein Englisch können.

21:13: FINNLAND; der junge Mann hat eine wirklich schöne Stimme. Akustik-Gitarre geht sowieso immer. Die Kleidung finde ich allerdings etwas zu unscheinbar. Da ist zwar ein interessantes Muster auf dem Hemd, aber vier verschiedene Brauntöne kann man eben nicht so gut voneinander unterscheiden. Und jetzt, beim zweiten Hören des Refrains, finde ich, dass die Nummer doch nicht so super ist. Geht aber irgendwie doch ins Ohr.
21:18: BOSNIEN-HERZEGOWINA; Karomuster und Frauengequieke. Nach 10 Sekunden Bosnien-Herzegowina wollte ich abschalten. Dann startete das Lied. Und wenn man den Mann nicht ansieht, ist es ganz nett anzuhören. Folkloristisch, würde man wohl sagen. Aber der Song hat irgendwie keinen Höhepunkt. Und richtig albern ist der leicht gebeugt tanzende Kerl, der wohl nur zum Tanzen und zum Trompetespiel-vortäuschen da ist. Insgesamt kein schlechter Song, geht auch ins Ohr.
21:23: DÄNEMARK; der Sänger hat eine ähnliche Frisur wie die irischen Zwillinge, höre ich gerade. Ist das gerade in? Und der Refrain erinnert mich an irgendein anderes Lied. Ich komme nur gerade nicht auf den Titel. Könnte übrigens auch ein Lied von OMD sein.
21:26: LITAUEN; Ballade. Gequietsche. Keine Melodie, kein Höhepunkt. Hübsches Gesicht, hässliches Kleid. Kein weiterer Kommentar zu Litauen.
21:29: Nachtrag zu Dänemark: Mir fällt jetzt nur Take That mit Let it shine ein, haben die Dänen vielleicht da geklaut?
21:31: UNGARN; ööh, Schweden-Pop aus Ungarn? Micke, warst Du das? ;) Nein, das war bösartig und das nehme ich zurück. Das Kleid lenkt jedenfalls glücklicherweise von den schlechten Dance-Beats ab. Gefällt mir auch nicht. Kleine Bewegungslegasthenikerin, die Gute. Könnte übrigens auch als Double von Judith Rakers durchgehen.
21:33: IRLAND: Ok, ich habe vorhin gelesen, für DIE darf ich auf keinen Fall anrufen. Ganz voreingenommen bin ich also doch nicht. Interessanter Beat, interessante Frisuren, interessante Choreographie. Das Lied ist aber nichts besonderes. Das ist wohl der erste Beitrag, der die ESC-Tradition fortführt, dass es nur noch auf die Show ankommt, wobei das Lied nicht so grottig ist, dass man mit Show drei Minuten davon ablenken müsste. Aber definitiv kein Favorit für MICH.
21:37: SCHWEDEN: Der Mann kann nicht singen. Der eiert. Und ja, ich finde, Töne treffen allein reicht nicht. Eiern geht gar nicht. Abgesehen davon singt er auch schief. Typischer Schweden-Pop. Heute gehört und getanzt, morgen wieder vergessen. Gefällt mir nicht.
21:39: Nachtrag II zu Dänemark: meine Mitgucker werfen als mögliche Klau-Lieder noch Blümchen mit Herz an Herz, ein schwedisches Lied und die Proclaimers – 500 miles in den Ring.
21:42: ESTLAND: Irgendwie eine Mischung aus Katy Perry, Britney Spears, Lena Meyer-Landrut und Nutte. Musik aus dem Zirkus geklaut, das Kostüm auch. Die Choreographie ist immerhin interessant und die Melodie erinnert mich schon wieder an irgendwas anderes..
21:46: GRIECHENLAND: Den Song verstehe ich nicht. Deswegen gefällt er mir nicht. Ist das jetzt Oper, Rap oder Pop? Und warum trägt der Anzug? Das passt irgendwie alles nicht zusammen. Das Konzept passt nicht. Wenn der Kerl jetzt wenigstens noch gut aussehen würde. Oh, da war ein Cembalo. Ich liebe Cembalo. Drei Punkte für Griechenland. :P
21:51: RUSSLAND: Hm, auch hier: schiefe Töne, alles klingt eirig. Das wirkt wie eine Boyband aus den 90er Jahren. Sind die Russen jetzt etwa in den 90ern angekommen? Nichts neues, nichts spektakuläres, alles schon mal gesehen und gehört.
21:52: kurze Zwischenbilanz: bislang hat mich noch nichts wirklich vom Hocker gehauen und so gesehen relativiert das schon wieder Lenas seltsames Lied. Top5 ist vielleicht doch drin?
21:54: FRANKREICH: das Lied fängt an wie das von Vangelis, wie hieß es noch gleich? Und wann lernen die Franzosen endlich, dass man so einen Operscheiß nicht hören will beim ESC? Immer wieder versuchen sie es mit so schweren Melodien und Kompositionen. Ich verstehe es nicht. Die sind in der Tat lernresistent.
21:57: ITALIEN: mein letzter Liveblogkommentar hier. Dann Feierabend. Blöder Live-Blog, gut, hätte ich mir vorher überlegen sollen. Egal. Zu Italien: Jazz – schwierig für die breite Masse. Ergo: sehr schwer beim ESC. Ich mag Jazz aber, deswegen kriegt der Beitrag jetzt schon 10 Punkte von mir. Italienischer Jazz – das hat wirklich was. Mag die Melodie, ich kann mir nur den Typen nicht ansehen. Optisch nicht so ansprechend.
22:03: SCHWEIZ: Luftiger Beginn. Ukulele und Cembalo – das wirkt bei mir wie kleine Kinder und Hunde auf andere. Die Dame sieht ganz nett aus, eiert aber ebenfalls beim Singen und trägt ein wirklich hässliches Kleid. Die „Choreographie“ hat was von Lena aus dem letzten Jahr. Wenigstens lächelt sie nett. Nicht der schlechteste Beitrag, aber auch kein Favorit für mich.
22:07: GROSSBRITANNIEN: BLUE?? Ist das deren Ernst? Huch, The Centre Of The Heart höre ich da. Und jede Menge schiefe Töne auch. Mir sind eindeutig zu viele Boybands am Start.
22:10: MOLDAU: Die Zipfelbuben sind ausgebrochen! Gelb, rot, bunt. Reizüberflutung. Habe nach 20 Sekunden genug.
22:13: Nachtrag zu Moldau: Für die Show, die meiner Meinung nach fast eine Parodie auf den ESC ist, haben sie ein paar Punkte verdient. Humor ist, wenn man über sich selbst lacht.
22:15: DEUTSCHLAND: Was soll ich sagen? Der Beitrag ist einer der besten bis jetzt und wir hören Lied Nummer 16. Das macht mir Angst, spricht nicht für die musikalische Qualität auf unserem Kontinent und im tiefsten Inneren gönne ich Lena einen zweiten Sieg auch nicht. Aber die silbernen Spermien auf zwei Beinen könnten Punkte kosten. Aber irre ich, oder singt sie besser als letztes Jahr? (Ok, ist nicht soo schwer).

HIER IST JETZT FEIERABEND! Tschöö..

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Ticketpreise in Deutschland

18/03/2011

Heute morgen sind mir fast die Glupscher aus dem Gesicht gefallen: 72 Euro (und mehr) für ein STEHPLATZticket für ein Popkonzert. Wäre es nicht meine Lieblingsband, würde ich das Geld dafür ganz sicher nicht ausgeben. Ich frage mich, wie es sein kann, dass NUR in Deutschland die Preise so unverschämt hoch sind. Na klar – bei manchen Onlineticketseiten verdienen auch andere mit. Aber Preisunterschiede von fast 20 Euro finde ich gewaltig.

Ein Ticket für das gleiche Konzert der gleichen Tour  in Barcelona nur ein paar Wochen später kostet gerade mal 50 Euro. Die Veranstalter mögen es mit der immer teurer werdenden Logistik erklären wollen. Aber diese Ausrede lasse ich nicht gelten. Bei solchen Preisen muss man sich nicht wundern, wenn die Hallen leer bleiben. Gerade bei Roxette bin ich doch sehr skeptisch. Nachdem sie im Sommer schon vier Shows in Deutschland spielen, kommen sie im Herbst noch einmal für acht Konzerte. Und da werden Erinnerungen an 2001 wach – leere Ränge, leere Innenräume, keine Stimmung. Damals kostete ein Ticket übrigens 80 Mark, was ähnlich unverschämt hoch war. Doch damals war auch das Problem, die Konzerte geografisch ungünstig zu legen: erst Dortmund, dann Oberhausen. Tja, da muss man sich nicht wundern, wenn keiner kommt.

Ich hoffe, dass ihnen diese Erfahrung diesmal erspart bleibt und sich zumindest ein Großteil der Hallen füllen wird. Zumindest wird es ein exklusives Publikum sein. Denn nicht jeder gibt mal eben 70 Euro für zwei Stunden mehr oder wenige gute Unterhaltung aus.

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Kündigen und Umziehen mit Vodafone

14/12/2010

Jahrelang habe ich es geschafft und jeden telefonischen Versuch eines DSL-Anbieters abgewehrt, doch einfach zu ihnen zu wechseln, weil sie ja viel günstiger seien. Zum ersten Mal bin ich vor acht Wochen schwach geworden und habe mich von 02 – meinem Handyanbieter – überzeugen lassen, zu Alice zu wechseln. Bislang – seit 2004 – bin ich Kunde bei Vodafone, ehemals Arcor, und mit dem Service und den Konditionen zufrieden. Anschaltungen bei Umzügen, das waren bei mir einige, gingen immer schnell, die Hardware kam pünktlich, alles funktionierte.

Und doch ist Alice günstiger. Definitiv ein Grund, den Anbieter zu wechseln. Ich ließ mich also beraten, schlug zu, sagte aber schon am Telefon, dass ich eventuell im Februar umziehe und das dann der Wechsel nicht zustande käme, denn umziehen konnte ich bei bestehendem Vertrag nur mit dem alten Anbieter. Nach Prüfung der Vertragsdaten seitens Alice wurde bekannt, dass mein Vertrag bei Vodafone/Arcor noch bis Januar 2012 läuft, ein Wechsel zu Alice also vor 2012 gar nicht möglich ist. In der Zwischenzeit wurden meine Umzugspläne zur Realität, alles stand fest, da erinnerte ich mich wieder an mein Festnetzanschlussproblem.

Frohen Mutes loggte ich mich auf der Vodafone-Seite im Privatkunden-Bereich ein und wollte meinen Umzug in Auftrag geben. Immerhin habe ich ja noch ein Jahr bestehenden Vertrag und nicht nur ich muss bezahlen, sondern mein Anbieter mir auch die Leitung zur Verfügung stellen. Denkste! Ein Umzug mit Vodafone ist nicht mehr möglich, denn würde ich umziehen, würde sich der Vertrag um weitere zwei Jahre verlängern. Etwas, das durch meine Kündigung bzw. den Wechsel zu Alice nicht mehr möglich ist. Ich dachte trotzdem zunächst, dass das ein Scherz sein musste, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass Vodafone jetzt ganze 12 Monate Geld von mir kassiert, ohne dass ich auch nur eine Sekunde den Anschluss nutzen kann. Ich rief also bei Vodafone an und stellte mein Problem dar und siehe da: keine Chance! Umziehen ist nicht, nur, wenn ich den Vertrag bzw. den Wechsel zu Alice rückgängig machte und damit eine Vertragsverlängerung bei Vodafone in Kauf nehme.

Erneut griff ich zum Telefon und versuchte es nun bei Alice. Den Vertrag konnte ich aber nicht mehr widerrufen, denn das 14-tägige Widerrufsrecht war trotz eines Vermerks eines möglichen Umzugs schon abgelaufen. Im Vodafone-Shop konnte man mir ebenso wenig helfen wie an der Hotline und so folgte einzig der Hinweis, ich solle doch eine Reklamation schreiben und an den Kundenservice schicken. Unbefriedigend für einen eigentlich zufriedenen und vor allem langjährigen Kunden. So sitze ich jetzt auf zwei Festnetzverträgen, von denen ich einen nur nutzen kann, weil er dankenswerterweise von Alice umgestellt wurde auf Neuanschaltung (in der neuen Wohnung). Wäre das nicht gegangen, hätte ich zwei Verträge und kein Internet, kein Telefon und keine Hardware.

Es ist eine Frechheit, dass so etwas erlaubt, ja, sogar rechtens ist. Ich fühle mich von Vodafone verhohnepiepelt. Und ärgere mich über mich selbst, dass ich zum ersten Mal seit Jahren einfach einem Angebot am Telefon gefolgt bin, anstatt die Finger davon zu lassen. Das vermeintliche Angebot, das mir beim Geldsparen durch bessere Tarife verhelfen sollte, ist keins, wenn ich mit meinem alten Anbieter nicht mehr umziehen und die Leistungen meines noch ein Jahr bestehenden Vertrages nicht nutzen kann.

Vielen Dank an die, die Gesetze machen. Und die, die sich jetzt ins Fäustchen lachen.

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Dunkeldinner in der Unsicht-Bar

06/12/2010

Das Konzept kennen inzwischen wahrscheinlich viele, aber ich hatte es bislang noch nicht geschafft, einmal im kompletten Dunkel zu essen. Als sich im Herbst die Möglichkeit auftat, das zu machen, war ich natürlich Feuer und Flamme und habe zugesagt. Mir war allerdings schon schnell klar, dass meine Klaustrophobie sicher an diesem Abend auf den Plan treten würde. Denn wer setzt sich freiwillig in einen komplett dunklen Raum und ist auf die Hilfe des Kellners angewiesen, wenn er den Raum verlassen will? Und dann ist es ja nicht so, dass der Kellner ständig neben dem Tisch steht, sondern auch noch andere Leute bedient und somit nicht immer sofort da ist, wenn die Panikattacke eingetroffen ist. Mit dieser Angst ging es also in die Unsicht-Bar nach Köln.  Und im Nachhinein muss ich sagen, dass so groß die Angst in der Dunkelheit gar nicht war. Eher haben mich die flackernden Lichter vor meinem Auge irritiert. Denn man sitzt ja doch nur selten allein zuhause und schaut ins Dunkel. Zugegeben, in den ersten 20 Minuten war es wirklich eigenartig, da so hilflos am Tisch zu sitzen und nichts zu sehen. Aber der Reihe nach..

Vor dem Gang ins Restaurant wählt man – im hellen Bereich des Restaurants – sein Menü aus. Hier ist jedoch nicht klar, was man genau bekommt. Man entscheidet lediglich zwischen Fisch, Vegetarisch, Käse, Geflügel, Lamm und Überraschung. Was letztlich auf dem Teller liegt, weiß man nicht und soll man – wenn es gut läuft – erst, wenn der Teller vor einem steht, erschmecken. Während meine Freundin ihren Überraschungs-Menü-Gutschein einlöste und ihre Schwester sich für Geflügel entschied, fiel meine Wahl auf Fisch. Nach der Wahl des Essens holt einen der persönliche Kellner an der Pforte ab und führt den Gast in eine Lichtschleuse. Hier ist das Licht gedimmt und geht aus, wenn sich die Tür zum Restaurant öffnet. Rüssel an Schwanz, nein, Hand an Schulter geht es dann ins Dunkel zum Tisch, wo die Getränkebestellung aufgenommen wird. In den ersten Minuten ist alles neu und überraschend. Verzweifelt suchte ich irgendwo einen Lichtschimmer, oben und unten. Tatsächlich fand ich etwas, denn unter der Tür zur Küche, die ich fälschlicherweise zunächst als die Tür identifiziert hatte, die uns reingebracht hatte, fiel tatsächlich ab und an etwas Licht durch einen Schlitz. Doch je länger ich mich darauf konzentrierte, desto weniger sah ich ihn. Die Augen brauchte ich also tatsächlich nicht, schaffte es aber auch nicht, sie einfach zu schließen, was vermutlich besser gewesen wäre, denn so flackerte nach etwa 15 Minuten erstmals ein gelbes Licht, das nur verschwand, wenn ich sie eben doch schloss. Erleichtert war ich, dass es meiner Begleitung auch so ging. Und nach einer Stunde legte sich das Flackern zum Glück auch.

Im Dunkeln Essen bringt weitere Tücken mit sich, denn man sieht nicht, was man schneidet und wo man schneidet, oder ob man überhaupt schneiden müsste. Ich stieg also schnell auf Gabel links und Hand rechts um und schaufelte das Essen mit der rechten Hand fleißig auf den Edelstahl. Es fiel mir auch schwer zu erraten, was ich da eigentlich gerade gegessen habe, es schmeckte nach Fisch, nicht mehr und nicht weniger. Die Schwester meiner Freundin stellte sich da schon besser an, denn sie wusste nach drei Bissen des Hauptgangs schon, womit sie es zu tun hatte und hinterher stellte sich raus, dass sie Recht hatte. Andererseits ist es auch gut, nicht zu wissen, was man da gerade isst, denn sonst hätte meine Freundin sicherlich ihren Hauptgang  – ein Hirschgericht – nicht gegessen. Immerhin schmeckte sie nach kurzer Zeit rote Bete (die sie nicht mag!) heraus und sagte nach dem dritten Bissen mit leicht zu vernehmender Übelkeit: „Ich glaube, ich weiß, was ich da gerade esse und ich glaube, ich muss mich gleich übergeben.“ Zum Glück musste sie das nicht, wäre auch zu schade gewesen.

Entspannend ist zwischendurch, dass man die Tischnachbarn reden und lachen hört, in diesem Raum sind wirklich alle gleich und so war es auch ganz schön, dass alle zusammen einer „Steffi“ im Restaurant ein Geburtstagsständchen gesungen haben. Und, dass ein Mann am Nachbartisch aufstand und laut rief: „Könnt ihr ein bisschen leiser sein, ich habe gerade ein blind date?“ Witziger Einwurf des Mannes, wobei wir hinterher noch von der Servicekraft erfahren haben, dass sich tatsächlich nicht wenige Leute zum blind date dort treffen, zeitversetzt ins Restaurant gehen und sich so kennenlernen. Und manchmal kommt es wohl sogar vor, dass die gleichen Leute sich nach erfolgreich absolviertem Dunkeldinner in einem abgedunkelten Hotelzimmer treffen und die Nacht miteinander verbringen.

Nach dem Essen setzte sich unser Kellner  – der nichts mehr zu tun hatte – an unseren Tisch und trank einen Kaffee. Wir kamen mit ihm ins Gespräch und verlängerten unseren Aufenthalt in der Dunkelheit so noch um etwa 30 Minuten. Erst in dieser Phase war ich wirklich entspannt und hatte sogar die Augen geschlossen. Denn ich wusste, ich verpasse sowieso nichts. Als wir nach knapp drei Stunden wieder im hellen Eingangsbereich waren, hatte die Servicekraft fünf Tafeln aufgestellt, auf denen die jeweiligen Menüs zu sehen waren, so dass man abgleichen kann, ob das, was man geschmeckt hat, auch das ist, was man gegessen hat. Im Übrigen hat man bei der Wahl des Essens vor dem Gang ins Restaurant auch die Chance anzugeben, worauf man allergisch ist bzw. was man überhaupt nicht mag. So kann man dann zum Beispiel sicher sein, dass auf keinen Fall Pilze drin sind, wenn man keine Pilze will. Aber der Ausschluss von Pilzen schützt dann auch vor roter Bete nicht. Man denkt einfach nicht an alles, sondern nur an das Wahrscheinliche. Ich kann also nur empfehlen, sich wirklich eine Liste zu machen mit den Sachen, die man auf keinen Fall essen will. Und die, die sowieso mehr nicht mögen als mögen, sollten den Gang in die Unsichtbar einfach nicht antreten, denn wenn die Liste länger ist, als das, was dort angeboten wird, ist die Überraschung hinterher ja fast keine mehr.

Alles in allem war es ein schönes Erlebnis, das ich aber nicht noch einmal haben muss. Eine gute Erfahrung, die man nur einmal machen muss. Abgesehen davon war das Essen nicht übermäßig gut, nichts besonderes und eigentlich noch weniger als „nichts besonderes“. Geschmacklich nicht herausragend, gerade so eben ausreichend.

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In Rachs Tafelhaus

14/10/2010

Geredet hatten wir darüber schon im letzten Winter. Eher durch Zufall und ohne konkrete Planung. Aber die Idee war da. Einmal Tafelhaus in Hamburg und Christian Rachs Essen genießen. Knapp sechs Monate später wurden wir ein Paar und wir erinnerten uns doch recht schnell wieder an den famosen Plan, dort mal richtig Geld für Essen zu lassen. Bestärkt wurde das noch durch die Meldung, dass Herr Rach 2011 aus dem Tafelhaus aussteigen will. Da war also schon etwas Zeitdruck für uns. Also reservierte ich Ende Juli einen Tisch im Tafelhaus für einen Termin zwei Monate später. Muss man wohl auch, denn spontan dort auflaufen und auf einen Tisch hoffen, ist sinnlos. Selbst erlebt, als ein Mann am Abend reinkam und fragte und wieder gehen musste. Alles reserviert, ausgebucht, nichts zu machen. Und das ist eigentlich auch das Schöne an solchen Restaurants. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass nach einem niemand mehr an dem Tisch sitzen wird. Denn ein Besuch im Tafelhaus dauert mindestens zwei Stunden, eher mehr. So haben weder die Kellner und Bedienungen Stress, noch fühlt sich der Gast abgewimmelt.

Wir waren knapp drei Stunden dort, und das, obwohl wir von den möglichen fünf Gängen gerade einmal drei genommen haben. Nachdem wir die Kleiderfrage – auf der Homepage steht „angemessene Kleidung“ – nach wochenlangen Diskussionen geklärt hatten und dann vor Ort feststellte, dass es wirklich kein Ballkleid sein muss, liefen wir also im Tafelhaus auf und starteten mit dem Hausaperitif – einem Sekt mit Holundersirup. Genau die richtige Einstimmung für das, was folgen sollte. Etwas verwirrend gestaltet ist die Menükarte, denn es werden links und rechts in der Karte zwei verschiedene Menüs angeboten, aus denen man aber verschiedene Gänge kombinieren kann. Wir sind keine Profis, was den Besuch in gehobenen Restaurants angeht und deswegen taten wir uns vielleicht auch etwas schwer, aber es wäre schöner, wenn in der Karte klarer gekennzeichnet wäre, was Vorspeise, Zwischengang, Hauptgang und Nachspeise ist. Allerdings klärte uns unsere Servicekraft sehr nett und hilfreich auf, sodass wir unser Menü noch halbwegs zeitnah und vor dem nahenden Hungertod zusammenstellen konnten. Ursprünglich hatten wir uns mehr als 3 Gänge vorgenommen, denn „wenn man schon mal da ist“, kann man auch auf die Pauke hauen. Im Nachhinein waren wir jedoch froh, dass wir es bei 3 Gängen belassen haben, wir waren schon nach der Vorspeise pappsatt. Und das nicht im Sinne des „der Hunger ist gestillt“, sondern rein geschmacklich. Als wären die Zunge und das Gehirn nicht in der Lage, noch mehr Geschmäcker aufzunehmen und umzusetzen.

Außerdem erwartete uns vor der Vorspeise noch eine, oder eigentlich sogar zwei, Überraschung. Zunächst bekamen wir drei Schälchen mit Dips – Olivencreme, Tomatencreme und Butter – und selbstgebackene Brötchen, die richtig lecker waren. Die Olivencreme schmeckte nach Olive, die Tomatencreme nach Tomate. Klingt banal, macht aber einen riesen Unterschied, ob es so schmeckt oder ob es wirklich DAS ist. Diese Dips waren einfach zu gut und ich rätsle jetzt noch, was da alles so drin war.

Zu diesem Appetizer gab es noch ein kleines Rätsel aus der Küche. Ein Teller mit vier wirklich kleinen Appetithäppchen aus den Bereichen „süß, salzig, sauer und scharf“. Was was war, wurde nicht verraten, so blieb nur der Geschmackstest. Der Löffel war schon unter einem der Häufchen platziert – grün, mit Kürbiskern drauf. Das war definitiv süß und stellte sich hinterher als Kürbismousse raus. Davon hätte ich gern mehr gehabt. Weniger aber von dem, was dann kam. Ein weißes, durchsichtiges Etwas mit Garnitur. Schmeckte nicht schlecht, eines reichte aber auch. Das kam aus der Reihe „salzig“ und war Rettich mit… habe ich vergessen.  Besser gar keines hätte ich von Nummer drei gehabt. Braun, ebenfalls mit Garnitur und die Konsistenz von Wackelpudding, aber nicht durchsichtig. Eigentlich also eher wie Eierstich. Ein Aggregatszustand, den ich alleine beim Berühren schon widerlich finde. Geschmacklich war das auch richtig übel. Schwarzteegelee mit Anis. Einfach nur grauenvoll und ungenießbar. Da wir aber zu den Ersten im Restaurant gehörten, machten wir uns in den folgenden Stunden den Spaß, allen weiteren Gästen beim Genuss dieser Platte zuzuschauen und wenn sich jemand das braune Häppchen genüsslich in den Mund schob, warteten wir schon auf die Fratze, die verriet: „Bäh!“. Nummer vier war wieder weiß und ein neutralisierendes Joghurt-Zitronenmousse mit etwas Salz. Nicht lecker, aber auch nicht so fies wie der Hustensaft-Eierstichverschnitt vorher. Neutralisiert mit viel Wasser und Brötchen warteten wir gespannt auf die Vorspeise.

Ich hatte bestellt: Hokkaido Kürbis, Apfel und Räucheraal | Rahmsuppe vom Hokkaidokürbis mit scharfem Apfelkompott, Räucheraal Medaillons und Honigkresse

Bislang war ich von meiner eigenen Kürbissuppe immer begeistert, mochte nie das, was ich in Restaurants vorgesetzt bekam, weil der Kürbis einfach so totgekocht wurde, dass die Suppe nach allen anderen Zutaten schmeckte, nicht aber nach Kürbis. Bei der hier war das nicht so. Die war vor allem rahmig und bei meiner nächsten Suppe werde ich auch auf den Rahm setzen, damit sie nicht zu sämig wird. Genial die Idee mit dem Räucheraal, der erdige Fischgeschmack passt perfekt zur fruchtigen Note der Suppe. Einzig der Apfelkompott wollte nicht so recht an mich, das lag aber weniger an Geschmack oder Komposition mit Suppe, sondern an der Konsistenz, die mich zu sehr an das braune Eierstich-Ekel-Häppchen vorher erinnerte.

Meine Freundin Judith hatte sich als Vorspeise Pastinake und orientalische Aromen | Mousse von jungen Pastinaken  mit marokkanischem Cous Cous, Dattel und Salz-Kaffeedressing bestellt.

Was Pastinaken sind, war uns beiden nicht so richtig klar. Aber die Blöße zu fragen, wollten wir uns auch nicht geben. Es schmeckte jedoch grandios und überlud etwas die Geschmacksnerven. Bei einem Probelöffel für mich dachte ich, dass es etwas wie Sellerie oder Radieschen schmeckt, da es etwas „nachzieht“. Genial war die Kombination mit der Dattel und CousCous. Das Salz-Kaffeedressing ist aber sicherlich Geschmackssache und hat uns beiden nicht so zugesagt. Diese Vorspeise hat aber rein kulinarisch so viel abverlangt, dass es fast nicht mehr möglich schien, noch zwei weitere Gänge zu essen. Als wäre die Zunge satt, der Magen aber nicht. Es änderte aber nichts daran, dass noch zwei Gänge kamen. Beim Bestellen hätten wir zunächst gerne beide das Gleiche genommen, was uns aber sinnlos erschien, da wir beide natürlich so viel wie möglich probieren wollten. So entschieden wir uns für Heilbutt, Langostino und Sot-l’y-laisse | Heilbutt mit gestampften Sellerie-Kartoffeln, Lauch und sautiertem Gipsy Pink Apfel, Trüffeljus und Zander, Taschenkrebs und Karotten | Gebratenes Filet vom Zander mit Taschenkrebsravioli, Orangen-Karotten und Krustentierjus.

Wir sind beide keine großen Fleischesser, daher blieb nur der Fisch. Außerdem stellte Judith irgendwann fest, dass „in jedem Gericht was ist, was ich nicht mag.“ Aber „das ist mir heute egal“. Konnte es letztlich auch sein, denn alles schmeckte wunderbar und vor allem anders, als man es gewohnt war. Also neu. Viel kann ich über meinen Hauptgang gar nicht sagen. Mein erster Kommentar beim Anblick und Verzehr der „Orangen-Karotten“ war: „Sieht aus und schmeckt wie aus einem Hipp-Gläschen“. Passte aber perfekt zum Zander und dem Krustentierjus und machte satt. Vor allem die Farben der Speisen, wie bunt das alles war und wie anregend das aussah, hat mich doch fasziniert. Noch schöner sah allerdings der Heilbutt aus, der zwischen zwei Sellerie-Kartoffelstampfhäufchen daherkam und von Äpfeln und Lauh umrahmt wurde. Einfach ein Gedicht und wäre es nicht schäbig, in einem Sternerestaurant das Essen zu fotografieren, hätte ich es gemacht.

Bei der Nachspeise konnten wir es dann doch nicht lassen und bestellten identisch: Feige und Nussaromen | Marmoriertes Milchschokoladeneis mit marinierter Cassisfeige,  Haselnußschaum und gerösteten Butteraromen

Ich will nicht übertreiben und wenn es so klingt, tut es mir leid, aber: Das war das beste Dessert, das ich jemals gegessen habe und war allein schon den Besuch im Tafelhaus wert. Diese Nachspeise ist ohne Worte, davon hätte es noch ein Teller sein dürfen. Die Nusscreme, das Schokoladeneis und die Feige, dazu die Nussaromen – mehr als das Bioleksche „mmmmmh“ war bei uns nicht mehr zu holen. Vor dem Dessert gab es übrigens noch einen Neutralisierer im Glas. Holunderbeeren mit Grieseis, auch wirklich gut und genau richtig an diesem Platz.

Noch ganz berauscht machten wir uns nach drei Stunden auf den Rückweg ins Hotel und sind froh, das mal gemacht zu haben. Es hat sich gelohnt, auch wenn Christian Rach selbst nicht da war. Den haben wir um einen Tag verpasst.

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Eben bei Aldi..

02/08/2010

…ein Ehepaar vor mir, den Wagen voll mit Chips, Eistee, Cola und Schokolade. Er fragt sie: „Hast du Geld?“ Sie kramt in ihrer Hosentasche und holt drei 5-Euro-Scheine und ein paar Münzen raus. „Das wird wohl nicht reichen“, entgegnet er, kramt ebenfalls in seiner Hosentasche und holt fünf 50-Euro-Scheine, schätzungsweise drei 20-Euro-Scheine, zwei 10-Euro-Scheine und keine Münzen raus, nimmt sich einen Fünfziger, packt den Rest wieder weg und blickt sich verstohlen um. Dann nimmt er die 5-Euro-Scheine seiner Frau und steckt sie in die andere Tasche.

Zuvor war mit mir eine Frau in den Laden gekommen, die den PAP-Teil unserer Zeitung mit sich rumgetragen hat. Ich fragte mich nur so lange, wieso sie das tut, bis sie zielstrebig auf den Brillenständer zugelaufen ist. Dort hat sie etliche Modelle probiert und dabei die Kleinanzeigen vor die Augen gehalten. Mal näher, mal weiter. Nach 10 Minuten war sie zufrieden und drängelte sich vor mich in die Schlange, ehe ihr der verstohlene Blick des Mannes aufgefallen sein muss. Vielleicht auch nicht. Sie ist ja kurzsichtig. Das Geld hat sie aber auf jeden Fall gesehen.

In der Schlange geht es vorwärts, als ich dran bin, sagt die Kassiererin: „Morgen!“ Ich blicke auf die Uhr: 19.45. Ein ganz normaler Einkauf bei Aldi.

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Da war nichts..

02/07/2010

Sie starrte auf seinen Mund, als könnte sie ihm die Wörter, die sie so gerne hören wollte, auf die Zunge legen. Doch er sagte nichts. Er starrte quer über den Messeplatz, auf dem sie geparkt hatten. Dann öffnete sich sein Mund. Und schloss sich wieder. Nach ein paar Sekunden öffnete er sich erneut. Nur, um sich wieder zu schließen. Dann schlug er die Augen nieder. Sie traute sich nicht, etwas zu sagen. Jedes Wort, dachte sie, könnte das falsche sein. Während sie ihn anstarrte, hatte sie fast vergessen, dass sie sich an den Händen hielten. Sie rutschte unruhig auf ihrem Sitz hin und her. Auf dem Sitz in dem Auto, in dem sie viele schöne, aber viel zu kurze Stunden verbracht hatten. Heimliche Stunden. Sag doch was, dachte sie. Doch alles, was er sagen würde, wäre das, was sie ohnehin schon immer gewusst hatte, aber niemals begreifen wollte. Er hatte nie etwas anderes behauptet als das, was die Wahrheit war. Dass er seine Frau nicht verlassen würde. Nicht für sie. Und auch für keine andere. Weil sie zusammengehörten. Genug, um sich nicht zu trennen. Aber nicht genug, um nicht andere Frauen nebenher zu haben. Oder nur eine. Nämlich sie. Die, die so viel jünger war als er. Die ihn aber so sehr liebte, dass es fast schmerzte. Die erste große Liebe.

Er sagte immer noch nichts. Er starrte raus. „Du weißt es doch“, sagte er schließlich. „Wie die Situation ist. Ich wollte dir nie das Herz brechen, aber ich glaube, ich habe dich für das restliche Leben verdorben.“ Sie verstand nur den ersten Teil. Wie die Situation ist. Dass er sich nicht trennen würde. Sie dachte über den zweiten Satz nach. Dass er sie verdorben habe für ihr weiteres Leben. Sie wollte das nicht verstehen. Er hatte ihr doch alles Gute gezeigt. Die Liebe, den Sex, Zuneigung, Vertrauen. Wieso sollte er sie verdorben haben? Aber sie wusste, sie würde seine Antwort nicht verstehen, wenn sie nachfragte. Sie schwieg. Sein Blick schweifte wieder über den Messeplatz, dann riss er für den Bruchteil einer Sekunde die Augen auf. Sie schaute in die gleiche Richtung, wollte wissen, was da war. Doch außer einem grünen Mercedes konnte sie nichts sehen. Sie schaute wieder zu ihm und er hatte ihren fragenden Blick bemerkt. „Da war nichts“, sagte er lächelnd. Er hatte Angst. Er hatte immer Angst, wenn sie öffentlich unterwegs waren. Doch diesmal war es nicht seine Frau. Schützend hatte er schon die Hand vor den Mund geführt, als hätte er damit verhindern können, dass er erkannt wird. Er, der so ein einzigartiges Auto fuhr, dass man ihn sofort erkennen würde.

Ihr war es egal. Am Anfang nicht. Da wollte sie glücklich sein, keinen Ärger riskieren, ihn ganz für sich haben und sie wollte, dass er ganz bei ihr war, wenn er bei ihr war. Doch inzwischen hatte sie es wenig leid, sich zu verstecken. Ganze zwei Jahre hatte sie das immerhin ausgehalten. Wenn sie entdeckt wurden, dann war es so. Sie merkte jetzt, dass das vielleicht der Impuls war, der ihr von ihm fehlte. Wenn er nichts tat, dass etwas von außen passieren würde. Denn sie konnte nichts tun. Sie konnte ihn nicht verlassen, denn die Liebe brannte in all ihren Gliedern. Sie konnte ihn auch nicht zur Rede stellen, denn es gab nichts zu reden. Er würde sich niemals für sie entscheiden. Er war zu alt, 35 Jahre älter als sie. Sie führten zwei unterschiedliche Leben und hatten sich nur durch Zufall an einer Gabelung getroffen. „Wären wir uns 25 Jahre früher begegnet“, hatte er mal gesagt, „dann würde alles ganz anders aussehen.“ Das waren sie aber nicht. Das war die Situation. Er Lehrer, sie Schülerin. Er alt, sie jung. Er verheiratet, sie unsterblich verliebt. Sie haderte kurz mit sich und der Welt, als sie mit ihren Gedanken wieder in die Realität zurückfand und merkte, dass er immer noch dahin starrte, wo kurz zuvor ja nichts gewesen war. Der Mercedes war weg. Sie blickte auf die Uhr. Die Freistunde war gleich zu Ende. Sie streichelte über seine Wange. „Ich glaube, wir müssen los.“ Er nickte. Dann drehte er seinen Kopf und küsste sie. Sie seufzte. Verdammtes Leben.

Jetzt war alles anders. Neun Jahre waren seitdem vergangen. Kurz nachdem auf dem Messeplatz nichts gewesen war, hatte sie sich von ihm getrennt. Nachdem es seine Frau doch rausgefunden und ihm eine Szene gemacht hatte. Nachdem er mehrere Wochen nicht in der Lage gewesen war, die Situation zu klären. Nachdem er nicht in der Lage gewesen war, ihr zu sagen, dass er sie nicht mehr sehen könne, weil er seine Ehe retten muss. Nachdem sie Panikattacken erlitten hatte, nachts nicht mehr schlafen und tagsüber nicht mehr essen konnte. Als sie über den Messeplatz fuhr, musste sie schmunzeln. Sie hielt durch Zufall an der Stelle, an der er damals nichts gesehen hatte. Nur irgendeinen grünen Mercedes. Sie stieg aus und holte ihren Hund aus dem Kofferraum. Sie blickte auf die andere Seite, wo sie damals geparkt hatten.

Jetzt verstand sie, was er damals meinte. Dass er sie verdorben hatte für ihr weiteres Leben. Das war so. Denn seitdem war sie kaum in der Lage gewesen, eine funktionierende Liebesbeziehung einzugehen und an und mit ihr zu arbeiten. Sie maß alles und jeden an ihm. Sie hatte kein Vertrauen in die Welt und vor allem wollte sie eins nie wieder: verletzt werden.

Doch heute war es egal. Sie war wieder bereit für Verletzungen. Weil sie wieder komplett bereit war, sich einzulassen. Auf einen neuen Menschen. Nach neun langen Jahren. Da waren keine Zweifel, keine Angst. Nur Sicherheit, Vertrauen, Begehren und Zuneigung. Alles fühlte sich so richtig an, auch wenn es für viele andere unnormal war. Sie liebte jetzt Frauen. Und hatte gerade einer ihr Herz geschenkt. Sollte es irgendwann gebrochen und verletzt zu ihr zurückkehren, wäre es ok. Denn diese Frau war es wert, das in Kauf zu nehmen.

Nachdem sie mit ihrem Hund eine Runde gedreht hatte, kam die SMS: „Ich bin so gut wie fechtisch. Muss nur noch die Wäsche aufhängen. Kuss.“  Sie schmunzelte, antwortete schnell, dass sie auf dem Weg sei und ging zurück zu ihrem Auto. Das war kein grüner Mercedes. Sondern ein Opel Astra Caravan. Und der brachte sie in ein neues Leben. Mit allem, was dazugehört. Keine Kompromisse, keine halben Sachen. Alles, wenn es sein musste.

h1

Losgelöst.

27/05/2010

Sanft losgelöst von allem,
was es gehalten hat,
liegt es hier.
Auf meiner Hand.
Klopft.
Schneller, als wir dich erreichen können.

Ich beschloss, es ist wieder Zeit.
Es jemandem zu geben. Dir.
Dort ist es gut aufgehoben.
Sei vorsichtig, es hat Narben.

Du gehst mit ihm.
Ich trauere nicht.
Ich weiß, es ist am Ziel.
Mein Herz.

h1

Geschützt: Labyrinth, Teil II

16/05/2010

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